In der Bel Étage des Schramberger Schlosses zeigt der Verein Podium Kunst zurzeit moderne Kunst mit Naturfarben, Keramik und Textil.
Trotz zahlreicher Schnittmengen, etwa in Absicht und Interesse sowie in der Verwendung von Naturmaterialien, ist es die erste gemeinsame Ausstellung der Schwestern Ruth Rosa Stützle-Kaiser und Elisa Stützle-Siegsmund. Der gemeinsame Nenner der Schramberger Ausstellung sind natürliche Farben, die von den Künstlerinnen teils selbst als Rohmaterial in der Natur gesammelt werden. „Man spürt sofort, wie das zusammengeht und harmoniert“, sagte Lars Bornschein, Vorsitzender Podium Kunst, zur Gemeinschaftsausstellung der beiden Künstlerinnen.
Durch eine sorgfältige Kuratierung stehen die Werke in den jeweiligen Ausstellungsräumen nicht nur in Bezug zueinander, sondern werden zudem durch eine gemeinschaftliche Installation mit dem Titel „Transformation“ verbunden. „Wir möchten das Wissen der Vergangenheit transformieren und mit der Gegenwart verknüpfen, um neue Denkräume für die Zukunft zu öffnen“, beschrieben Stützle-Siegsmund und Stützle-Kaiser ein gemeinsames Ziel ihres Wirkens.
Material, Natur und ein gemeinsames Interesse
Beide Künstlerinnen beschäftigen sich seit vielen Jahren intensiv mit den jeweils genutzten Materialien und setzen diese künstlerisch ein. „Die Schwestern verbindet ein nahezu wissenschaftliches Interesse an Geologie, Botanik und künstlerischen Gestaltungsformen“, erklärte Kunsthistorikerin Antje Lechleiter bei ihrer fachlichen Einführung in die Ausstellung. Ruth Rosa Stützle-Kaiser arbeitet mit lichtechten, natürlichen Pflanzenfarben und Textilien. Den Anstoß für diese Auseinandersetzung gab der Brand einer Textilfabrik in Bangladesch, bei dem Menschen in giftigem Chemikalienrauch erstickten. Die Künstlerin besann sich daraufhin auf natürliche Materialien und Techniken zur Textilfärbung, die seit dem Ersten Weltkrieg zunehmend in Vergessenheit geraten waren.
Stützle-Kaiser verwendet durch Wetter, Temperatur und Feuchtigkeit sowie durch unterschiedliche Pflanzenteile beeinflusste Farbnuancen ein und derselben Pflanze, etwa Walnuss oder Krappwurzel, und präsentiert diese als monochrome Textilbilder.
Zwischen Planung und Zufall
Bei der sogenannten Reservetechnik nutzt sie unterschiedliche Schmelzpunkte von auf das Textil aufgebrachtem Bienenwachs, Paraffin und Harz in Kombination mit Pflanzenfarben. Durch zahlreiche Tauchgänge entstehen dabei variierende Durchlässigkeiten der Färbungen sowie unterschiedliche Farbnuancen und Tiefen. „Ich habe zwar eine Idee davon, doch das Ergebnis ist natürlich und deshalb einem gewissen Zufall überlassen“, beschrieb Stützle-Kaiser ihr Vorgehen im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Weitere Ebenen ihrer Werke erzielt sie durch Stickereien und aufgebrachte Textilelemente. Ein dritter Werkzyklus der Schramberger Ausstellung zeigt „Malereien“ mit pflanzengefärbten Fäden.
Ton, Glasur und organische Formen
Elisa Stützle-Siegsmund arbeitet hingegen mit Ton und natürlichen Glasuren aus mineralischen Pigmenten wie Ocker, Löss oder Asche. In mehreren Installationen arrangiert sie ihre Arbeiten als sich wiederholende, organische Tonkörper in unterschiedlichen Naturfarben.
„Ich liebe die Sanftheit und Vielseitigkeit der Färbungen“, sagte die Künstlerin. Die Farbwirkung hänge maßgeblich von Prozesstemperaturen, mehreren Glasuraufträgen und Brennvorgängen ab. Zusätzliche Tiefe erzielt sie durch die Ausarbeitung von Struktur und Textur der Oberflächen.
Die getöpferten Skulpturen verbinden dabei nicht nur Form und Farbe: „In gewisser Weise könnte man die großen Kugelformen auch als Abstraktion des menschlichen Körpers sehen“, erläuterte Lechleiter.
Information
Die Ausstellung
„Farben der Pflanzen – Farben der Erde“ endet mit einer Finissage am Sonntag, 1. März, um 15 Uhr. Zum Begleitprogramm gehört am Sonntag, 8. Februar, um 13 Uhr ein Vortrag der Kunsthistorikerin Kathrin Wollenweber mit dem Titel „Bunte Kleider, bunte Wiesen – vergessene Pflanzenfarben und die Textilindustrie heute“, gefolgt von einem Workshop „Textilien färben mit Pflanzen“ um 14.30 Uhr. Die Ausstellung ist im Schramberger Schloss, Bahnhofstraße 1, zu sehen – dienstags bis samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr.