Resche Heiniger mit seiner Performance „On the Hemingway to Hell“ Foto: Willi Vogl

Zum BurghofSlam begrüßte Moderator Johannes Elster mit Eva-Lisa, Joël Perrin, Luise Wolff, Anuraj Sri Rajarajendran und Resche Heiniger fünf Slammer mit Bühnenerfahrung.

Die Regeln waren dem Publikum in der Lounge des Burghofs größtenteils bekannt: Es dürfen nur eigene Texte mit einer Dauer bis sechs Minuten und ohne Requisiten vorgetragen werden. Das von Johannes Elster launig erprobte Applausometer mit dem Publikum entschied über die Besetzung des Finales aus drei Slamern und schließlich über den Gewinner des Poetenwettstreits.

 

Vielfältige Themen

Eva-Lisa aus Mülheim eröffnete den Slam mit einem Text, bei dem es in angenehm gereimter Form um die auch illegale Anhäufung von Reichtum geht, den man jedoch nur in ruhiger Umgebung weiter vermehren könne. Die damit gekoppelten Versuche ins Gefängnis als angemessenen Arbeitsort zu kommen, erreichte sie erst mit einer fehlenden Kurkarte: „Es kommt Delinquenten teuer zu stehen, ohne Kurkarte an die Ostsee zu gehen.“ Der nur vage recherchierte Hintergrund der Gaunergeschichte dürfte für Eva-Lisa zum Ausscheiden nach der ersten Vortragsrunde geführt haben.

„Sex sells“ war das Thema des Zürcher Sexualmediziners und Poetryslamers Joël Perrin. Seine dichtgedrängten Feststellungen zum Gendervergleich oder dem „Pussomat“ in der Herrentoilette führten zwar zu gelegentlichem Schmunzeln, waren jedoch wegen des aberwitzigen Tempos teilweise akustisch unverständlich und ließen letztlich eine eindeutige Botschaft vermissen.

„Ich hatte Glück im Leben“, stellte Luise Wolff aus Bochum in einem Vortrag über die Beziehung zu ihrer Mama fest, der sie durch den ernsten und glaubwürdigen Inhalt in die zweite Runde brachte. Im zweiten Text, bei dem sie sich mit ihrem Hund über die Bedeutung von Lohnarbeit und die wahren Werte wie Gassigehen oder fröhliches Springen durch Pfützen unterhält, konnte sie nicht mehr umfänglich überzeugen. Anuraj Sri Rajarajendran aus Landau stellte in seinem ersten Vortrag fest: „Ich brauch ein Navigationssystem um meinen Lebensweg zu gehen. Denn ich bin eine zehn von zehn.“ Dieser Text sowie sein skurril kommentiertes Gespräch mit einem nackten alten weißen Mann in der Umkleide eines Fitnessstudios in der Finalrunde setzten mit großem Unterhaltungswert auf die Reibungsfläche unterschiedlicher Kulturen.

Kurzweilig unterhaltend und überdies bildend waren auch die überleitenden und eloquent improvisiert wirkenden Erläuterungen Johannes Elsters zu Sprichwörtern des Mittelalters.

Er konnte es damit „ohne viel Aufsehens zu machen“ mit den geladenen Poeten aufnehmen und „kam damit auf allerlei grüne Zweige.“

Verdienter Sieger

Sieger des BurghofSlams wurde verdientermaßen Resche Heiniger aus Oberfrittenbach. Dabei bestach er in seinen Erläuterungen zu einer käsegenerierten Fantasiegestalt in der Sennhütte und der Entstehung des Schweizer Fondues nicht nur durch bizarren Humor, sondern auch durch eine Tempoführung und klanglichen Sprachdifferenzierung, die musikalischen Gestaltungsstandards gerecht wird. Sein zweiter Text in hochdeutsch „On the Hemingway to Hell“ handelt von den kommunikativen Irrungen auf einer Gartenparty. Hier kam es zu schenkelklopfenden Doppeldeutigkeiten mit in hoher Dichte integrierten Autorennamen, ohne dabei das inhaltliche Verständnis der Geschichte zu stören. „Wallraff das endlich! Wenn ihr so weitermacht, werdet ihr euren nächsten Lenz nicht erleben, weil ihr dann bei den Engels seid und passt auf den Grillparzer auf! Da verbrennt doch alles, das wird doch Alice Schwarzer!“ Das Publikum hat sich dabei alles andere als schwarz geärgert, sondern vielmehr scheckig gelacht.