Die Traditionsbrauerei Eichbaum aus Mannheim ist insolvent. Wie steht es um andere regionale Brauereien wie Schönbuch, Hochdorfer, Schimpf und Co.?
Die Traditionsbrauerei Eichbaum aus Mannheim ist insolvent. Sie gehört zu den Großbrauereien in Baden-Württemberg. „Die Lage ist nicht gut“, sagt ein Sprecher des baden-württembergischen Brauerbunds mit Blick auf die gesamte Branche. Denn der Bierabsatz ist stark rückläufig. Von 2018 bis 2024 sind die Bierverkäufe von Südwest-Brauereien innerhalb Deutschlands, also ohne exportiertes Bier, um rund 20 Prozent zurückgegangen, informiert der Brauerbund. Im Jahr 2018 produzierten die Brauereien für den heimischen Markt noch etwa fünf Millionen Hektoliter Bier, sechs Jahre später noch knapp über vier Millionen Hektoliter. Minus sechs Prozent lautet die Bilanz im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Pro-Kopf-Bierkonsum ist seit Jahrzehnten rückläufig.
Doch wie steht es um die wirtschaftliche Lage der kleineren, regionalen Bierbrauer im Südwesten? Ein Überblick.
Schönbuch Braumanufaktur in Böblingen
„Wir sitzen alle in einem Bier-Boot“, sagt Werner Dinkelaker über das strukturelle Problem der Branche: Auf der einen Seite stehe der Kostendruck, auf der anderen Seite der Absatzdruck, sagt der Geschäftsführer der Schönbuch Braumanufaktur in Böblingen. Die Bierabsätze seien über die vergangenen 30 Jahre mittlerweile bei einem historisch niedrigen Pro-Kopf-Konsum angekommen. Dazu kämen die teuren Energiekosten in einer energieintensiven Branche: „Wir brauchen die Kälte, um das Bier zu kühlen und die Wärme zum Brauen.“ Im Vergleich zu Großbrauereien wie Eichbaum, die zwar Produktivitätsvorteile hätten, sei die Schönbuch Brauerei eher eine „kleine Spezialitäten-Brauerei“, die aber schnell auf Markttrends reagieren könne. „Wir sind brutal flexibel“, sagt Dinkelaker. Als vor Jahren das alkoholfreie Bier an Beliebtheit gewann, investierte man in Böblingen in eine Entalkoholisierungsanlage. Das kompensiere zwar nicht ganz den Rückgang bei den alkoholhaltigen Bieren, aber die Brauereien dürften sich solchem verändertem Konsumverhalten nicht entziehen. Und auch sonst stehe in Böblingen der „Spaß an Bier-Innovationen“ im Fokus. Die Hauptkundengruppe sei die Gastronomie: „Wenn es der Gastronomie gut geht, geht es uns auch gut“, sagt Dinkelaker. Deshalb sei es wichtig, dass die Mehrwertsteuersenkung komme. Doch auch aus den Gastro-Betrieben höre er, dass deutlich verhaltener Bier bestellt werde. Aber Dinkelaker bleibt Optimist: „Für mich ist das Bierglas immer halb voll.“
Lammbrauerei in Gruibingen (Kreis Göppingen)
„Alkohol ist irgendwie immer ein Problem, aber Kiffen offenbar keins“, sagt Hans-Dieter Hilsenbeck, Inhaber und Chef der Lammbrauerei in Gruibingen im Kreis Göppingen. Auch deshalb haben sie bei der Lammbrauerei inzwischen mehrere unterschiedliche alkoholfreie Biere im Angebot – hergestellt durch eine Entalkoholisierungs-Pilotanlage. „Wenn man ein attraktives alkoholfreies Angebot hat, funktioniert es sehr gut“, sagt Hilsenbeck. So kompensiere der Verkauf der alkoholfreien Bier fast den Rückgang im alkoholhaltigen Sortiment. Auch der Fokus auf das Thema Nachhaltigkeit hilft der Brauerei: Als infolge des russischen Überfalls auf die Ukraine im Jahr 2022 die Energiekosten nach oben schossen, investierte man in Gruibingen „massiv in Energie“, sagt Hilsenbeck. Mehr als 70 Prozent des Stroms stelle die Lammbrauerei über Photovoltaik-Anlagen und einem Blockheizkraftwerk selbst her. Und in Kooperation mit einer Bäckerei macht die Brauerei aus Brotresten ein eigenes Brotbier. Seit 300 Jahren gibt es die Lammbrauerei – mit Hilsenbecks Sohn ist mittlerweile die 12. Generation an Bord. „Wir sehen die Zukunft nicht völlig schwarz“, sagt der Brauer.
Kronenbrauerei Schimpf in Remmingsheim (Kreis Tübingen)
„Was machen wir anders?“, stellt sich Martin Schimpf selbst die Frage mit Bezug auf die Insolvenz der Brauerei Eichbaum in Mannheim. Der Inhaber der Kronenbrauerei Schimpf aus Remmingsheim im Kreis Tübingen bringt es mit einem Satz auf den Punkt: „Hohe Qualität mit regionalen Produkten zu einem adäquaten Preis.“ So habe seine Brauerei in den vergangenen Jahren stets ein leichtes Plus erwirtschaftet – was direkt wieder in das Unternehmen investiert werde. Zudem setzt die Brauerei auf Kreislaufwirtschaft: Die Gerstenbauer in unmittelbarer Umgebung, mit denen Schimpf zusammenarbeitet, erhalten die beim Bierbrauen entstandenen natürlichen Abfallprodukte, die wiederum an deren Nutztiere verfüttert werden. Und der Mist und die Gülle der Kühe lande wieder auf den Feldern, auf denen am Ende die Gerste für das Bier wächst. „Das versuchen wir dem Endkunden klar zu machen“, so Schimpf, der auch als Präsident der privaten Brauereien in Baden-Württemberg und ganz Deutschland tätig ist. Doch dieses Stück „Heimatliebe“ bedeute auch einen bestimmten Preis: Die Kiste Bier müsse mindestens 20 Euro kosten, damit sich das Geschäft für die Brauerei lohne. Wenn andere Brauereien die Kiste Bier für knapp über zehn Euro anbieten, sei das „der Anfang vom Ende“, mahnt Schimpf.
Hochdorfer Kronenbrauerei in Hochdorf (Kreis Calw)
Die „Preisaggressivität“ der überregionalen Fernsehbrauereien mache ihnen zu schaffen, sagt Eberhard Haizmann, der Senior Chef der Hochdorfer Kronenbrauerei. Wenn jene mit 9,99-Euro-Angeboten für einen Kasten Bier locken, können kleinere, regionale Brauereien nicht mithalten: „Wir brauchen mindestens 20 Euro, um zukunftsfähig zu wirtschaften“, sagt Haizmann. In diesem Jahr seien sie in Hochdorf nicht unzufrieden, auch wenn es bisher einen leichten Rückgang beim alkoholhaltigen Bier gegeben habe. Dafür sei aber auch ein leichtes Plus beim alkoholfreien Bier zu verzeichnen. „Unser alkoholfreies Bier entwickelt sich gut“, sagt Haizmann. Immer mehr junge Menschen trinken eben keinen Alkohol mehr, daran müsse man sich anpassen. „Der Konsum wird auch weiter zurückgehen“, prognostiziert der Brauer. Der Markt sei schwierig geworden.