Karl Kaspar (vorne liegend) mit Anton Bertz (von links), Anna Filipak, River Seitz, Moderatorin Jenny Beilharz und Levi Lay Foto: Ursula Schnidrig

Beim zweiten „Wortgewitter Slam“ in der Stadtbücherei in Alpirsbach traten vier Poetry-Slammer aus Freudenstadt und Tübingen gegeneinander an.

„Wind weht, Zeit geht, Moritz steht. Moritz hat Zeit. Moritz hat mehr Zeit als Geld.“ Mit „Moritz“ holte sich am Ende eines dreistündigen Wortgewitter-Abends der Tübinger Levi Lay den ersten Platz beim zweiten „Wortgewitter Slam – Poesie die knallt“ in Alpirsbach.

 

Bei einem Poetry-Slam entscheidet das Publikum mit seinem Beifall, wer in die nächste Runde kommt, wer direkt ins Finale kommt und wer gewinnt. Mit Beifall ist hier nicht nur Klatschen gemeint. Stampfen und Johlen gehören zwingend dazu, ansonsten sind die Feinheiten des Beifalls nicht zu unterscheiden.

„Fein“ waren viele der Texte der vier Slammer aus Tübingen und Freudenstadt, aber auch laut, empört, deftig. Sechs Minuten haben sie Zeit, um mit ihrem Text die Zuhörer für sich zu gewinnen. Tief berührend kamen die zwei Texte der 16-jährigen Freudenstädterin River Seitz daher.

Von Regenwürmern, der Liebe und Frustgefühlen

Ihre Szene an der Bushaltestelle, in der das Lächeln von ihm – in seinen zerschlissenen Hosen mit den riesigen Löchern – ihr – der schwarzbekleideten, bleichen, sich hinter ihrem Pony versteckenden Jugendlichen – das Leben rettet. Kann man nach so einem innigen Text überhaupt noch laut Johlen und Stampfen?

Einfacher war das nach dem Frusttext der zweitplatzierten Anna Filipak aus Tübingen. Laut, engagiert und ungemein bühnenstark machte sie „ihren“ Psychologen nieder – Allmachtsgefühle mit „euch zeige ich es“ wirkten live erlebt sehr effektvoll.

Anton Bertz, auch aus Tübingen, mit seiner Regenwurmgeschichte, in der dessen Äußeres und Inneres präzise in Worte gefasst wurde, kam nicht ins Finale. Sein zweiter Text über die Zuckerwatte, bei dem er fein das Geschehen in dem Kessel mit dem Holzstab, der Watte, dem Nichts beschrieb, war ebenso virtuos.

„Alpirsbacher Hymne“ motiviert zum Mitsingen

Ebenso wortgewandt und kunstvoll verflochten war Levi Lays erster Text. In diesem ließ er mit seinen Wortspielen aus vielen Dichternamen zur Redeart „von der Muse geküsst“ seine, scheinbar wirklich von der Muse geküsste, Inspiration fließen.

Aber was wäre der Abend gewesen ohne Organisatorin und Moderatorin Jenny Beilharz, gebürtige und hier lebende Alpirsbacherin. Wortgewandt, selbstsicher, spontan, begeisternd, konzentriert und aufmerksam führte sie durch den Abend, erklärte die Regeln, leitete zur Abstimmung, bestritt die Interviews zu Beginn und stand am Ende noch immer voller Energie auf der Bühne.

Sie begrüßte als erstes den bekannten Slammer Karl Kaspar. Als Feature sang er, sich selbst begleitend am E-Piano, und brachte seinen von ihm gerne zur als Alpirbacher Hymne erkorenen Song „Alpirsbacher Klosterbräu“ mit. Das Publikum lernte schnell den Text und sang mit.

Nach drei Stunden ging der laute und dennoch innige, nachdenkliche aber auch herbe, kunstvolle sowie virtuose Abend schließlich zu Ende.