Gehobener Blödsinn war am Freitag im Schlachthof nicht zu stoppen: Den Sieg beim Poetry-Slam machten zwei alte Kämpen mit vielen Worten unter sich aus. Eine Lokalmatadorin erzielte bei ihrer zweiten „Dichterschlacht“ in Lahr einen Achtungserfolg.
Milla Hermann, die derzeit am Max-Planck-Gymnasium ihr Abitur macht, war im November beim Poetry-Slam das erste Mal und spontan angetreten. So stand sie damals nicht in der Ankündigung. Diese Art unverhoffter Auftritt ist bei dieser Art Wettkampf aber durchaus nicht unüblich und zugelassen.
Bei ihrem zweiten Wettstreit am vergangenen Freitag im voll besetzten Schlachthof hatte Hermann ein Gedicht zum Thema „Perfektionismus“ geschrieben. Bedingung beim Poetry-Slam ist, dass jeder, der antritt, einen eigenen Text verfasst hat, der nicht länger als sechs Minuten sein darf. Hilfsmittel sind – bis auf ein Textblatt auf Papier oder auf dem Handy – auf der Bühne nicht erlaubt. In Hermanns Text ging es um eine Frau, die gerne ein „Morgenmensch“ wäre, aber an ihrem eigenen Anspruch – nicht nur in der Schule – scheitert: „Sie ist stets motiviert, da sie immer so agiert, als sei sie diszipliniert.“
Viel Beifall für Lahrer Schülerin
Hermann, die unter anderem den Deutsch-Leistungskurs belegt, hatte den Text für ihren zweiten Slam komplett in Versen, mit sehr verschiedenen Rhythmen und – aufgrund der Metrik – einem gelungenen Spannungsbogen verfasst. So erzählte sie in einer poetischen Form vom Versuchen und dem Scheitern der Frau, die keinen Namen hat und deren Alter aus dem Text heraus nicht zu erkennen ist.
Moderator Marvin Suckut, der die nicht ganz einfache Aufgabe hatte, jeden Text in wenigen Sätzen zusammenzufassen und ein passendes Schlagwort zu finden, war mit dem Zuruf „Schule“ aus dem Publikum in diesem Fall zufrieden. Aus dem Text war das Schlagwort allerdings nicht ersichtlich. Ein weiterer Auszug: „Die Fäden in ihrem Kopf sind lang, sind verfilzt mit dem Schopf, und mit ihnen der Drang – vom Zwang.“
Hermann hatte trotz bemerkenswert anspruchsvoller Poesie wie fünf ihrer Mitstreiter am Ende nichts mit dem Sieg zu tun. Ihr Beifall – die Zuschauer entscheiden über das Weiterkommen per Lautstärke – war aber mehr als ordentlich. Sieger wurde Skog Ogvann. Der Leipziger ist in Lahr kein Unbekannter. Er hatte den Wettkampf der Worte im Februar vergangenen Jahres sehr überlegen gewonnen. In Versen erzählte Ogvann im aktuellen Poetry-Slam vom Malheur namens „Tri-Klo-gie“: „Pupsende Kühe“ sprengen einen Stall. Dabei gab es bei der Tragödie zwischendurch einen Hoffnungsschimmer. Der Bauer und eine Verkäuferin eines Baumarkts, die sich anlässlich einer ersten Sprengung – viele Kühe im Stall stoßen viel Methan aus – kennengelernt haben, verlieben sich. Die zweite Explosion – nicht alle werden aus Fehlern klug – sorgte dann allerdings für den Exitus, nicht nur der Rindviecher.
„Sekunden-Applaus“ bringt die Entscheidung
Ogvann hatte beim Poetry-Slam am Freitag ernsthafte Konkurrenz. Clemens Naumann aus Frankfurt war mit ähnlich sinnfreien Texten nach der Vorrunde unter acht Kombattanten der zweite Finalist. In der Endrunde verwob er Namen von Bier- und Schnapsmarken zu einer Folge von Haarspaltereien, die mitunter haarsträubend waren.
Gegen diesen kompletten Unfug – wohlgemerkt auf einem sprachlich sehr hohen Niveau – waren die anderen sechs Wettstreiter chancenlos. Moderator Suckut benötigte nach den finalen Vorträgen einen zweiten Durchgang, den „Eine-Sekunden-Applaus“, um dann den Sieger Ogvann in Lahr das zweite Mal zu küren.
Nächster Poetry-Slam
Der nächste Poetry-Slam in Lahr findet schon im Hochsommer – statt wie gewohnt im Spätjahr – statt. Moderator Marvin Suckut äußerte am Freitagabend die Hoffnung, dass die Wortschlacht dann eine Open-Air-Veranstaltung werden könnte.