Ben Wenzler und Nick Wenzelburger sind zwei Stuttgart Jungs. Sie erklären, warum es beim Surge-Team plötzlich so gut läuft – und weshalb nun sogar der ganz große Wurf gelingen könnte.
Es ist ein Satz, hinter den zwingend ein Ausrufezeichen gehört: Das Footballteam von Stuttgart Surge steht vor dem größten Spiel seiner Geschichte! Und zugleich sind mehr als zwölf Wörter nötig, um zu beschreiben, was für eine außergewöhnliche Leistung die Mannschaft mit dem erstmaligen Erreichen der Play-offs vollbracht hat. „Dort wollten wir unbedingt hin“, sagt Ben Wenzler vor dem Viertelfinalduell an diesem Sonntag (14.15 Uhr) gegen die Panthers Wroclaw. Und Nick Wenzelburger erklärt: „Jetzt ist alles möglich!“
Wenzler (23) und Wenzelburger (23) sind zwei echte Stuttgarter Jungs. Vor zwölf Jahren fingen sie gemeinsam in der Jugend der Stuttgart Scorpions an, wurden zu Freunden und wechselten 2021 nach Gründung der European League of Football (ELF) zusammen ins Surge-Team, wo sie seither Seite an Seite als Cornerback und Safety die Defensive stabilisieren. Bei ihrem neuen Club erlebten sie allerdings zunächst schwierige Zeiten, in der vergangenen Saison verloren die Stuttgarter alle (!) zwölf Spiele. Und bewahrten trotzdem Haltung. „Es war natürlich hart und deprimierend, die Situation hat an den Nerven und den Kräften gezehrt“, sagt Nick Wenzelburger, „doch aufgegeben haben wir uns nie.“ Das kann Ben Wenzler bestätigen: „Sportlich war die Bilanz natürlich katastrophal, und dennoch sind alle immer motiviert geblieben. Es gab niemanden mit einer Null-Bock-Haltung.“ Und irgendwann die Nachricht, die Hoffnung auf die Wende machte.
Qualität und Charakter – darauf kommt es an
Denn Surge holte fürs Jahr 2023 Erfolgstrainer Jordan Neuman, der mit den Schwäbisch Hall Unicorns dreimal den German Bowl gewonnen hatte – und das Stuttgarter Team völlig neu aufstellte. Immerhin zehn Spieler aus der Pleiten-Saison verblieben im Kader, was aber nichts mit Sentimentalitäten oder Rücksichtnahme zu tun hatte. „Ich habe nur auf zwei Dinge geschaut: auf Qualität und Charakter“, sagt Jordan Neuman, „die Spieler, die diese Anforderungen erfüllt haben, haben wir weiterverpflichtet.“
Die Rechnung ging auf – allen voran bei Ben Wenzler und Nick Wenzelburger. Das Duo spielt im Defensivkonzept von Stuttgart Surge eine wichtige Rolle, entsprechend oft und lange stehen die beiden auf dem Feld. „Das sind zwei talentierte Jungs, die jetzt erstmals auf richtig hohem Niveau gefordert sind“, sagt Jordan Neuman, „es gibt große Erwartungen an sie, die sie bisher voll erfüllt haben.“ Umgekehrt gilt das genauso.
Blindes Vertrauen zum Trainer
Auf die Frage, was sich denn im Vergleich zur vergangenen Saison geändert und letztlich zu Rang eins in der Central Conference geführt habe, fallen die Antworten eindeutig aus. „Jordan Neuman weiß, wie man ein Team entwickeln und führen muss. Wir vertrauen ihm blind. Er ist der Grund, warum ich noch bei Stuttgart Surge spiele“, sagt Ben Wenzler, der in Tübingen Sportmanagement studiert. Und Nick Wenzelburger, der von Beruf Zimmermann ist, erklärt: „Unser Trainerstab ist einer der besten, wenn nicht sogar der beste in Europa.“
Dazu kommt eine große individuelle Klasse, vor allem die Offensivleistung ist mit jener der vergangenen Saison nicht mehr vergleichbar. Und auch die Chemie im Team stimmt. „Siegen macht einfach mehr Spaß – die beiden Niederlagen während der Saison haben uns noch mehr motiviert“, meint Nick Wenzelburger. Das untermauert Ben Wenzler, der seine zuletzt aufgetretenen Schulterprobleme bis zum Sonntag auskuriert haben wird: „Football ist unsere gemeinsame Leidenschaft, wir verstehen uns super. Mir ist völlig egal, wer zehn Stunden im Bus neben mir sitzt – es passt mit allen.“ Nun wird der Zusammenhalt allerdings auf eine ganz besondere Probe gestellt.
Jordan Neuman: „Wir glauben an uns“
Auf die Defensive wartet im ersten Play-off-Duell harte Arbeit, denn die Wroclaw Panthers haben einen starken Angriff. Aus dem polnischen Team ragen Runningback Dawid Brzozowski, mit 1116 gelaufenen Yards die Nummer eins in der ELF, und US-Quarterback Matthew Vitale heraus. Seine Lieblingsanspielstation ist der schnelle Wide Receiver Tony Tate. Trotz der Herausforderung, vor der sein Team steht, ist Jordan Neuman optimistisch. „Wir haben in den vergangenen Wochen noch einmal Fortschritte gemacht, sind immer besser geworden“, sagt der Surge-Coach, „und wir glauben an das, was wir machen. Wir haben in dieser Saison die Chance, etwas ganz Besonderes zu erreichen.“ Vielleicht ja sogar mehr, als sich die Mannschaft zu Beginn der Saison selbst zugetraut hatte.
Auch die beiden Freunde Nick Wenzelburger („Football ist meine große Liebe, für die ich alles opfere“) und Ben Wenzler („Ich bin bereit für das wichtigste Spiel meiner Karriere“) verschwenden keinen Gedanken daran, dass die Saison womöglich schon nach der Partie an diesem Sonntag vorbei sein könnte. Und wenn es doch so kommt? Ist es gut möglich, dass das Duo im nächsten Jahr einen neuen Anlauf nimmt – in Stuttgart. „Die beiden Jungs werden immer besser werden, wir wollen sie unbedingt halten“, erklärt der Stuttgarter Trainer Jordan Neuman, „sie gehören zu unserer Zukunft.“
In der es darum gehen wird, noch mehr Ausrufezeichen zu setzen!