Politische Weichenstellungen stehen an – gute oder schlechte Aussichten für Schramberg? Foto: Rainer Langenbacher

Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg melden sich Unternehmer aus Schramberg zu Wort: Bildung, Infrastruktur und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sind zentrale Themen.

In Berlin ringt die Regierungskoalition um den richtigen Kurs, am Sonntag, 8. März, steht in Baden-Württemberg die erste von fünf Landtagswahlen in diesem Jahr an. Wahlprogramme, Versprechen und Debatten prägen derzeit die politische Bühne. Doch was erwarten die Menschen vor Ort konkret von der Politik? Welche Themen bewegen sie im Alltag, wo sehen sie Handlungsbedarf – und was sollte sich nach der Wahl ändern? Wir haben bei Unternehmern und Entscheidungsträgern nachgefragt: Was wünschen sie sich von der Politik?

 
Annette Melvin Foto: Fritsche

Annette Melvin, Geschäftsführerin des Schramberger Majolika Firmenpark, setzt in ihrer Antwort beim Grundsätzlichen an. Sie erwartet, dass „Politiker geerdeter sind und erkennen, was im normalen Leben läuft und was nötig ist“. Zudem fordert sie einen sorgsamen Umgang mit Steuergeldern, insbesondere bei Subventionen. Dringenden Handlungsbedarf sieht sie in der Bildungspolitik: „Unsere Gesellschaft braucht gut ausgebildete und motivierte Menschen.“ Dabei gehe es nicht nur um Fachwissen, sondern auch um die Vermittlung von Werten wie Toleranz und Rücksicht – wichtig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Nicht jeder müsse studieren, betont sie, auch mit einer beruflichen Ausbildung lasse sich Karriere machen..

Björn Dymke Foto: Oliver Graf

Björn Dymke, Geschäftsführender Direktor der Trumpf Laser SE, betont ebenfalls die Bedeutung beruflicher Qualifikation. „Neben dem Abbau bürokratischer Hürden und der Beschleunigung von Genehmigungsverfahren spielt Bildung aus unserer Sicht eine große Rolle“, sagt er. Dazu zähle unter anderem die gezielte Förderung der MINT-Bereiche sowie die Wissensvermittlung rund um Künstliche Intelligenz und Robotik. Darüber hinaus richtet Dymke den Blick auf die Region: „Eine gute Infrastruktur ist gerade im ländlichen Raum essenziell, um Fachkräfte zu halten und neu zu gewinnen. Eine flächendeckende Kinderbetreuung bildet dabei ein wichtiges Fundament für berufstätige Eltern.“

Clemens Maurer Foto: Maurer

Clemens Maurer, Geschäftsführer der Maurer Verwaltungs-Holding, dringt auf eine stärkere Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Volkswirtschaft. Entsprechend erwartet er von den politischen Entscheidern im Land und im Bund klare und mutige Reformschritte in zentralen Bereichen: „Erstens einen Sozialstaat, der Anreize setzt, zu arbeiten und produktiv zu sein, und zweitens eine öffentliche Verwaltung, die nicht hemmt, bremst und verhindert, sondern Investitionen und Vorhaben – egal ob klein oder groß – als Dienstleister ermöglicht.“Dazu brauche es eine umfassende Verwaltungsreform, einschließlich der Streichung einer Verwaltungsebene im Land, einen konsequenten Bürokratieabbau sowie einen deutlichen Digitalisierungsschub. Drittens, so Maurer, sei eine Kultur des Vertrauens notwendig, die auf Fleiß und Eigenmotivation jedes Einzelnen setzt.

Boris Giesler Foto: Giesler

Boris Giesler, Inhaber des Modehaus Dobler, richtet den Blick auf die Region Schramberg. Im Sinne einer positiven Innenstadtentwicklung und zur Sicherung der Frequenz wünscht er sich „Landesprogramme für lebendige Innenstädte“, die auch die Themen Parken und ÖPNV einbeziehen.

Zugleich plädiert Giesler für stärkere kommunale Handlungsspielräume, weniger Bürokratie und schnellere Verfahren. „Genehmigungen für Umbauten oder Nutzungsänderungen dauern zu lange, Dokumentationspflichten sind zu aufwendig, und Förderprogramme sind nur kompliziert zugänglich“, kritisiert er.

Zu einer zukunftsfähigen Infrastruktur im ländlichen Raum zählt für ihn außerdem die Unterstützung von Omnichannel-Strategien im Einzelhandel sowie gezielte digitale Förderprogramme. „Der moderne Einzelhandel verbindet heute Tradition und Technik – ohne Netz kein Geschäft“, betont Giesler.

Johannes Kempf Foto: Fritsche

Johannes Kempf, Inhaber Haushaltswarengeschäft Schinle, ist wie Boris Giesler im Einzelhandel tätig. Er beginnt mit einem Lob für die neue Regierung in Berlin: „Bis jetzt macht sie es nicht schlecht.“ Wie alle anderen Befragten sieht jedoch auch Kempf die Bürokratie als große Belastung: „Hat man eine neue Verordnung erfüllt, kommt schon die nächste.“ Zudem empfindet er die Vielzahl unterschiedlicher Steuerarten für Unternehmen seiner Größe als zu hoch. „Denn auch die Abgaben müssen erst einmal erwirtschaftet werden“, betont er.

Kritisch äußert sich Kempf außerdem zu den hohen Hürden für junge Menschen, die ein Geschäft gründen wollen. Banken stellten häufig sehr hohe Anforderungen – etwa bei Sicherheiten oder Rückzahlungsfristen –, was den Schritt in die Selbstständigkeit zusätzlich erschwere.

Sven Arend Foto: hGears

Sven Arend, Vorstandsvorsitzenden der hGears AG, greift ebenfalls das Thema Finanzierung auf. Er fordert eine stärkere Unterstützung des Mittelstands in Phasen der Marktabschwächung – etwa durch Garantien für Kreditgeber, damit Unternehmen leichter Zugang zu notwendigen Finanzierungen erhalten.Darüber hinaus hält Arend eine stärkere Flexibilisierung des Arbeitsmarkts sowie eine deutliche Reduzierung des Bürokratieaufwands und des Berichtswesens für zentrale Stellschrauben, um Unternehmen nachhaltig zu entlasten.

Francesco Infantone Foto: Fritsche

Francesco Infantone, Wirt des „Spunden“, macht Druck auf die Politik. „Die Politiker müssen sich mit dem Ankurbeln der Wirtschaft beeilen, damit sie wieder besser läuft“, fordert er. Dann hätten die Menschen wieder mehr Geld zur Verfügung und könnten sich auch wieder mehr leisten.Gleichzeitig steigen in der Gastronomie die Kosten stetig. „Wir sind am Kämpfen“, sagt Infantone. Für zentrale Produkte wie Mehl und Nudeln müsse er derzeit im Einkauf rund 60 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr. Sein Appell ist deshalb deutlich: „Kämpft gegen die Inflation.“

Erek Speckert Foto: KL

Erek Speckert, CEO von Kern Liebers, antwortet kurz, knapp und prägnant auf unsere Anfrage: „Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen in Deutschland schaffen und das Land wieder attraktiv für Unternehmer machen – statt sie stetig abzuschrecken.“