Rose Klink bezeichnete die Polarlichter als „faszinierende Natur“. Foto: Rose Klink

In der Nacht auf Dienstag erhellten bunte Polarlichter den Nachthimmel im Kreis Calw. Ob sie auch in dieser Nacht zu sehen sind, beantwortet Diplom-Meteorologe Dominik Jung.

In der Nacht von Montag auf Dienstag waren in weiten Teilen Baden-Württembergs Polarlichter am Nachthimmel zu sehen – so auch im Kreis Calw.

 

Ulrike Reicherter aus Monakam beispielsweise blickte gegen 23 Uhr von ihrem Wohnzimmer aus nach draußen und sah – nichts. Zumindest mit bloßem Auge. Mit ihrem Handy hingegen konnte sie das seltene Phänomen einfangen.

Reicherter erklärt, dass sie über eine dorfinterne Gruppe erfahren hat, dass auf der anderen Seite des Ortes Polarlichter zu sehen sind. Das nahm sie als Anlass selbst einen Blick aus dem Fenster zu werfen, von dem aus sie einen Blick bis nach Bad Liebenzell hat.

Nur mit der Kamera sichtbar

Obwohl sie keine bunten Lichter am Himmel sah, versuchte sie ihr Glück mit der Handykamera. Dafür machte sie Gebrauch von der Funktion der Langzeitbelichtung. Und tatsächlich: Ein helles Farbenspiel war zwischen den Sternen zu erkennen. Bei dem violetten Strahl könnte es sich aber auch um den Laserfokus der Handykamera handeln, anstatt um ein Polarlicht.

Aus Neugierde begann sie zu recherchieren, was genau sie da sieht und stieß auf das seltene Polarlicht „Steve“, das mit bloßem Auge nicht richtig sichtbar ist. Dominik Jung, Diplom-Meteorologe und Geschäftsführer des Wetterdienstes Q.met, erklärt das Phänomen.

Unklar ist, ob es sich bei dieser Aufnahme tatsächlich um Polarlichter oder doch nur um den Laserfokus der Kamera handelt. Foto: Ulrike Reicherter

Jung erklärt, dass es sich bei dem Lichterspiel „sehr wahrscheinlich um ein starkes klassisches Polarlicht infolge eines geomagnetischen Sturms“ gehandelt hat. Gesicherte Hinweise darauf, dass es sich um „Steve“ handelte, gibt es jedoch nicht. Der Wetterexperte erklärt, dass „Steve“ „ein seltenes, schmalbandiges, meist violett-weißes Leuchterscheinungsphänomen“ ist. Es entstehe unter speziellen Bedingungen in der oberen Ionosphäre. „Diese Merkmale passen nicht eindeutig zu den gemeldeten Beobachtungen.“

Polarlichter in der Region

Reicherter blieb nicht die Einzige, die das Phänomen beobachten konnte. Auch von Neuweiler aus waren die Lichter am Himmel zu sehen. Rose Klink kommentierte die Erscheinung als „faszinierende Natur“. Auch über Maisenbach-Zainen konnten von Maria Isaak Bilder des Phänomens aufgenommen werden.

Doch weshalb waren die Polarlichter überhaupt in unserer Region zu sehen? Jung kann auf Nachfrage unserer Redaktion auch das erklären. „Die Sonne befindet sich derzeit nahe ihres Aktivitätsmaximums.“ Laut dem Diplom-Meteorologen treten so „häufiger starke Sonnenausbrüche und koronale Massenauswürfe auf, die das Erdmagnetfeld stark stören können“. Ist das der Fall, dehne sich das Polarlichtoval weit nach Süden aus, sodass die Lichter am Himmel auch in Mitteleuropa sichtbar werden. In den vergangenen Jahren sei die Sonnenaktivität geringer gewesen, weshalb solche Ereignisse deutlich seltener gewesen sind.

Hohe geomagnetische Werte sind nötig

Werden die Polarlichter auch in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch zu sehen sein?

Laut Jung ist die Wahrscheinlichkeit dafür gering. Nach dem starken geomagnetischen Ereignis in der vergangenen Nacht habe die Aktivität nachgelassen. „Für eine Sichtbarkeit in Süddeutschland wären erneut sehr hohe geomagnetische Werte nötig, die aktuell nicht erwartet werden.“

Falls es jedoch doch zu dem seltenen Phänomen kommen sollte, empfiehlt Jung „dunkle, höher gelegene und lichtarme Orte“, um die Lichter besser sehen zu können – idealerweise mit freiem Blick nach Norden, so der Meteorologe weiter. Doch vor allem sei geringe Lichtverschmutzung für eine gute Beobachtung wichtig.

Tipps fürs Beobachten

Außerdem: „Geduld ist wichtig, da Polarlichter unregelmäßig auftreten.“ Aus diesem Grund gibt Jung auch den Hinweis, warme Kleidung anzuziehen. Zum Fotografieren eignen sich Kameras mit manuellen Einstellungen und längeren Belichtungszeiten besonders gut.

Zumindest die Wetterverhältnisse seien auch in dieser Nacht ausreichend, „da überwiegend trockenes und teils klares Wetter erwartet wird“. Stellenweise könnten jedoch Nebel oder Hochnebel eine gute Sicht auf den Himmel einschränken. Auf Nachfrage unserer Redaktion erklärt Jung, dass der Himmel im Idealfall komplett klar und die Luft trocken ist sowie eine gute horizontale Sicht ohne Dunst und Wolken herrscht.

Sollte es zu Polarlichtaktivität kommen, seien die Lichter am besten zwischen etwa 21 und 3 Uhr zu beobachten. „Häufig sind mögliche Erscheinungen um Mitternacht und in der zweiten Nachthälfte am ehesten zu sehen,“ schließt Jung seine Erklärungen.