Direkt Betroffene und Unterstützer tauschten sich im Stettener Johannessaal aus. Foto: Stopper

Menschen mit Behinderungen ins normale Alltagsleben einzubeziehen – wie das gehen könnte, wurde im Rahmen einer Veranstaltung der Hechinger Grünen besprochen.

Bei Ratzgiwatz können auch Kinder mit Behinderung Teil der Ferienspiele-Gemeinschaft werden, und der TSV Stetten lädt Menschen mit Behinderung zum Training ein. So etwas sei sehr wichtig, und für jedes einzelne Angebot sei sie auch dankbar, erklärte Uli Kapala vom Verein Downtown, der sich für die Belange von Menschen mit Behinderung einsetzt.

 

Müde, immer dankbarsein zu müssen

Aber sie sei müde, immer dankbar sein zu müssen. Ihr wäre es lieber, sie hätte Anspruch darauf, dass ihre Tochter mit Down-Syndrom grundsätzlich an allen gesellschaftlichen Aktivitäten teilnehmen, den Regelkindergarten besuchen, in der normalen Grundschule unterrichtet werden, in Sportvereine gehen oder Musikunterricht erhalten kann. Aber oft höre sie, dass das für ihre Tochter nicht möglich sei.

Nicht immer aus bösem Willen: Oft fehle es einfach an Personal für diesen Mehraufwand. Ihre Forderung, dass es im Landkreis oder in Hechingen eine professionelle Stelle für die Förderung der Inklusion geben soll, wurde mehrfach geäußert und unterstützt.

Das Motto des von den Grünen organisierten Abends im Stettener Johannessaal lautete „Ehrenamtliche Arbeit – Teilhabe am sozialen Leben“. Auf dem Podium saßen neben Jürgen Detel und Anna Masoomi von den Grünen für Ratzgiwatz Lea Mayer sowie Tobias Kuck und vom TSV Stetten Kathrin Strobel und Katharina König. Zur Einführung schilderten sie, was an Inklusion bereits passiert.

So nimmt die Ratzgiwatz-Gemeinschaft für die Ferienspiele schon seit vielen Jahren auch Kinder mit Behinderungen auf. Man sorgt dafür, dass für sie geeignete Betreuer vorhanden sind und Ruhebereiche, die diese Kinder häufig brauchen.

Neue Kommunikationswege werden gefunden

Natürlich sei einiges nicht einfach, erzählten die beiden Betreuer. Aber wenn ein Kinder nicht sprechen kann, werden neue Kommunikationsformen über Bildtafeln gefunden.

Schön sei dann zu sehen, dass zwischen diesen besonders Kindern und den anderen Ratzgiwatzlern Freundschaften entstehen. Diese Kinder seien immer „stolze Ratzgiwatzler“, das mache dann einfach allen Freude.

Das bestätigten Kathrin Strobel und Katharina König vom Frauen-Fußballteam des TSV Stetten, das seit zehn Jahren in Kooperation mit der Lebenshilfe regelmäßig mit Menschen mit Behinderung trainiert und spielt. „Fußball funktioniert auch ohne Kommunikation“, erklärte Strobel.

Sechs bis acht Mal pro Jahr komme man zusammen. Dem Helferinnen-Team mache das viel Spaß, und man spüre auch selbst, wie man Berührungsängste abbaue. „Wir alle freuen uns da immer drauf“.

Schade finde sie nur, dass andere Vereine, die man zu Wettbewerben eingeladen habe, praktisch gar nicht reagiert hätten. Man fühle sich dann etwas alleine gelassen. König ergänzte, dass TSV-Angebote wie etwa das Kinderturnen natürlich auch für kleine Sportler mit Behinderung offen seien.

Das gilt auch für den frühkindlichen Musikunterricht des Stettener Musikvereins. Die Frage war nur, ob so etwas überhaupt hervorgehoben werden sollte. Das Ziel sei ja, dass diese Art des Umgangs ganz normal wird.

Neben dem Lob für dieses Vereinsengagement wurde an diesem Abend aber auch viel Kritik an den Behörden vor Ort laut. Von einer „Inklusions-Wüste Zollernalbkreis“ wurde gesprochen und auf wesentlich bessere Angebote in den benachbarten Landkreisen hingewiesen.

„Da fehlt einem leicht mal die Kraft zum Engagement

Um Druck zu machen, sei der Verein Downtown gegründet worden, erklärte Uli Kapala. Mittlerweile zähle man 179 Mitglieder, die Hälfte sei nicht persönlich von dem Problem betroffen.

Das sei wichtig, denn eines sei klar: „Ein Leben mit einem Kind mit Behinderung ist natürlich schon anstrengend, da fehlt einem dann leicht mal die Kraft zum zusätzlichen Engagement.“ Sie hofft, dass Abende wie dieser dazu beitragen, dass sich die Situation verbessert.