Die Planung zur Etablierung einer Kandertal-S-Bahn soll mit den Leistungsphasen 1 und konkrete Formen annehmen. Foto: Alexandra Günzschel

Die geplante Reaktivierung der Kandertalbahn im Kreis Lörrach startet bald in die nächste Phase.

Die Versammlung des Zweckverbands Regio-S-Bahn 2030 (ZRL) hat in ihrer jüngsten Sitzung bei Enthaltung der Stadt Weil am Rhein einstimmig beschlossen, die Federführung bei dem Reaktivierungsprojekt zu übernehmen. Zudem hat das Gremium die Verbandsvorsitzende damit beauftragt, einen entsprechenden Planungs- und Finanzierungsvertrag mit dem Land Baden-Württemberg abzuschließen.

 

Der unterzeichneten Kooperationsvereinbarung mit den kommunalen Projektpartnern Landkreis Lörrach, Kandern, Rümmingen und Witt- lingen wurde zugestimmt. Diese regelt unter anderem die Finanzierung der Leistungsphasen 1 und 2, die bis Ende des Jahres beauftragt werden sollen, wie Erster Landesbeamter und Verkehrsdezernent Ulrich Hoehler erklärte. Vor dem Hintergrund begrenzter Personal- und Mittelverfügbarkeit hat die Verwaltung für beide Leistungsphasen einen Durchführungszeitraum von etwa drei Jahren vorgeschlagen.

2,6 Millionen Euro

Für das Projekt stehen im Ergebnishaushalt für die Jahre 2026 bis 2028 Mittel in Höhe von 2,6 Millionen Euro bereit, die komplett durch den Landkreis, das Land, die Stadt Kandern und die Gemeinden Rümmingen sowie Wittlingen gedeckt sind. Für einen Eklat sorgte zuletzt die Stadt Weil am Rhein, weil der Gemeinderat eine Kostenbeteiligung an den nächsten Planungsphasen mehrheitlich ablehnte. Auch die Gemeinde Binzen wird keinen Eigenanteil beisteuern.

Der Landkreis Lörrach, die Städte Lörrach, Weil am Rhein und Kandern sowie die Ge- meinden Binzen, Rümmingen, Wittlingen, Schallbach und Malsburg-Marzell haben Untersuchungen zur technischen und volkswirtschaftlichen Umsetzbarkeit durchge- führt.

Wirtschaftlich umsetzbar

Demnach ist eine Reaktivierung der Strecke sowohl für einen Halbstunden- als auch für einen Stundentakt technisch machbar und nach derzeitigem Kenntnisstand voraussichtlich volkswirtschaftlich umsetzbar, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Die Investitionskosten werden inklusive Baupreissteigerung und Risikozuschlag mit etwa 90 Millionen für einen Halbstundentakt und circa 80 Millionen Euro für einen Stundentakt beziffert, wie es weiter heißt.

Einstieg in Planung

Auf Basis der Machbarkeitsstudien wurde die Beauftragung der Leistungsphasen 1 und 2 HOAI (Grundlagenermittlung und Vorplanung), also der Einstieg in die förmliche Planung, als nächster Schritt identifiziert. Neben der Vorplanung können hier die offenen Fragen wie zum Beispiel Lärm, Erschütterung und Verkehrsführung (Schließung von Bahnübergängen) verortet werden.

Die Beauftragung der beiden Phasen habe das Ziel, die Entscheidungsgrundlage für die Weiterplanung und Umsetzung des Projekts zu schaffen. Konkrete Inhalte sind die Festlegung und Prüfung des Betriebsprogramms und die Festlegung der planerischen Eckpunkte. Zudem wird der Investitionsaufwand in der Kostenschätzung mit deutlich höherer Genauigkeit ermittelt, hieß es weiter.

ZRL als Leader

Der ZRL wird laut Jakob Jochum, kommissarischer Sachgebietsleiter ÖPNV im Landratsamt, die Rolle des „Leadpartners“ übernehmen. Damit sei er zuständig für die Durchführung der Vergaben, er bauftrage die Leistungen und koordiniere die Projektbegleitung. Der ZRL kenne die Strukturen, habe Übung mit derartigen Planungsprojekten und die nötige Erfahrung, erklärte Verkehrsdezernent Hoehler.

Die Kenntnisse aus dem Ausbau der Wiesentalbahn würden 1:1 eingebracht werden. Mit in die Planung eingebunden ist auch der Zweckverband Kandertalbahn als Betreiber der Infrastruktur und Streckeneigentümer – an der Finanzierung beteiligt er sich aber nicht.