Derya Türk-Nachbaur, SPD-Bundestagsabgeordnete für den Schwarzwald-Baar-Kreis, ist für eine Künstliche Intelligenz die dritt-attraktivste Abgeordnete im Land. Foto: Marc Eich

Spieglein, Spieglein, an der Wand, wer sind die attraktivsten Abgeordneten im Land? Wäre der Spiegel die KI, hätte der Schwarzwald-Baar-Kreis Top-Chancen auf eine Spitzenbewertung.

Eine nicht ganz ernstzunehmende, aber doch ganz interessante Bewertung der Attraktivität deutscher Bundestagsabgeordneter nahm jetzt eine Informationsplattform im Internet mit Künstlicher Intelligenz (KI) vor.

 

Zwei Abgeordnete aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis stechen besonders hervor – und überhaupt kommt die Künstliche Intelligenz zu dem Schluss: Die Abgeordneten im Schwarzwald-Baar-Kreis sind überdurchschnittlich attraktiv.

Die Realität hinter dem Gag

Was nach dem Marketing-Gag einer Agentur aussieht, ist unter analytischen Gesichtspunkten nicht vollkommen von der Hand zu weisen: Das Aussehen der zur Wahl stehenden Kandidaten spielt eine wichtige Rolle bei der Wahlentscheidung. Verschiedene Studien landauf, landab haben das schon bestätigt und tun das in jedem Superwahljahr aufs Neue.

Mit Vorsicht zu genießen dürfte für viele der Urheber der jüngsten, für den Schwarzwald-Baar-Kreis so vorteilhaften Studie sein: Ausgerechnet eine Plattform für Glücksspiel in Deutschland hat sie vorgenommen und über eine Agentur verbreitet. Wir haben uns das trotz dieser Herkunft einmal angeschaut, denn: Basis der Studie waren laut dem Partner der Plattform, Nils Leidloff, die offiziellen Bilder der Abgeordneten von der Internetseite des Deutschen Bundestags – mit Ausnahme von zehn Profilbildern, bei welchen das nicht möglich war und die aber keinen Abgeordneten aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis betreffen.

So funktioniert das

Ein auf Open CV basierendes Gesichtserkennungsmodul, einem freien Programmbibliothek mit Algorithmen für die Bildverarbeitung, habe die Gesichter aus den Bildern herausgelöst und schließlich mit Hilfe weiterer KI analysiert. Ein weiteres neuronales Netzwerk habe den Attraktivitätswert berechnet und dabei auch das geschätzte Alter und Geschlecht einbezogen. Zuvor seien diese neuronalen Netzwerke mit einem annotierten Datensatz trainiert worden.

An die Spitze der Bundestagsabgeordneten im Land hat sich Jessica Tatti vom Bündnis Sahra Wagenknecht BSW gesetzt vor Agnieszka Brugger von den Grünen und Derya Türk-Nachbaur von der SPD im Schwarzwald-Baar-Kreis. Lag der Durchschnittswert in der kompletten Bundesrepublik bei 6,43 Punkten, wurde die Sozialdemokratin aus der Region mit 8,09 Punkten äußerst positiv bewertet.

Aber auch Thorsten Frei ist laut dieser Studie überdurchschnittlich attraktiv.

Kommt bei der KI-Bewertung ebenfalls gut weg: Thorsten Frei. Foto: Tobias Koch

Mit seinen 6,84 Attraktivitätspunkten rangiert der Christdemokrat aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis und ehemalige Donaueschinger Oberbürgermeister immerhin auf Rang 218 unter den 733 Abgeordneten, von welchen die Bilder von 723 in die Bewertung mit eingeflossen sind.

Was die Bundeszentrale für politische Bildung sagt

Doch was sagt die Studie jetzt eigentlich aus? Haben Thorsten Frei und Derya Türk-Nachbaur etwa einen Schönheitsbonus bei den Wählern? Und gibt es einen solchen überhaupt?

Wir haben den Professor und Leiter der Bundeszentrale für politische Bildung in Freiburg, Michael Wehner, gefragt. Auf Nachfrage unserer Redaktion sagt er: „Ich würde sagen: symmetrische Gesichter, nettes Aussehen, erleichtert auf alle Fälle die Inszenierung im Wahlkampf bei Instagram und auf Plakaten“, doch alles darüber hinaus schränkt er radikal ein: „Aber auch die Person wähle ich nicht, wenn sie mich nicht auch inhaltlich überzeugt und für meine politischen Werte und Weltanschauungen steht.“

Die Studie der Experten

Sein Kollege Sebastian Jäckle hat sogar intensiv geforscht und sich mit der Politikeroptik und dem Einfluss der Attraktivität auf die Wahlchancen befasst. „Politiker können alleine durch ihr Aussehen Wahlen gewinnen oder verlieren“, so der Freiburger Politologe Jäckle. Er hat das Erscheinungsbild von über 500 Bundestagsdirektkandidaten und Bewerbern für das Repräsentantenhaus in den USA untersucht.

In der Forschung ging es um aussehensbasierte Heuristiken – im Grunde genommen sind das Methoden des Gehirns, wie Abkürzungen, die das Hirn nimmt, um vom Aussehen einer Person Rückschlüsse auf die Einstellungen oder Fähigkeiten einer Person zu ziehen.

Jäckle hatte bei seiner Studie allerdings keine Künstliche Intelligenz zurate gezogen, sondern die Bilder von ihnen gänzlich unbekannten Kandidaten den über 5000 Probanden im Zuge seiner Forschung online vorgelegt.

Das Ergebnis

Nach den Wahlen wurden die Ergebnisse mit dem Abschneiden bei den Wahlen verglichen. „Attraktivität wirkt immer und überall positiv“, so Jäckles Fazit. Dass die Attraktivsten gewinnen würden, war bei dieser Studie nicht vorher ausgemacht. Älteren Personen würde in Deutschland in der Regel eine höhere Kompetenz unterstellt, „allerdings ist dieser Effekt nicht ganz so stark wie der der Attraktivität“, so der Experte. In den USA habe sich das übrigens anders verhalten und die Attraktivität wesentlich stärker gezählt.