Alpirsbachs missglückte Bürgermeisterwahl, Donald Trump oder das Ampel-Aus: Beim ersten Poetry Slam in Alpirsbach darf über all das und noch viel mehr geslammt werden.
Ob beim ersten Poetry Slam in Alpirsbach am Freitag, 13. Dezember, in der Stadtbücherei die Kommunalpolitik der Klosterstadt samt Drama um die Bürgermeisterwahl, das Ampel-Aus in Berlin oder gar der erneute Wahlsieg von Donald Trump in den USA thematisiert wird, steht bis zuletzt nicht fest. Erlaubt ist aber alles – nur „kein Rassismus, kein Sexismus und keine Hassrede“, erklärt Jenny Beilharz die Regeln der Veranstaltung.
Die 20-jährige Alpirsbacherin hat zwischen ihren Auftritten bei den Poetry Slams in Freudenstadt, Karlsruhe, Schramberg und Horb – welchen sie ebenso wie den in Alpirsbach organisiert und moderiert – noch Zeit für ein Pressegespräch gefunden.
Nun will Beilharz also ihre Heimatstadt Alpirsbach aufmischen und, wie sie sagt, „Kultur ins Provinzkaff bringen“. Auf der 180 Grad-Bühne in der Stadtbücherei sollen am Abend der Veranstaltung sechs Poetry Slammer auftreten. Die heiße Phase der Organisation läuft gerade.
Neulinge sind willkommen
Fest steht bereits, dass Elias Zand-Akbari und Karl Kaspar, der sein Freiwillig Soziales Jahr im Alpirsbacher Kloster absolviert sowie mit seiner Band „Die Firma dankt“ ein Lied über Alpirsbacher Klosterbräu herausgebracht hat, auftreten werden.
Und natürlich wird auch Jenny Beilharz selbst einen Text zum Besten geben – vermutlich als „Opferlamm“, also als erste Rednerin des Abends außerhalb des Wettbewerbs. „Man opfert sich quasi für die Bühne und heizt die Stimmung an“, erklärt sie. Auch Neulinge seien auf der Bühne willkommen. Sie treten meist als „Feature“ auf, erhalten also keine Wertung.
Location inmitten von Büchern
Rund 70 bis 80 Leute haben im Publikum Platz. Und falls die Resonanz so überwältigend sein sollte wie beim letzten von ihr organisierten Poetry Slam im Marmorwerk in Horb, „dann gibt es auch noch Stehplätze“, sagt Beilharz augenzwinkernd. Jedenfalls soll es eine „nahbare, gemütliche, familiäre“ Veranstaltung werden.
Die Location inmitten von Büchern findet Beilharz jedenfalls perfekt für ihr Vorhaben: „Es geht ja um das gesprochene Wort.“ Zudem habe sie als Kind Bücher verschlungen – auch aus der Stadtbücherei.
Situation verunsichert
Fast gar nostalgisch klingt es, wenn die 20-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion von ihrer Hoffnung spricht, den Menschen mit ihren Poetry Slams einen „Teil der Offline-Welt zurückzugeben“. Es sei erschreckend, wie wenig mittlerweile gelesen werde.
Sie selbst sieht das Schreiben ihrer Texte als eine Art Bewältigungsstrategie. „Ich meine: In was für verrückten Zeiten leben wir eigentlich?“ Das verunsichere viele.
Enormer Weltschmerz
Und genau an dieser Stelle sieht sie auch das Potenzial des Poetry Slams. „Meine Generation ist oft frustriert. Wir fühlen diesen enormen Weltschmerz.“ Es sei gut zu merken, dass man damit nicht alleine ist.
„Mit der Realität muss ich mich abfinden, aber kann ich hier dennoch etwas ändern?“ Mit dieser Kunstform könne man „Themen, die einem wichtig sind, auf andere Weise näherbringen“, seine Stimme erheben, vielleicht gar etwas bewegen. Und nicht zuletzt sei es eine Möglichkeit, über die Absurdität der Welt für einen kurzen Moment lachen zu können.
Die Veranstaltung
Tickets
Eintrittskarten für den „Wortgewitter Slam – Poesie die knallt“ am Freitag, 13. Dezember, um 19 Uhr in der Alpirsbacher Stadtbücherei, Hauptstraße 20, können bei der Stadtinformation Alpirsbach erworben werden. Sie kosten fünf Euro. Schüler zahlen drei Euro. Resttickets gibt es an der Abendkasse. Für Getränke ist gesorgt.