Auch Häuslebauer im Kreis Freudenstadt wurden von dem Förderungsstopp überrumpelt. Foto: Pixabay

Vom vorzeitigen Stopp der Förderung für energieeffiziente Gebäude durch die KfW sind viele Häuslebauer betroffen. Unsere Redaktion hat mit einer Freudenstädter Architektin darüber gesprochen.

Freudenstadt - Das Bundeswirtschaftsministerium hat die Förderung der staatlichen Förderbank KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) für energieeffiziente Gebäude vorzeitig und mit sofortiger Wirkung gestoppt. Neue Anträge können nicht mehr gestellt werden. Aber auch Bauherren, die bereits einen Antrag gestellt hatten, müssen nun um die beantragte Fördersumme bangen. Was diese abrupte Entscheidung für Häuslebauer bedeutet und welche Förderprojekte davon betroffen sind, darüber sprach unsere Redaktion mit der Architektin und Energieberaterin Seija Barth aus Freudenstadt.

 

Frau Barth, Sie sind Energieberaterin mit KfW-Zulassung. Was sagen Sie zu dem abrupten Stopp der KfW-Fördermittel, und, war dies absehbar?

Ende 2021 gab es bereits die Ankündigung, dass die Förderung von KfW 55 Häusern im Neubaubereich eingestellt wird. Dass diese Förderungen nun vorzeitig und mit sofortiger Wirkung eingestellt werden ist tragisch und nicht nachvollziehbar. Die Energieberater hatten sowieso nur noch Projekte angenommen, von denen sie sicher waren, diese auch noch bis 31. Januar einreichen zu können. Niemand war über den sofortigen Stopp informiert, was bedeutet, dass den betroffenen Bauherren nicht nur die Förderung fehlt, sondern sie dies unnötig Geld kostet, da die Berechnungen ja zum Großteil bereits erbracht wurden.

Betrifft diese Entscheidung nur Neubauten oder auch Sanierungsprojekte oder gar einzelne energieeffiziente Maßnahmen?

Derzeit können keine Anträge für Darlehen und Zuschüsse bei der KfW mehr beantragt werden – weder im Neubau- noch im Sanierungsbereich. Zuschüsse für Einzelmaßnahmen über das Bafa können bisher nach wie vor gestellt werden. Nach Aussage der KfW soll die Altbauförderung für energieeffiziente Gebäude wieder aufgelegt werden sobald neue Haushaltsmittel vorhanden sind. Was mit der Förderung für KfW 40 Häuser im Neubaubereich geschehen wird ist noch unklar. Hierüber will unsere Regierung zeitnah entscheiden.

Was genau ist ein Energieeffizienzhaus 55 und worin unterscheidet es sich von einem Energieeffizienzhaus 40?

Die Definition eines Effizienzhauses stammt von der KfW und gibt vereinfacht gesagt an, wie viel Energie ein Gebäude, bezogen auf die gesetzlichen Mindestanforderungen, benötigt. Ein Effizienzhaus 55 braucht demnach lediglich 55 Prozent der Energie im Vergleich zum Mindeststandard, ein Effizienzhaus 40 eben nur 40 Prozent.

Neue Förderanträge können vorerst nicht gestellt werden. Gibt es Alternativen für Bauherren, um die fehlende Summe zu beschaffen?

Derzeit leider nicht. Die KfW prüft wohl derzeit, ob es möglich ist, besonders betroffene Bauherren mit einem zinsgünstigen Darlehen zu helfen. Das wäre allerdings ein Tropfen auf den heißen Stein und wird die fehlenden Beträge nicht ausgleichen können.

Was ist mit bereits bewilligten Förderbescheiden? Bekommen diese Bauherren jetzt auch kein Geld?

Laut offizieller Stellungnahme der KfW sind nur nicht bewilligte Anträge betroffen. All diejenigen, die bereits eine Zusage erhalten haben, sind wohl nicht betroffen. Leider gibt es aber auch Fälle, bei denen die Zuschüsse fristgerecht beantragt wurden, die jedoch noch keine Förderzusage erhalten haben. Hier kann es passieren, dass keine positiven Bescheide erteilt werden.

Wie viele Häuslebauer, die Sie betreuen, sind von dem Förderstopp betroffen, und von welcher Fördersumme sprechen wir da?

In meinem Büro laufen derzeit Förderanträge für vier Ein- und Zweifamilienhäuser, die in der Schwebe sind, also vor dem Förderstopp eingereicht aber noch nicht bewilligt wurden. Durch den verfrühten Stopp nicht mehr eingereicht werden konnte ein Objekte im Neubaubereich mit insgesamt 81 Wohneinheiten. Im Sanierungsbereich sind es Wohnungseigentümergemeinschaften mit 90 Wohneinheiten die betroffen sind. Wir sprechen von circa 2,8 Millionen Euro, die Stand jetzt fehlen.

Was raten Sie denen?

Das ist sehr schwierig zu sagen. Im Sanierungsbereich kann gehofft werden, dass es wieder entsprechende Förderungen geben wird. Wann und in welcher Form ist jedoch unklar: Was vor allem bei der Sanierung von großen Objekten, die sowieso einen komplizierten Vorlauf haben, vermutlich bedeutet, dass die Objekte dieses Jahr nicht mehr saniert werden können. Was letztendlich im Neubaubereich geschieht bleibt abzuwarten.