An dieser Ampel kam es mutmaßlich zu dem Vorfall. Foto: Beyer

Ein Wahlkämpfer der pro-europäischen Kleinpartei Volt wurde am Samstag auf dem Freudenstädter Marktplatz heftig angegangen. Die Partei musste ihre Plakatieraktion abbrechen und spricht von einem „direkten Angriff auf die Demokratie“. Die Polizei ermittelt und bittet die Bevölkerung um Unterstützung.

Wird Freudenstadt zu einem heißen Pflaster für Wahlkämpfer demokratischer Parteien? Ein Vorfall vom Samstag lässt zumindest aufhorchen. Denn wie die pro-europäische Partei Volt berichtet, wurde einer ihrer Wahlkämpfer massiv beleidigt und bedroht – und das am helllichten Tag mitten auf dem Freudenstädter Marktplatz.

 

Laut einer Pressemitteilung kam es zu dem Vorfall bei einer Plakatieraktion gegen 14 Uhr. Ein Mitglied der Partei habe an der Stuttgarter Straße an der Fußgängerampel gestanden, als ihm der mutmaßliche Täter ins Ohr geraunt habe: „Heute Nacht schneide ich alle eure Drecks-Plakate wieder ab.“

Als der Wahlkämpfer den Mann zur Rede gestellt habe, habe dieser zunächst höhnisch und dann aggressiv reagiert. Er sei in „abwertende Beschimpfungen“ ausgebrochen, wie es in der Pressemitteilung heißt. Über die Art der Beschimpfungen geht die Mitteilung aber nicht weiter ins Detail.

Nummernschild fotografiert

Nach diesem Vorfall entfernte sich der Volt-Politiker laut Angaben der Partei von dem Mann und ging zu seinem in der Schulstraße geparkten Auto, um noch mehr Plakate zu holen. In dem Moment habe sich der mutmaßliche Täter auf einem Fahrrad genähert und das Nummernschild des Wagens fotografiert. Unter Gewaltandrohung habe er dann den Wahlkämpfer genötigt, ins Auto zu steigen. Danach habe er gerufen: „So läuft das hier in Deutschland.“

Die Angaben der Partei lassen sich derzeit nicht bis in jedes Detail überprüfen. Die Polizei bestätigt aber auf Anfrage unserer Redaktion, dass am Samstag in Freudenstadt ein Wahlkämpfer angegangen wurde. „Es gibt eine Anzeige wegen des Anfangsverdachts der Nötigung“, berichtet ein Sprecher.

„Nach Angaben des Geschädigten hat er Wahlplakate angebracht und wurde in der Folge von einem Unbekannten angegangen und dazu genötigt, in sein Fahrzeug zu steigen“ – also in das des Geschädigten.

Weitere Angaben zum Tathergang konnte die Polizei am Mittwoch zunächst nicht machen. Allerdings berichtet der Sprecher, dass den Beamten eine Personenbeschreibung des mutmaßlichen Täters vorliegt. Kurz nach der Tat habe die Polizei daher im Stadtgebiet nach dem Täter gefahndet – allerdings ohne Ergebnis.

Polizei sucht Zeugen

Laut Polizei wurde der mutmaßliche Täter wie folgt beschrieben: „Mitte 40, männlich, 1,80 Meter groß, Brillenträger, kurzes blondes Haar.“ Der Mann habe laut den Angaben des Geschädigten ein rotes E-Mountain-Bike mit goldfarbenen Pedalen gefahren, so die Polizei.

Wer die die Tat beobachtet hat oder andere sachdienliche Hinweise geben kann, soll sich beim Polizeirevier Freudenstadt melden unter Telefon 07441/83 60.

Yannic Walheim, Volt-Direktkandidat für den Wahlkreis, zeigt sich indes entsetzt über die Tat: „Wir sind schockiert, dass in aller Öffentlichkeit ein derartiger Angriff in Freudenstadt mitten am Tag möglich ist. Für mich ist dies ein direkter Angriff auf die Demokratie.“