Warum die Jury sich für ihn entschieden hat, konnte der Ostelsheimer Bürgermeister noch nicht herausfinden. Jedenfalls gilt dem 30-Jährigen eine weitere renommierte Auszeichnung: Der „One Young World Politician of the Year Award“. Wir erklären, was es damit auf sich hat.
Der „One Young World Politician of the Year Award“ würdigt die herausragendsten Politiker der Welt im Alter von 18 bis 35 Jahren, die ihre Positionen nutzen, um einen positiven Einfluss auf junge Menschen in ihren Gemeinschaften und Ländern auszuüben, ist einer Pressemitteilung zu entnehmen. Durch ihre bedeutende Karriere und Arbeit würden diese Kandidaten zeigen, wie wichtig es sei, junge Menschen in die Politik einzubeziehen.
Vier Preisträger
Vier junge Politikerinnen und Politiker wurden dieses Jahr als Träger prestigeträchtigen Preises ausgewählt. Deutschland ist dadurch zum zweiten Mal vertreten: Nachdem der Europaabgeordnete Eriq Marquardt den Titel „Politiker des Jahres 2020“ erhielt, darf nun der Ostelsheimer Bürgermeister Ryyan Alshebl neben drei jungen Frauen ebenfalls den Titel „Politiker des Jahres 2024“ tragen.
Dicke Überraschung
Die Gewinner wurden von einem Expertengremium von One Young World aus einer Vorauswahl ausgewählt und werden beim „One Young World Summit“ 2024 im kanadischen Montreal mit diesem Preis ausgezeichnet. „Ich weiß nicht, wie die auf mich gekommen sind“, sagt Alshebl im Gespräch mit unserer Redaktion. Er habe vor Weihnachten erfahren, dass er nominiert sei. Offiziell sei die Auszeichnung erst wenige Tage. „Ich fühle mich jedenfalls sehr geehrt“, äußert sich der Ostelsheimer Rathauschef.
Globale Plattform
One Young World identifiziert, vernetzt und fördert nach eigenen Angaben junge Führungskräfte und bietet ihnen eine globale Plattform, um eine gerechte, nachhaltige Zukunft für alle aufzubauen. Der Großteil der Aktivitäten wird über One Young World Limited abgewickelt, eine in England und Wales eingetragene Wohltätigkeitsorganisation.
Wer an sich glaube, könne junge Leute überzeugen, sagt der 30-Jährige. Durch das eigene Schicksal und den Werdegang sehr große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, könne aber auch zur Belastung werden. „Bekannt zu sein, musste ich lernen“, äußert sich der Rathauschef. Manchmal werde ihm die mediale Aufmerksamkeit zu viel. „Ich bin froh, dass ich nicht selten unerkannt bleibe.“
„Ich bin nicht die Ausnahme, sondern mein Job“
Seine Geschichte, also wie er als Flüchtling nach Deutschland kam und wie es hier für ihn weiterging, sei bekannter als seine Person, so Alshebl. „Eigentlich bin ich nicht die Ausnahme, sondern mein Job“, ist der 30-Jährige überzeugt.
Genauso ist Alshebl davon überzeugt, dass sein Bekanntheitsgrad dem Image der Gemeinde Ostelsheim gut tut: „Man bekommt leichter Zugang zu höheren politischen Ebenen. Man kann sich als Gemeinde besser platzieren, Ostelsheim profitiert mittelbar dadurch“, berichtet er.
Seine Erfolge verleihen Alshebl eine „gewisse Unerschrockenheit“, wie er betont. Hierarchien würden ihn nicht abschrecken und er spreche Dinge direkt an. „Dabei gerät man aber schnell in eine Grauzone, denn schließlich bin ich kein Aktivist, sondern muss mich an Regeln halten. Manchmal fühlt man sich von den eigenen Emotionen getrieben“, gibt der 30-Jährige unumwunden zu.
Weitblick und innovatives Denken gefragt
Froh und ein Stück weit stolz ist er jedenfalls, dass das Prestigeprojekt neue Ortsmitte mit Dorfcafé, mit dem er Wahlkampf gemacht hatte, vorankommt. Ostelsheim brauche dringend eine Begegnungsstätte. „Gerade bei Besuchen bei Geburtstagsjubilaren stelle ich immer wieder fest, dass es einsame Menschen bei uns im Ort gibt.“ Bei solchen Vorhaben sei innovatives Denken gefragt, man müsse über bestehende Strukturen hinaussehen.
Vertreter aus mehr als 190 Ländern
Genau diese Denkweise ist beim jährlichen One Young World Summit gefragt, dem Treffen junger Führungskräfte aus aller Welt. Sich inspirieren zu lassen, dort Erfahrungen auszutauschen und Kontakte zu knüpfen steht im Fokus. „Beim jährlichen Summit kommen die klügsten jungen Führungskräfte aus über 190 Ländern und über 250 Organisationen zusammen, um gemeinsam an der Beschleunigung der gesellschaftlichen Wirkung zu arbeiten“, ist auf der Homepage zu lesen. Zur Community der jungen Führungskräfte gehören „Unternehmensführer, Politiker, Regierungs- und politische Amtsträger sowie anerkannte Unternehmer, Aktivisten und Menschenrechtsaktivisten“.
Videobotschaft nach Montreal
Der diesjährige One Young World Summit findet vom 18. bis 21. September statt. Da Alshebl aus zeitlichen Gründen nicht persönlich an dem Treffen in der kanadischen Provinz Quebec teilnehmen kann – im September stehen nebst vielen weiteren Aufgaben drei wegweisende Gemeinderatssitzungen an –, wird er via Videobotschaft an der Veranstaltung teilnehmen.