In Rottweil lässt sich gut mit dem Rad fahren, finden Gilbert (von links) und Hanni Mattes sowie Bernadette und Willi Nusser aus der Bodenseeregion. Foto: Günther

Gut, dass mal was passiert, sagen Fahrradfahrer in Rottweil über den Verkehrsversuch in der Innenstadt, sie freuen sich über mehr Platz fürs Fahrrad auf der Straße. Die Radler zeigen jedoch auch Verständnis für Autofahrer. Und hegen einen großen Wunsch.

Devin Rieger fährt mit seinem Rad auf der Königstraße in Rottweil Richtung Innenstadt, ist jedoch sofort bereit, die Fragen unserer Redaktion zu beantworten. Er lege fast alle Wege mit dem Rad zurück, berichtet er, besonders im Sommer. Den gerade laufenden Verkehrsversuch in der Rottweiler Innenstadt beurteilt er sehr positiv, er betrachtet ihn als einen Anfang: „Auf dem Weg sollte man weitermachen.“ Auch die Gastronomen in der Innenstadt müsse das doch freuen.

 

Devin Rieger wünscht sich mehr Rücksicht von Autofahrern. Foto: Günther

Autofahrer haben sich kritisch zum Verkehrsversuch in der Rottweiler Innenstadt geäußert – doch sie sind ja nicht die einzigen Straßenbenutzer. Was sagen denn die Radfahrer, hat unsere Redaktion wissen wollen.

Devin Rieger kennt die Veränderungen auch aus der Autofahrer-Perspektive. Die vielen Linien etwa in der Königstraße an der Einmündung der Marxstraße seien schon verwirrend. Doch früher oder später würden sich alle Verkehrsteilnehmer an die Veränderungen gewöhnen, glaubt er.

Grundsätzlich wünscht sich Devin Rieger als Radler mehr Rücksicht von Kraftfahrern. Ideal fände er es, wenn Fahrräder prinzipiell vom Autoverkehr getrennt würden. So hat er das gerade bei einem Aufenthalt in München erlebt. Da könnten sich Fußgänger und Radler problemlos breite Wege teilen, erzählt er. „Die passen von ihrer Geschwindigkeit her auch besser zusammen als Rad- und Autofahrer“, stellt Devin Rieger fest.

Für Radfahrer gut, für Autofahrer manchmal schwierig

An einem der letzten freien Bügel in der Hochbrücktorstraße befestigt gerade Sebastian Dreher aus Rottweil seinen schicken grauen Drahtesel. Als „nicht besonders gut“ empfindet er die Situation für Radfahrer in der Stadt. Er vermisst vor allem einen durchgehenden Radweg von der Innenstadt bis zum Gewerbegebiet Saline.

Sebastian Dreher lobt die Regelung in der Marxstraße. Foto: Günther

Dreher bringt aber auch Verständnis für motorisierte Verkehrsteilnehmer auf. „Ich habe zwei Meinungen“, sagt er über den Verkehrsversuch. „Als Radfahrer finde ich den Versuch gut. Aber für Autofahrer ist er schwierig.“ Er selbst hat schon erlebt, dass manche Strecke im Auto jetzt einen gewaltigen Umweg bedeutet. Ausdrücklich aber lobt Sebastian Dreher die Radwege und die Aufstellfläche für abbiegende Radfahrer in der Marxstraße: „Für Radler von Vorteil, für Autofahrer nicht weiter hinderlich.“

Quartett vom Bodensee diskutiert kontrovers

Ganz entspannt sehen Hanni und Gilbert Mattes sowie Bernadette und Willi Nusser die Verkehrssituation in Rottweil. Das am Bodensee lebende Quartett kommt auf einer längeren Radtour soeben aus Villingen-Schwenningen, ein Stopp in der Rottweiler Innenstadt steht auf dem Programm.

Etwas weniger Verkehr sei ja von Vorteil, sagt Willi Nusser, angesprochen auf den Verkehrsversuch in Rottweil. Er warnt aber auch: „Bloß keine Fußgängerzonen einführen, das macht die Stadt tot.“ Nussers Begleiter Gilbert Mattes widerspricht umgehend: „Menschen haben Vorrang in den Innenstädten“, findet er, „daran gewöhnen sich auch die Autofahrer irgendwann.“

Verbindung von der Innenstadt bis zur Saline muss her

Konrad Flaig fordert die Verbindung von der Innenstadt zur Saline. Foto: Günther

Noch einer, der den Verkehrsversuch begrüßt, ist Konrad Flaig aus Zimmern ob Rottweil. Zwar sieht er hier und da jetzt für den Autoverkehr Probleme, etwa in der Waldtorstraße. Man dürfe nicht vergessen, dass nicht jeder mit dem Rad fahren kann. Dass aber Radler in Rottweil mehr Platz brauchen, liegt für ihn auf der Hand: „Da muss man mal Prioritäten setzen – oder man kann es gleich lassen.“ Denn die Situation für Radler beurteilt der Zimmerner als „sehr verbesserungswürdig“. Für dringend notwendig hält Konrad Flaig die bessere Anbindung der Orte in der Region, auch sein großer Wunsch ist die durchgehende Verbindung von der Innenstadt bis zur Saline – auf dieser Route sei Radfahren ziemlich riskant.

Münchner loben die Ausschilderung

Das hat soeben der Fahrradreisende Walter Scukalsky erlebt. Ein aus einer Tiefgarage schießender Porschefahrer hat ihn glatt übersehen. Walter und seine Frau Solveig bleiben aber locker. Das Paar aus München ist unterwegs auf dem Neckartalradweg und plant, in einigen Tagen Mannheim zu erreichen. Radfahren in Rottweil beurteilen sie als „nicht perfekt, aber gut“. Besonders die Ausschilderung loben die Münchner, die 20 000 Kilometer im Jahr auf dem Rad zurücklegen.

Solveig und Walter Scukalsky loben die Wegweisung in Rottweil. Foto: Günther

„Es kommt immer darauf an, welchen Vergleich man anstellt“, sagt Walter Scukalsky, der Kopenhagen als leuchtendes Vorbild für den Radverkehr nennt. Erst vor kurzem ist er aber durch den Senegal geradelt und fasst seine dortigen Erfahrungen so zusammen: „Da zählt ein Radfahrer gar nichts.“