Jonas Köhler (rechts) und Bastian Bernhard (links) moderierten in der Aula des Max-Planck-Gymnasiums den Austausch mit (von links) Benjamin Rösch, Kai Schröder-Klings, Marion Gentges, Jana Kühl, Ann-Kathrin Stulz und Sandra Boser. Foto: Baublies

Zu der einzigen Podiumsdiskussion mit Kandidaten des Wahlkreises Lahr lud der Jugendgemeinderat in die Aula des Max-Planck-Gymnasiums.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Jonas Köhler von der Lahrer Zeitung und Bastian Bernhardt von der Badischen Zeitung. Als Vertreter des Jugendgemeinderats begrüßten Karina Dannecke und Hadi Sayed-Ahmad die Schüler und bedankten sich für das rege Interesse.

 

Los ging die Diskussionsrunde mit der Vorstellung der Kandidaten. Mit dabei waren Marion Gentges (CDU), Sandra Boser (Grüne), Benjamin Rösch (AfD) Kai Schröder-Klings (SPD) und Jana Kühl (Linke). Udo Zahn (FDP) wurde von Ann-Kathrin Stulz vertreten, die für den Wahlkreis Offenburg antritt.

Bezahlbarer Wohnraum ist zentrales Thema

Den Kandidaten wurden in der ersten Fragerunde je zwei Fragen gestellt. Dafür hatte jeder eine Minute Zeit. In der ersten ging es darum, dass derzeit vieles teurer wird – etwa Miete, Essen, Freizeitaktivitäten, das Ablegen des Führerschein oder der Besuch kultureller Veranstaltungen. „Wie wollen Sie konkret dafür sorgen, dass junge Menschen sich ihr Leben während der Ausbildung oder des Studiums noch leisten können?“ war die Frage an die Kandidaten.

Boser erklärte, dass bezahlbarer Wohnraum ein sehr wichtiges Thema für ihre Partei sei. Neben Studenten-Wohnheimen mache man sich für Azubi-Wohnheime stark. „Auch möchten wir, dass Meister und Master gleichgestellt werden.“ Dieser Forderung schloss sich Stulz an. In Bezug auf die Bildungspolitik sei das mehrgliedrige Schulsystem in den Augen ihrer Partei richtig. Zudem sollten nicht nur die akademische Laufbahn, sondern auch Ausbildungen gefördert werden.

Kühl betonte, dass die Linke 20 000 Sozialwohnungen jährlich schaffen will. Außerdem sollten die Mieten sinken. Bildung müsse für alle kostenlos sein – vom Kindergarten bis zum Meister. Auch die Uni solle komplett kostenlos sein. „Nur so schaffen wir eine echte Chancengleichheit“, betonte sie.

Hier hakte Gentges ein. Sie frage sich, wie die Linke all diese Maßnahmen finanzieren wolle. Die Wirtschaft müsse wieder in Gang kommen, das sei das Wichtigste. Auch die CDU wolle, dass der Meister dem Master gleichgestellt wird und dass Meister und Studium kostenfrei sind. An Gentges gewandt bemerkte Schröder-Klings, dass die Wirtschaft zu schwach sei, das sei ein Marktversagen. Die SPD kämpfe für bezahlbaren Wohnraum. Rösch wählte drastische Worte: „Der Staat wirft das Geld zum Fenster raus“. Dabei brauche man es für Schüler und Azubis. „Das sind unsere Rohstoffe.“ Bei der zweiten Frage waren sich die Kandidaten einig, Jugendliche verstärkt vor KI-manipulierten Bildern schützen zu wollen.

Später folgten die Fragen aus der Schülerschaft. Die erste Frage ging an Kühl. Eine Schülerin merkte an, dass deren Hauptthemen Gleichberechtigung und Soziales seien. „Wie sollen die Maßnahmen finanziell umgesetzt werden?“, wollte die Fragestellerin wissen. Kühl antwortete, dass die Frage nicht lauten sollte, wie es finanziert werden kann, sondern warum. Geld sei genug da. Es gelte, die Milliardäre in die Pflicht zu nehmen, diese sollten gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Gentges gab zu bedenken, dass viele Vermögen in Unternehmen gebunden seien und Arbeitsplätze daran hingen.

Bei Social Media gehen dieMeinungen auseinander

Eine weitere Frage aus dem Publikum war an Gentges gerichtet. Dabei ging es um die Themen Aufrüstung und Bundeswehr. Ein Schüler fragte, ob die CDU damit nicht Kriege und sogar Genozide aktiv unterstütze. Gentges antwortete, dass man in den 1990er-Jahren geglaubt habe, dass es nun immer Wohlstand und Frieden gebe. „Aber das ist leider nicht der Fall.“ In Europa herrsche Krieg und Deutschland müsse bereit sein, sich im Falle eines Angriffes zu verteidigen.

Rösch wurde derweil gefragt, was er aktiv gegen Rechtsextremismus in seiner Partei tun wolle. Darauf antwortete er, dass er persönlich niemanden in seiner Partei kenne, der diese Tendenzen habe. Sollte sich aber jemand rechtsextremistisch verhalten, gehöre er aus der Partei ausgeschlossen.

Zum Abschluss wurden die Kandidaten gefragt, ob sie für oder gegen eine Social-Media-Altersgrenze für Unter-16-Jährige sind. Stulz betonte, dass die FDP ein Verbot nicht für sinnvoll halte. Sie setze auf Medienbildung und Sensibilisierung in Schulen. Kühl sieht die Verantwortung bei den Eltern, aber noch mehr bei den Tech-Konzernen. Diese sollten die Inhalte regulieren, forderte sie. Gentges möchte Unternehmen Bußgelder auferlegen, wenn sie die Altersverifizierung nicht ernst nehmen. Schröder-Klings sieht es als Aufgabe des Staates an, Kinder und Jugendliche zu schützen und ist deshalb für ein Verbot. Kühl spricht sich ebenfalls für ein Verbot aus, da Social Media mehr Schaden als Nutzen habe. Rösch hält einen Zugang ab 13 Jahren für vertretbar. Der Staat müsse aber für eine strengere Regulierung sorgen.

Freude über Wahlrecht

Die Jugendgemeinderäte Karina Dannecke und Hadi Sayed-Ahmad sowie OB Markus Ibert begrüßten in ihrer Einleitung, dass zum ersten Mal auch 16-Jährige wählen dürfen. So würden auch die Themen junger Menschen von der Landespolitik gesehen werden.