Nicht nur Stürmer Igor Matanovic genoss die Feierlichkeiten nach dem Finaleinzug sichtlich. Foto: Tom Weller/dpa/Tom Weller

Mit seinem Einzug ins Europa-League-Finale hat der SC Freiburg Historisches erreicht. Nach dem Abpfiff brechen bei Spielern und Fans alle Dämme.

Um kurz vor 23 Uhr am Donnerstagabend entluden sich im Europa-Park-Stadion alle Emotionen. Nach einer für den SC Freiburg quälend langen Nachspielzeit pfiff Davide Massa aus Italien ab und beseitigte damit alle Zweifel am Europapokal-Finaleinzug des SC Freiburg. Anschließend dauerte es nur wenige Augenblicke und der Rasen wurde von in Weiß gekleideten SC-Fans geflutet.

 

Einige von ihnen hatten die letzten Minuten der Partie, in denen sich der zuvor lange souverän wirkende SC Freiburg ins Ziel zu retten versuchte, bereits sitzend auf Mauer zum Innenraum verbracht. Mit dem Abpfiff brachen alle Dämme, Tausende stürmten auf den Rasen.

Kurze Zeit später wurde Abwehrchef Matthias Ginter inmitten der feiernden Fans auf Händen getragen, seine Teamkollegen badeten ebenfalls in der Menge. „Da gab es gar nicht viel nachzudenken – da kamen direkt die ganzen Fans“, sagte Nicolas Höfler über seine Gedanken in dem Moment, der wohl vielen rund um den Verein für immer in Erinnerung bleiben wird.

Vorfreude auf das Finale in Istanbul

„Die Fans sollen das auch so feiern“, sagte Maximilian Eggestein. Es sei ja niemand verletzt und der Rasen schnell wieder geräumt worden, so der Mittelfeldspieler. Er selbst wirkte nach den Feierlichkeiten auf dem Rasen genau wie während der mehr als 90 Minuten auf der Doppelsechs: Aufgeräumt und unaufgeregt. Dass der SC Freiburg gerade das Europa-League-Finale in Istanbul gegen Aston Villa erreichte hatte? „Wir freuen uns riesig darauf“, sagte Eggestein mit Blick auf den 20. Mai.

Matthias Ginter wurde nach dem Sieg von den Fans auf Händen getragen. Foto: Tom Weller/dpa

Andere Akteure waren dagegen etwas emotionaler. Allen voran Trainer Julian Schuster. Schon während des Spiels war er gewohnt engagiert an der Seitenlinie und musste sich angesichts der lauten Kulisse immer wieder selbst ermahnen, den Fokus auf das Spiel zu legen. Nach Abpfiff ließ der 41-Jährige, der den SC Freiburg in seiner zweiten Saison als Coach ins ein internationales Finale geführt hat, seinen Emotionen freien Lauf.

Julian Schuster erst emotional und dann aufgeräumt

Ginter und er – zwei ehemalige Teamkollegen – umarmten sich rund um die Mittellinie, ehe es für beide in Richtung Fans ging. Schuster war später inmitten der SC-Anhänger auf der Tribüne am Feiern, bei den TV-Interviews hatte er Tränen in den Augen. „Es bedeutet mir sehr, sehr viel, diese glücklichen Menschen zu sehen“, sagte er später. Und auch wenn er sich auf der Pressekonferenz wieder etwas aufgeräumter wirkte und sich bemühte, den Fokus zunächst auf die beiden verbleibenden Bundesliga-Spieltage zu richten, so war auch bei ihm das Finale gegen Aston Villa in Istanbul am 20. Mai allgegenwärtig.

Trainer Julian Schuster inmitten der Fans auf der Südtribüne. Foto: Tom Weller/dpa

„Wenn man ein Finale spielt, müssen wir alles dafür tun, dieses dann auch zu gewinnen“, sagte er und sprach gleichzeitig von einem „Spagat“ mit Blick auf das Spiel gegen den Hamburger SV am Sonntag (15.30 Uhr/DAZN). Große Feierlichkeiten dürfte es zumindest für die Spieler daher am Donnerstagabend nicht gegeben haben, bereits am Freitagvormittag stand das nächste Treffen an.

In der ganzen Stadt wird der Finaleinzug gefeiert

Für die Fans dagegen war der Platzsturm im Stadion erst der Anfang. Auch nachts um 1 Uhr, als die ersten Spieler auf dem Parkplatz so langsam in ihre Autos stiegen, um nach Hause zu fahren, schallten vom Platz vor der Südtribüne die Fangesänge: „Wir holen den Pokal, wir holen den Pokal – für Freiburg wär’s das erste Mal!“

In der Innenstadt wurden schon gut zwei Stunden vorher, kurz nach dem Abpfiff, Raketen in den Himmel geschossen. Man hatte das Gefühl, eine ganze Stadt feierte den wohl größten Erfolg der Vereineinsgeschichte. Gleichzeitig machten jedoch alle deutlich: In Istanbul geht’s nicht nur ums Dabeisein.