Der SPD-Kreisverband Rottweil diskutiert die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. So denken Mirko Witkowski und Florian Wahl über die Schließungen von Krankenhäusern und Notfallpraxen.
Wie wird die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum künftig aussehen? Welche Herausforderungen müssen im Wahlkreis Rottweil-Tuttlingen beim Thema Gesundheit bewältigt werden? Wie geht es mit den Krankenhäuser im Kreis weiter?
Über diese und viele andere Fragen diskutierten die Besucher im Gasthaus „Hochbrücke“ mit dem Landtagsabgeordneten Florian Wahl (SPD) und dem Bundestagskandidaten Mirko Witkowski. Eingeladen hatte der SPD-Ortsverein Rottweil.
Bei einem Besuch im Wahlkreis von SPD-Bundestagskandidat Mirko Witkowski in Rottweil ging Florian Wahl nun auf die bevorstehende Krankenhausreform ein. „Sie ist ein Segen für das Land, kommt aber einige Jahre zu spät“, begann der Böblinger Abgeordnete seinen kurzen Impulsvortrag.
Die Reform sei dringend nötig, da man einerseits eine hohe Qualität in der Gesundheitsversorgung haben möchte und gleichzeitig eine flächendeckende Versorgung. Aus Sicht von Florian Wahl habe es Karl Lauterbach gut hingekriegt, bei der Krankenhausreform alles unter einen Hut zu bringen.
Schließung von Krankenhäusern
Die bisherigen Fallpauschalen sollen durch Vorhaltepauschalen abgelöst werden. Wenn also ein Krankenhaus eine bestimmte Leistung vorhält, wird dieses Angebot mit einer Pauschale finanziert, was bisher nicht so ist.
Bundestagskandidat Witkowski ging näher auf die Gerüchteküche bezüglich der Schließung von Krankenhäusern ein: „Es geht darum, in Ballungszentren mit einer hohen Krankenhausdichte genau zu schauen, welche Häuser sich wie spezialisieren und wo ein Überangebot besteht. Dies trifft nicht auf den ländlichen Raum zu.“
Fataler Fehler in der Krankenhausplanung
Als einen fatalen Fehler sahen Mirko Witkowski und Florian Wahl die fehlende Krankenhausplanung der Landesregierung in Baden-Württemberg an. Durch diese fehlende Planung wird oft nur nach lokalpolitischen Aspekten entschieden und nicht nach gesundheitspolitischen. Einig waren sich beide in der Einschätzung, dass Krankenhausschließungen in der Vergangenheit hätten verhindert werden können.
Viel Kritik gab es von Mirko Witkowski noch einmal für die Kassenärztliche Vereinigung, welche die Schließung von 18 Notfallpraxen in Baden-Württemberg verkündet hat. Davon betroffen ist auch die Notfallpraxis in Oberndorf. Trotz der rund 20 000 Unterschriften aus dem Land, davon rund 1400 Unterschriften alleine aus dem Landkreis Rottweil hat die Kassenärztliche Vereinigung an der Schließung der Notfallpraxen festgehalten.
Geschlossene Notfallpraxen sind ein Skandal
„Das ist ein Skandal. Durch die Schließung gleich mehrerer Notfallpraxen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Landkreis Rottweil müssen viele Menschen bei uns im Landkreis jetzt viel längere Wege und lange Wartezeiten in der einzig verbleibenden Notfallpraxis in Rottweil in Kauf nehmen“, so Witkowski.
Einige Ideen und Überlegungen zur künftigen Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum brachte Florian Wahl zum Abschluss ein: Neue Praxisformen, kommunale MVZs, genossenschaftlich geführte Ärztehäuser, aber auch Gesundheitskioske und die Unterstützung der Arztpraxen durch weitergebildetes Fachpersonal aus dem Pflegesektor seien Möglichkeiten, die Gesundheitsversorgung für die Zukunft auf einem hohen Niveau fortzuführen.