Die Medizintechnik-Branche steht durch Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) vor tiefgreifenden Veränderungen. Bei „Standpunkt MedTech“ informierten sich Unternehmer aus der Region, ob ChatGPT nur ein „Hype“ oder doch „Game-Changer“ ist.
Die Zuschauerreihen bei der Veranstaltung „Standpunkt MedTech“ bei der Firma Erbe in Rangendingen waren gut gefüllt. Heiko Zimmermann, Geschäftsführer des Vereins „Medical Valley Hechingen“, der die Veranstaltung mit der BioRegio STERN Management GmbH organisiert hat, sprach bei seiner Begrüßung von 125 Anmeldungen.
Schließlich ging es um nicht weniger als die derzeitige Lage der Medizintechnikbranche sowie deren Zukunft im Umfeld technologischer Neuheiten wie KI. Die Medizintechnik spielt für die Wirtschaft rund um Hechingen und Rangendingen angesichts der Vielzahl an Unternehmen in dieser Branche eine bedeutende Rolle.
Energiekosten und geopolitische Lage bereiten Sorge
In Kurzvorträgen gab unter anderem Marcus Kuhlmann, Leiter des Fachverbandes Medizintechnik „Spectaris“ – Deutscher Industrieverband für Optik, Photonik, Analysen und Medizintechnik, Einblicke in die derzeitige Lage der Medizintechnik. Er sprach angesichts der „Medical Device Regulation“ – eine EU-Vorschrift, welche die Zulassungskriterien für Medizintechnikprodukte verschärft – von einer „Innovationsbremse“. Daraus resultieren laut Kuhlmann „massiv gestiegene Zertifizierungskosten“ und eine gefährdete Versorgungssicherheit.
Zum Hintergrund: Die „Medical Device Regulation“ ging auf einen Skandal um fehlerhafte PIP-Brustimplantate in Frankreich zurück. „Diese Situation hätte nie passieren dürfen“, wird Kuhlmann deutlich. Seine Hoffnung: Von der EU gebe es positive Signale, dass diese Regelung entschlackt werden könnte.
Doch nicht nur bürokratische Hürden stellen eine Herausforderung für die Branche dar: Referent Kuhl berichtete auch von Fachkräftemangel in allen Bereichen, der unsicheren geopolitische Lage und die daraus resultierenden gestörten Lieferketten sowie von gestiegenen Energie- und Transportkosten.
Die Medizintechnik sei für die deutsche Wirtschaft – nicht zuletzt für die regionale rund um Hechingen – von großer Bedeutung. In der EU sei Deutschland hinsichtlich des Umsatzanteils der Branche mit Abstand führend. Gerade im Südwesten – sprich vorrangig Baden-Württemberg – könne man von einer Medizintechnik-Hochburg sprechen. Hinsichtlich der Anzahl an Patentanmeldungen sei die deutsche Medizintechnik weltweit auf Platz zwei.
KI sorgt für bessereAuflösung von MRT-Bildern bei der Tumorerkennung
Damit dies auch künftig so bleibe, müsse man offen für den Umgang mit neuen Technologien sein. Um das Stichwort „ChatGPT“ komme man in den vergangenen Monaten und Jahren dabei nicht umher, wie Oliver Müller, Partner bei der Bansbach Econum Unternehmensberatung, in seinem Vortrag ausführte. Eine Kernbotschaft: „KI ersetzt nicht den Arzt, sondern unterstützt ihn.“
So könne die künstliche Intelligenz beispielsweise zur besseren Auflösung von MRT-Bildern zur Tumorerkennung beitragen. Kurzum: Ein Großteil der Branche schätze die Chancen von KI höher als deren Risiken ein. Gerade in der Radiologie spiele Künstliche Intelligenz eine große Rolle. „Die Entwicklung ist rasant.“
Krankenhaus-Studie war Thema
Die Einsatzbereiche von KI in der Medizin könnten sich in Zukunft noch wesentlich ausweiten. Seien es administrative Aufgaben wie die Dokumentation von Arztbriefen oder die Erhöhung der Effizienz im Krankenhaus, indem die Verweildauer eines Patienten auf der Intensivstation vorhergesagt werde. „KI bleibt ein heißes Thema“, so Müller.
Weiter gab Peter Magunia, Senior Partner und Leiter Health von Roland Berger, Einblicke in die Krankenhausstudie 2024 und die kritische Finanzlage der Krankenhäuser.
Im Anschluss diskutierte die Runde mit Thomas Radtke, CEO der Cardiobridge GmbH, über die Situation der Branche. Das Publikum mit Medizintechnik-Vertretern aus Hechingen und Umgebung lauschte gespannt.