Einsatzkräfte der Polizei suchten das umliegende Gebiet ab. Foto: Jonas Günther/dpa

Viele Bürger stehen in fassungsloser Trauer vor dem Ereignis: Eine Spaziergängerin hat bei Steinen-Hüsingen den Leichnam eines Säuglings gefunden. In Gedanken sind viele Menschen bei dem verstorbenen Kind. Auch an die Mutter wird gedacht.

„Was ist los in Hüsingen, dass ihr im Fernsehen kommt?“: Diese Frage war in den vergangenen Stunden häufiger zu hören.

 

Der Fund des Säuglings

Eine Spaziergängerin hat am Donnerstag gegen 13.20 Uhr in einer Graswiese im Außenbereich von Steinen-Hüsingen nahe der Kreisstraße 6334 den Leichnam des Säuglings gefunden. Das geht aus einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Lörrach und des Polizeipräsidiums Freiburg vom Freitagnachmittag hervor.

Beim Kriminalkommissariat Lörrach wurde eine Ermittlungsgruppe eingerichtet. Es gehe unter anderem um die Frage, wer die Mutter des Babys ist. Unklar war zunächst auch, wie lange das Kind im Gras gelegen hatte. Der Leichnam soll einem Sprecher zufolge obduziert werden. Weitere Auskünfte geben Staatsanwaltschaft und Polizei laut Mitteilung wegen der laufenden Ermittlungen gegenwärtig nicht.

Tiefe Betroffenheit

Nicht nur die Hüsinger Bürger sind schockiert, auch von außerhalb sind Kommentare und Signale des Entsetzens zu vernehmen. Doch vor allem Bewohner des Dorfs stehen voller Trauer und Unverständnis vor diesem Ereignis. Die Menschen denken insbesondere an das Kind, aber auch die Situation der Mutter beschäftigt viele: Wie konnte es dazu kommen? War die Mutter in einer Notlage? Was sind die Ursachen? Fragen, die Bürger des Dorfs in diesen Stunden bewegen.

Blumen und Kerzen vor der Tür des Hochbehälters – Zeugen stiller Trauer und Anteilnahme Foto: Vera Winter

„Bisher kannte man sowas von Berlin oder Hamburg – aber von Hüsingen …!?“, war etwa zu hören. Oder: „Dass hier so etwas vorkommt, macht noch betroffener.“

Auch Ortsvorsteher Jürgen Schäfer, der die Information aus der Pressemitteilung erfahren hatte, ringt um Worte: „Das ist schrecklich und macht einen sprachlos. Man kann es nicht verstehen, fühlt sich hilflos, dass so etwas bei uns passieren kann.“ Ortschaftsrat Thomas Bauer sagt: „Es ist sehr traurig, dass so ein junges Leben keine Chance hatte.“

Der Polizeieinsatz

Viele Bürger hörten den Hubschrauber und wunderten sich zunächst, dass er über dem Dorf blieb. Hinzu kamen Autos von der Bundesstraße, teils zivil, teils mit Polizeibeschriftung, doch alle mit Martinshorn. „Sie werden etwas suchen“, meinte jemand.

Die Anteilnahme

Inzwischen weiß man: Der Leichnam des Säuglings wurde in der Umgebung des Hochbehälters, auch Wasserreservoir genannt, gefunden. Eigentlich ein lauschiger Platz: Bänke zum Ausruhen stehen dort, vom Turm aus bieten sich Ausblicke Richtung Wiesental, Dinkelberg und ab und an bis zu den Alpen. Nun aber befinden sich Blumen und Kerzen vor der Tür des Hochbehälters – Zeugen stiller Trauer und Anteilnahme.

Das Rätsel

Die Einwohner machen sich Gedanken: „War das jemand vom Ort?“ Ein junger Mann fand traurig, dass Hüsingen aus diesem schrecklichen Anlass in den Nachrichten ist.

Viele äußerten die Hoffnung, dass das Baby nicht leiden musste. Und auch um das Schicksal der Mutter kreisten die Gedanken. „Es gibt doch Lösungen: Beratungen, Babyklappe“, sagte jemand. Eine andere Person wies auf das St. Elisabethen-Krankenhaus in Lörrach mit seiner Babyklappe hin. Auch von der Möglichkeit, anonym zu entbinden, wurde gesprochen. Eine andere Stimme sagte: „Warum wurde der Säugling nicht beim Kindergarten abgelegt?“ Indes muss ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass es sich hierbei lediglich um – verständliche – Mutmaßungen handelt. Noch ist nichts Offizielles über die Hintergründe und Zusammenhänge des Falls bekannt.

Der Hochbehälter Foto: Vera Winter

Still liegt der Hochbehälter in der Sonne des späten Nachmittags. Auf einer Kerze steht: „Ruhe in Frieden, kleiner Engel“.

Das Kriminalkommissariat bittet um Mitteilung verdächtiger Beobachtungen oder anderer Hinweise. Es ist unter Tel. 07621/176-800 erreichbar.