Auf dem Villinger Friedhof wird das Feld für Sternenkinder umgestaltet. Foto: Dein Sternenkind/dpa

Zweimal im Jahr werden sogenannte Sternenkinder, die zwischen dem positiven Schwangerschaftstest und der 23. Schwangerschaftswoche sterben, auf dem Villinger Friedhof beigesetzt. Bislang weist eine Stelle auf diese Kinder hin. Doch nun soll ein ganzer Ort des Trauerns geschaffen werden.

Villingen-Schwenningen - Stefanie Tröndle ist die Vorsitzende des Vereins Sternenkinder VS und stellte am Dienstagabend im Technischen Ausschuss die Situation des Vereins und auf dem Villinger Friedhof dar. So berichtete sie, dass es diesen einen Grabstein, die genannte Stele, schon länger als den Verein selbst gebe. Dieser wurde vor zwei Jahren gegründet und übernehme die Aufgaben, die laut Tröndle sonst keiner übernimmt.

Es geht um Trauerbewältigung, um Beratung, um Unterstützung von Eltern und Geschwisterkindern. Zweimal im Jahr beerdigt der Verein seit seiner Gründung jeweils zwischen 80 und 120 Sternenkinder auf dem Villinger Friedhof. Dementsprechend "unüberschaubar" ist der bisherige Trauerort rings um die Stele mittlerweile. "Deshalb wollen wir dort einen Ort für die Eltern schaffen, wo sie trauern können."

Jetzige Stele bleibt erhalten

Landschaftsarchitekt Martin Kuberczyk hat diesen Platz entworfen, der insgesamt drei Ablageflächen aus Sandstein umfasst, auf denen Blumen, Plüschtiere und ähnliches abgelegt werden können. Die jetzige Stele bleibe ebenfalls erhalten, werde aber an den Wegrand versetzt. Und ein "schwebender" massiver Holzblock soll als Sitzmöglichkeit und gleichzeitige Einrahmung des Platzes dienen.

Finanziert werde das Projekt aus Spendengeld, das mit 50 000 Euro angesetzt ist. Die zukünftige Pflege, so erläuterte Bürgermeister Detlev Bührer, werde das Friedhofsteam der Stadt Villingen-Schwenningen übernehmen. "Da ändert sich nichts, das ist heute auch schon so", sagte Bührer.

Zuspruch für das Vorhaben gab es aus dem Gremium, das mit der Vorlage lediglich informiert wurde. Da die Finanzierung unabhängig von der Stadt durch Spenden erfolge, gehe es nur um die reine Information der Stadträte, erklärte der Bürgermeister.

Dietmar Wildi von der CDU-Fraktion attestierte Kuberczyk eine "sehr ansprechende und würdige Gestaltung". Auch Ulrike Salat und die Grünen-Fraktion sicherten "unsere volle Unterstützung" zu. Dirk Gläschig stellte für die Freien Wähler klar: "Der Entwurf, wie es aussehen soll, ist sehr sinnhaft. Wir sehen den Bedarf, dass an dieser Stelle ein solcher Platz entsteht." Ebenso gelungen findet den Entwurf AfD-Stadtrat Olaf Barth.

Auch Geschwisterkinder brauchen Platz zum Trauern

Bernd Lohmiller von der SPD erinnerte sich an seine Erfahrungen, die er in seiner Dienstzeit als Kriminalbeamter gemacht hat: "Was bisher gar nicht angesprochen wurde, sind die zahlreichen Geschwisterkinder, die ganz dringend einen Platz der Trauer brauchen und eine Möglichkeit, ein Kuscheltier abzulegen. Wir stehen also ebenso voll hinter dem Vorhaben."

Und Julia Decke (FDP) betonte: "Die Planung ist wirklich toll und bei aller Trauer ist es eben auch wichtig, eine gewisse Aufenthaltsqualität zu haben."