In der Hautklinik in Bad Cannstatt wäre Platz für die Sportklinik Stuttgart: Noch ist das nur eine Idee. Foto: StN

Alternative Hautklinik: Gutachter soll Vor- und Nachteile eines Umzugs in Bad Cannstatt prüfen.

Stuttgart - Jede Medaille hat zwei Seiten. In der Sportklinik Stuttgart erreicht die Zahl der Patienten und der Operationen von Jahr zu Jahr neue Rekordmarken. Doch jede Medaille hat eine Kehrseite. Die Raumnot wächst. „Am derzeitigen Standort gibt es keine Entwicklungsmöglichkeiten“, sagt Volker Munk, der Aufsichtsratsvorsitzende der Sportklinik. „Wenn man hier etwas Vernünftiges machen wollte, wäre es teurer als ein Neubau.“

 

Als mögliche Standorte für einen Neubau der Sportklinik wurden bisher Areale in der Nähe des Flughafens oder im Neckarpark in Bad Cannstatt ins Auge gefasst. Wobei der zweite Standort klare Vorteile bietet. „Eine neue Sportklinik soll möglichst in Cannstatt sein“, sagt Munk. Wichtig sei die Nähe zu existierenden Einrichtungen wie SpOrt-Med und SpOrt Stuttgart, unter dessen Dach sich drei Sportorganisationen und zwölf Sportfachverbände befinden. Gesellschafter der Sportklinik sind mit 51 Prozent die Sporthilfe Württemberg und mit 49 Prozent die Stadt Stuttgart.

Seit ein paar Tagen ist eine Alternative zu einem Neubau im Gespräch. Dabei könnte die Sportklinik in die Hautklinik des Krankenhauses Bad Cannstatt (KBC) umziehen. Zuvor müsste die Hautklinik innerhalb des KBC in die Räumlichkeiten der Frauenklinik umziehen, die ihrerseits Mitte 2013 einen Neubau hinter dem Katharinenhospital bezieht.

Die Idee eines Umzugs der Sportklinik in die Hautklinik ist am vergangenen Mittwoch den leitenden Mitarbeitern beider Häuser vorgestellt worden. Aufseiten der Sportklinik, wo man von einem Neubau ausgegangen war, blieb die Begeisterung dem Vernehmen nach eher verhalten. „Ob aus der Idee etwas Reales wird, wissen wir noch nicht“, sagt Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle. Bis Mitte Juni soll ein beauftragter Gutachter prüfen, ob die Idee baulich und organisatorisch umsetzbar ist, ohne dass die Eigenständigkeit der eingeführten und erfolgreichen Marke Sportklinik Stuttgart „verwässert“, sagt Munk. „Die Marke müsste vielmehr dadurch gestärkt werden.“

Die Zeit drängt

Die Idee mit dem Umzug der Sportklinik in die Hautklinik stammt offenbar von den Vertretern der Stadt im Aufsichtsrat. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Sportklinik ist Stuttgarts Krankenhausbürgermeister Wölfle. Nach einer ersten Begehung der Hautklinik durch den bestellten Gutachter habe der von einer „Win-win-Situation“ für alle Beteiligten gesprochen, sagt Wölfle.

In der Tat sind mehrere Vorteile erkennbar. Aus städtischer Sicht werden im KBC nach dem Umzug der Frauenklinik einerseits Leerstände auf den Stationen und Überkapazitäten bei dem Operationssälen vermieden. Im Gegenteil, der Klinikumsstandort in Bad Cannstatt wird nach dem Neubau des Zentrums für Seelische Gesundheit weiter gestärkt.

Aus der Sicht der Sportklinik könnte sich das Platzproblem in der Hautklinik zum einen schneller, zum anderen günstiger als durch einen Neubau lösen lassen. Die Zeit drängt. „Bis Ende 2015 brauchen wir eine Alternative“, sagt Munk unter Hinweis auf die räumliche Enge.

Sanierung und Umzug in Hautklinik mit geschätzt zehn Millionen Euro billiger als Neubau

Die Kosten für einen Neubau schätzt der Aufsichtsratsvorsitzende auf 35 bis 40 Millionen Euro. Die Sanierung und der Umzug in die Hautklinik wäre mit geschätzt zehn Millionen Euro deutlich billiger. Wobei für die Sanierung wohl keine Fördermittel des Landes fließen dürften. Neubauten fördert des Land in der Regel zur Hälfte. Unsicher ist dabei allerdings der Zeitpunkt der Förderung. Möglicherweise müssten die Träger der Sportklinik einen Neubau vorfinanzieren. Das würde der Stadt als Mitgesellschafter derzeit nicht leichtfallen.

Läuft nun alles auf einen Umzug der Sportklinik hinaus? Selbst wenn der Gutachter viele Vorteile finden sollte, Knackpunkt wird die Frage des dauerhaften Erhalts der Marke Sportklinik im Gebäudeflügel der Hautklinik sein. „Wir brauchen dort einen separaten Eingang und separate Parkplätze“, sagt Munk. „Wir wollen keinen separaten Block, sondern ein eigenes Haus, in dem wir der Herr der Abläufe sind.“