Der amtierende Landesmeister Dominik Heißler hat den ersten „Wortgewitter Slam“ in Alpirsbach gewonnen und dem Publikum mit seinen Mitstreitern einen vergnüglichen Abend in der voll besetzten Bücherei beschert.
Die 20-jährige Jenny Beilharz, Ideengeberin dieser Veranstaltung und passionierte Poetry Slammerin mit zahlreichen Kontakten zur einschlägigen Szene, kann den ersten Alpirsbacher „Wortgewitter Slam“ in der Bücherei als Erfolg verbuchen. Die Plätze waren voll besetzt und das gemeinsam mit der Stadt umgesetzte Veranstaltungsformat traf offenbar altersübergreifend ins Schwarze. Der jüngste Besucher war nämlich gerade einmal 13 Jahre alt, die älteste Besucherin 83.
Beilharz, die an diesem Abend auch die Moderation übernommen hatte und dabei mühelos, quasi ohne Punkt und Komma, auch ungeplant längere Pausen überbrückte, hätte nach eigenem Bekunden deshalb viel Lust, den „Wortgewitter Slam“ auch im kommenden Jahr zu wiederholen.
Ohne Requisiten
Für alle, die das „neue, junge und coole Format“, wie es Janine Hermann vom Stadtmarketing bei der Begrüßung nannte, noch nicht kannten, gab es von Beilharz zunächst eine Einführung. Jeder der sechs Slammer hatte eigene Texte mitgebracht, die ohne Requisiten auf der Bühne in maximal sieben Minuten vorgetragen werden mussten. Jeweils zwei von ihnen traten in der Vorrunde nach dem K.o.-Prinzip gegeneinander an. Die Stärke des Applauses entschied über den Einzug ins Halbfinale.
Dort bestimmte dann nicht mehr der Applaus über das Weiterkommen und den Sprung auf das Siegertreppchen, sondern die Anzahl der zuvor an das Publikum ausgegebenen Kronkorken, die beim Abstimmungsvorgang wieder eingesammelt wurden.
Deutsche Grammatik
Am Ende hatte Lehrer Dominik Heißler, der unter anderem „Deutsch als Fremdsprache“ unterrichtet, mit seinem Text über die deutsche Grammatik die Nase vorne. Die dabei von ihm selbst gewonnene Erkenntnis „entweder wirst du da reingeboren oder du gehst daran unter“ hätten eindrucksvoller, als er das mit seinen Wortspielereien getan hat, nicht belegt werden können.
Finalistin Nadja Spennemann aus Freiburg, die die Szene erst seit drei Monaten mit ihren Texten bereichert, schaffte es mit ihrer „Antwort“ auf die Inschrift am Freiburger Kollegiengebäude („Die Wahrheit macht euch frei“) deshalb nur auf Platz zwei.
Drei willkürlich vorgegebene Begriffe
Im Halbfinale hatten sich beide gegen die Rhetorik- und Germanistikstudentin Tonia Krupinski aus Tübingen durchgesetzt. Die Aufgabe war deshalb nicht ganz einfach, weil die Slammer aus drei willkürlich vorgegebenen Begriffen aus dem Publikum spontan Texte verfassen mussten. „Saitenwürstle, Nudeln, Bananenbrot und Magerquark“ sorgten dabei zwar für einen gewissen Schwerpunkt im Bereich der Nahrungsmittel, allzu einseitig wurde es dank „Schneeballschlacht, Maschendrahtzaun, Elektrolythaushalt, Borkenkäfer und Alpirsbacher Klosterbräu“ dennoch nicht. Auch in Sachen Spontanität bei der Texterarbeitung stellten die drei ihre Talente unter Beweis.
Der Nudel textlich genähert
Nicht ganz gereicht hatte es nach der Vorrunde für Elias Zand-Akbari aus Ludwigsburg, der sich mit viel Humor im Rap-Style der Nudel textlich genähert, dabei aber gegen Spennemann knapp verlor hatte. Knapp war auch die Entscheidung gegen Karl Kaspar aus Konstanz, dem schon die Affinität zum Alpirsbacher Klosterbräu gewisse Sympathiepunkte beim heimischen Publikum verschaffte. Er hatte seinen lebendig-humorvollen Vortrag der Weihnachtszeit mit allen Facetten gewidmet.
Auch für Yasmin Hettich aus Schramberg hat es am Ende nicht gereicht. Ihre Texte, so erzählte sie im Vorabinterview, das Beilharz mit allen Teilnehmern geführt hatte, entstehen vorzugsweise auf dem Klo.