Die Partei hat für ihre Wahlkampfauftakt am 10. Januar einen Veranstaltungsraum der Stadt auf dem Hirsauer Klosterareal. Parallel dazu findet dort eine Mahnwache statt.
Der 8. März 2026 ist der Tag der Wahl: Dann entscheiden die Baden-Württemberger darüber, wie sich die der Landtag künftig zusammensetzt. Das bedeutet auch: Die Parteien befinden sich im Wahlkampf, und der nimmt an Fahrt auf.
So veranstaltet die AfD am Samstag, 10. Januar, ab 19 Uhr ihren Wahlkampfauftakt im Kreis Calw. Mit dabei ist unter anderem Miguel Klauß, Landtagsabgeordneter für den Landkreis Calw. Die Veranstaltung findet im Klosterkeller in Hirsau statt.
Für Erich Hartmann ist das eine, wie er in einem Leserbrief an unsere Redaktion schreibt, „unerträgliche Vorstellung“. Hartmann betont, er schreibe den Brief als Privatperson, allerdings ist der Theologe der Dekan im evangelischen Kirchenbezirk Calw-Nagold. Und zu „seiner“ Calwer Kirchengemeinde gehört Hirsau.
Ort der Menschenfreundlichkeit „Das Kloster in Hirsau war jahrhundertelang ein Ort des Gebets, der Stille und der Menschenfreundlichkeit.“ Er sei geprägt von der Regel des heiligen Benedikt, ihm war die Hirsauer Abtei geweiht. Benedikt von Nursia (480 – 547) habe geschrieben: „Alle Gäste, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus.“
Dazu erklärt Erich Hartmann: „Dieser Satz ist kein dekoratives Zitat aus der Vergangenheit. Er ist eine Verpflichtung.“ Er erinnere daran, dass Würde, Respekt und Menschlichkeit nicht verhandelbar seien. „Ein benediktinisches Kloster war niemals ein Ort der Ausgrenzung und der Angst vor Fremdem. Nicht der Abwertung von Menschen nach Herkunft, Religion oder Prägung.“ Die Regel des heiligen Benedikt kenne keinen Nationalismus, sie kenne keine Überheblichkeit.
Klosteranlage verdient mehr als politische Inszenierung
Erich Hartmann schreibt auch, dass es im Prolog der Benediktsregel heißt: „Suche den Frieden und jage ihm nach.“ Frieden beginnt aus Sicht des Theologen dort, „wo Menschen nicht gegeneinander aufgebracht werden. Wo Unterschiede nicht als Bedrohung gelten. Wo Vielfalt nicht als Gefahr, sondern als Realität des menschlichen Lebens anerkannt wird.“
Das Gelände des alten Benediktinerklosters in Hirsau verdiene mehr als eine politische Inszenierung. „Es sollte nicht benutzt werden dürfen, um Ideen zu verbreiten, die spalten, ausgrenzen oder verächtlich machen.“ Christliche Tradition und rechte Ideologie seien unvereinbar. „Dieser Ort spricht eine andere Sprache als die, von Hass, Ausgrenzung und Menschenverachtung. Er zeugt von Versöhnung, Frieden und Menschlichkeit.“
Ort der Wahl Mit Blick auf solche Bedenken angesichts des Wahlkampfauftakts im Klosterkeller erklärt Miguel Klauß, einer der Sprecher des AfD-Kreisverbands Calw/Freudenstadt: „Dass Teile der Kirchenführung eine ablehnende Haltung gegenüber der AfD einnehmen, ist bekannt.“
Zugleich erläutert er, dass sich seine Partei für den Landtagswahlkampf bewusst für öffentliche Räume entschieden hat. „Dies ermöglicht es uns, die Veranstaltungsorte transparent mit genauer Adresse zu bewerben“, teilt er mit. „Die Nutzung privater Gaststätten ist in der aktuellen politischen Atmosphäre leider oft mit erheblichen Risiken für die Betreiber verbunden.“
Die Wahl sei auf den Klosterkeller gefallen, „da dieser bezüglich Kapazität und Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugte“ und von der Stadt Calw als geeignete Option vorgeschlagen worden sei.
Alle nicht verbotenen Parteien werden gleich behandelt
Ort für Veranstaltungen Eigentümer und zuständig für die Vermietung des Klosterkellers ist tatsächlich die Stadt. Er wird, so erklärt Calws Oberbürgermeister dazu, „von ihr für Veranstaltungen gesellschaftlicher, gewerblicher oder politischer Art vermietet“ – genau wie etwa der Hirsauer Kursaal, die Gemeindehalle Stammheim oder die Calwer Aula. Florian Kling erläutert, dass für politische Parteien in den städtischen Satzungen explizit eine zusätzliche Gebühr veranschlagt ist, „was also grundsätzlich die Vergabe an politische Parteien einschließt und ermöglicht“. Die Stadt und öffentliche Stellen seien verpflichtet, nicht verbotene Parteien grundsätzlich gleich zu behandeln.
Zwar hat der baden-württembergische Verfassungsschutz die AfD als Verdachtsobjekt eingestuft. Doch der bloße Verdacht, rechtsextreme Bestrebungen zu verfolgen, führe „rechtlich nicht dazu, dass die Stadt die Anmietung durch die AfD vorbeugend unterbinden darf“. Darüber hinaus teilt er mit: „Die Stadt hat keine politische Meinung zu Parteiveranstaltungen.“
Ort des stillen Protests Das Bündnis „Calw bleibt bunt“ indes bringt seine Meinung zum Ausdruck und ruft zu einem stillen Protest am 10. Januar, von 17.30 bis 19 Uhr, am Kloster auf. Co-Sprecher Roland Stumpf meint: „,Calw bleibt bunt’ ist für Demokratie und eine offene Gesellschaft. Dafür steht auch das Kloster. Es sei an Ort, der Ruhe und Bessinnung ausstrahle, nicht Politikkrawall. „Es sollte nicht so missbraucht werden.“ Dem Wahlkampfauftakt der AfD woll das Bündnis darum eine Mahnwache entgegen setzen.