Mit 127 neuen Lehrlingen ist der Kfz-Mechatroniker im Offenburger Bezirk der Agentur für Arbeit der beliebteste. Foto: Hannes P Albert/dpa

Während in der Region die Azubi-Zahlen in Handwerksberufen steigen, vermeldet die IHK Konjunkturbedingt im Kreis ein Minus von 3,8 Prozent.

Der Ort der Pressekonferenz zur Vorstellung der Zahlen des Ausbildungsmarkts 2024/25 war nicht zufällig gewählt. „Hier, in der Gewerbe-Akademie, schlägt das Herz der Kammer“, sagte Christof Burger, Präsident der Handwerkskammer Freiburg. Im Eingangsbereich standen zwei Auszubildende im Schreinerhandwerk an den Werkbänken, Medienvertreter und die Referenten der Pressekonferenz gleichermaßen konnten hier selbst zu Säge und Hobel greifen.

 

„Grandios“ sei es gewesen, „Sägen zu dürfen“, sagte Theresia Denzer-Urschel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg zum Start der Pressekonferenz, ehe sie dann die aktuellen Ausbildungszahlen für die Region präsentierte. Diese zeigen im Einzugsgebiet der Offenburger Agentur für Arbeit: Es fehlen Bewerber für die verfügbaren Ausbildungsstellen.

Durchschnittlich kommen im Offenburger Bezirk 80 Bewerber auf 100 Ausbildungsplätze. Zum Vergleich: In Freiburg sind es 94, im Landesschnitt 75. „Unspektakulär“ seien dieses Zahlen, so Denzer-Urschel. Insgesamt 401 (2023/24: 585) der Agentur für Arbeit gemeldete Stellen blieben der Statistik zufolge unbesetzt. Außerdem wurden 160 unversorgte Bewerber gemeldet. „Fehlende Passung“ zwischen Stelle und Bewerber sei ein Hauptgrund für diese Zahlen, so Denzer-Urschel.

In diesen Branchen fehlen die meisten Azubis

Vor allem im verarbeitenden Gewerbe in der Ortenau fehlen Azubis (118), ebenso im Handel und KFZ-Handwerk (88) und in der Baubranche (74). Die Top drei der beliebtesten Ausbildungsstellen 2024/25 im Bezirk Offenburg waren die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker (127), Kaufmann/-frau für Büromanagement (95) und zum Industriemechaniker/in (93). Während die ersten beiden Jobs auch in Freiburg am beliebtesten sind, fehlt der Industriemechaniker in den dortigen Top-Zehn – ein klares Zeichen für die unterschiedliche wirtschaftliche Ausrichtung der beiden Regionen.

Das sagt die Handwerkskammer

Kammer-Präsident Burger und Annette Rebmann-Schmelzer, Geschäftsführerin der Handwerkskammer Freiburg, hatten Grund zur Freude. Sieben Prozent mehr Azubis gibt es kammerweit. „Wir haben die Trendwende geschafft“, so Burger. Das größte Wachstum war dabei im Ortenaukreis: 872 junge Menschen – und damit 10,2 Prozent mehr als im Vorjahr – haben in der Region 2025 eine Ausbildung begonnen.

Eine Auszubildende (rechts) im Schreiner-Handwerk zeigte Annette Rebmann-Schmelzer und Josef Burger von der Handwerkskammer von ihr im Rahmen der Ausbildung gefertigte Stücke. Foto: Paschke

Burger und Rebmann-Schmelzer betonten dabei beide mehrfach die Wichtigkeit von ausländischen Auszubildenden. Denn während die Zahl der deutschen Handwerksbeginner in den vergangenen Jahren in etwa konstant bliebt, stieg die Zahl der Auszubildenden mit ausländischem Pass kammerweit stetig (2025: 711; 2024: 554). Die Kammervertreter forderten in diesem Zusammenhang von der Politik weniger Bürokratie und schnellere Verfahren. „Wer die Fachkräftesicherung ernst nimmt, muss irgendwann entschieden handeln“, so Burger.

Das sagt die Industrie- und Handelskammer (IHK)

Ähnlich äußerte sich am Montagmorgen auch Simon Kaiser. Der Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung bei der IHK Südlicher Oberrhein sagte, dass viele Betriebe „kein Verständnis“ für die aktuelle politische Debatte zum Thema Migration hätten. Im Bereich der IHK sind 2025 22,3 Prozent der neuen Azubis Ausländer.

Die Konjunktur hinterlässt in der Industrie Spuren

In Sachen Ausbildungsmarkt-Zahlen musste Kaiser „aus IHK-Sicht Wasser in den Wein“ gießen. Denn im Gegensatz zur Partnerkammer des Handwerks verzeichnete die Industrie- und Handelskammer am 30. September im Ortenaukreis 3,8 Prozent weniger abgeschlossene Ausbildungsverträge im Vergleich zum Jahr zuvor (kammerweit minus 4,2 Prozent). Vor allem bei den gewerblich-technischen Berufen (-6,3 Prozent) „hinterlässt die Konjunktur Spuren“, so Kaiser. Das größte Minus gibt es dabei im Bereich Elektrotechnik. Das habe jedoch vor allem mit dem Mangel an Bewerbern für eine Ausbildung als Fachinformatiker zu tun, erklärte Kaiser.

Andere Ausbildungen

Zusammen sind Betriebe aus Handwerkskammer und IHK für etwa 85 Prozent der Ausbildungsstellen in der Region verantwortlichen. Die restlichen knapp 15 Prozent sind keiner der beiden großen Kammern zuständig. Zu diesem kleineren Teil gehören unter anderem medizinische Berufe, die Ausbildung zum Erzieher oder etwa Rechtsanwaltsfachangestellte. Eine Konkurrenz untereinander gebe es jedoch nicht, betonten alle Anwesenden. Vielmehr handle man aus gesellschaftlicher Verantwortung heraus, um jungen Menschen die bestmögliche Zukunft bieten zu können.