Mit einem Anteil naturnaher Flächen von 62,7 Prozent landet Calw bundesweit auf Rang 8 von 400. Foto: Klormann

Im Regionalranking 2026 der IW Consult GmbH landet der Kreis Calw auf einem guten Platz. Im Vergleich zum ersten Ranking 2016 stürzt er jedoch deutlich ab. Ein landesweites Phänomen.

Auf den ersten Blick wirkt es, als wäre die Welt im Kreis Calw in Ordnung.

 

„Im deutschlandweiten Niveauvergleich aller 400 Stadt- und Landkreise erreicht der Landkreis Calw Rang 133 mit 50,9 Punkten und liegt damit über dem bundesweiten Durchschnitt“, heißt es in einer Pressemitteilung, die der Landkreis Calw jüngst herausgab.

Sie bezieht sich auf das jüngst veröffentlichte Regionalranking 2026 der IW Consult GmbH.

In vielen Bereichen sticht der Kreis Calw heraus

Laut Mitteilung behaupte sich der Landkreis damit „als attraktiver Lebens- und Wirtschaftsstandort im Nordschwarzwald“.

Und tatsächlich: In vielen Bereichen sticht Calw heraus. Etwa in Sachen Lebensqualität, wo der Landkreis 25,0 Punkte holt – gegenüber einem Bundesdurchschnitt von 24,3 Punkten.

Mit einem Anteil naturnaher Flächen von 62,7 Prozent landet Calw sogar bundesweit auf Rang 8 von 400.

Und mit lediglich 3028 Straftaten je 100.000 Einwohner ist der Kreis weit unterhalb des Bundesdurchschnitts von 5.436 Straftaten zu finden.

Ebenfalls positiv: 68,4 Prozent der Frauen sind im Landkreis beschäftigt, der bundesweite Mittelwert liegt bei 65,6 Prozent.

Nicht zuletzt ziehen mehr junge Erwachsenen sowie Familien im Alter zwischen 30 und 50 Jahren in den Kreis Calw als weg.

Also alles im grünen Bereich? Nur bedingt. Denn im Vergleich zur ersten Erhebung der IW Consult GmbH lässt sich ein erheblicher Abstieg feststellen. 2016 lag der Landkreis noch auf Rang 78.

Trotz allem gehört der Kreis Calw in die Kategorie „Verlierer“

Im Vergleich der Niveaurankings von 2016 und 2026 gehört Calw damit in die Kategorie „Verlierer“. Hier sind alle Regionen angesiedelt, die mindestens 25 Plätze verloren haben. 102 der 400 Regionen gehören dazu.

Und ein genauerer Blick zeigt, dass Calw keineswegs isoliert dasteht. Sondern Teil eines landesweiten Phänomens ist.

Unter allen Bundesländern hat Baden-Württemberg den höchsten Anteil an Verlierern zu beklagen – nämlich 27 von 44 Regionen im Land. Nur zwei baden-württembergische Regionen sind demnach Gewinner, also 25 oder mehr Plätze aufgestiegen.

Trotz allem ein Jammern auf hohem Niveau, ließe sich sagen. Denn wie bereits im Niveauranking 2016 entfällt auch 2026 wieder ein großer Anteil der Top-100-Regionen auf Baden-Württemberg. Waren es 2016 noch 30 Regionen, sind es zehn Jahre später allerdings „nur noch“ 19.

Bayern, dem im Ranking stärksten Bundesland, gelang es indes sogar die Anzahl der Vertreter in den Top 100 noch zu steigern: von 53 (im Jahr 2016) auf 58 Regionen (2026).

Baden-Württembergs Abstieg erklärt die IW Consult GmbH unter anderem mit der Automobilkrise. „Das zeigt sich exemplarisch am Gewinneinbruch der Fahrzeughersteller Mercedes-Benz, Daimler Truck und Porsche sowie von Bosch als Automobilzulieferer im Jahr 2025“, heißt es in der Auswertung.

„Anforderungen an Anpassungsfähigkeit deutlich erhöht“

„Wirtschaftlich herausfordernde Zeiten mit hohen Kosten, Bürokratieanforderungen und Zollkonflikten“ sowie die weltweiten Krisen – wie der Ukraine-Kriege oder die Corona-Pandemie – und der demografische Wandel hätten zudem „die Anforderungen an die regionale Anpassungsfähigkeit deutlich erhöht“.

Nicht zuletzt stelle auch gerade der Übergang zu einer klimaneutralen Wirtschaft „insbesondere energieintensive und industriell geprägte Regionen vor grundlegende Anpassungsanforderungen“.

Landrat Helmut Riegger zeigt sich laut Mitteilung des Landkreises Calw trotzdem mit dem Ergebnis zufrieden: „Die Studie macht deutlich, dass der Landkreis Calw nicht nur heute ein attraktiver Lebens- und Wirtschaftsraum ist, sondern auch über starke Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft verfügt.“

Die besondere Stärke des Landkreises liege „im Zusammenspiel aus hoher Lebensqualität, wirtschaftlicher Stabilität und der einzigartigen Natur des Nordschwarzwalds“.

Entscheidend werde indes sein, „wie wir die kommenden Jahre aktiv gestalten. Mit gezielten Investitionen in Bildung, Digitalisierung, Mobilität und die regionale Wirtschaft schaffen wir schon heute die Grundlage dafür, dass der Landkreis Calw auch langfristig wettbewerbsfähig und lebenswert bleibt“, zeigt sich der Landrat zuversichtlich.

So kommt das Ranking zustande

Die IW Consult GmbH
ist Teil des Instituts der deutschen Wirtschaft, ein arbeitgebernahes Wirtschaftsforschungsinstitut. Trägervereine sind die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und der Bundesverband der Deutschen Industrie.

Das IW-Regionalranking
 der IW Consult GmbH untersucht seit 2016 die wirtschaftliche Stärke sowie die Lebens- und Standortqualität aller 400 kreisfreien Städte und Landkreise in Deutschland. Grundlage des Rankings sind insgesamt 14 Indikatoren aus den Bereichen Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität – darunter Steuerkraft, Beschäftigungsentwicklung, Anteil hochqualifizierter Beschäftigter, Sicherheitslage, Naturnähe, Wanderungsbewegungen sowie Wohnungsbau.