Der Neubau der Kreisstraße zwischen Lahr und Ringsheim nimmt weiter Fahrt auf. Der Gemeinderat stimmte am Dienstag einer Beteiligung der Stadt an den Kosten zu. Indes, Kritik am Projekt verstummt auch in Ettenheim nicht.
Nur 12 von 23 Ettenheimer Räten (acht Neinstimmen, drei Enthaltungen) befürworteten die aktuelle Planung für die neue Kreisstraße. Das gar nicht so eindeutige Abstimmungsergebnis verwunderte, denn gerade die verkehrslärmgeplagten Altdorfer gelten neben den Einwohnern von Kippenheim als die Gewinner der neuen Kreisstraße zwischen Ringsheim und Lahr. Michael Biehler (FWV) und Christoph Biehler (CDU), beide leben in Altdorf, waren denn auch voll des Lobes über die Planung. Sie drängten auf eine schnelle Umsetzung, denn mit großer Sorge sehen sie die Pläne der Bahn, bei der Ertüchtigung der Rheintalstrecke im nächsten Jahrzehnt den Zugverkehr auf der Strecke komplett lahmzulegen und mit Schienenersatzverkehr auf die Straße auszuweichen – für sechs Jahre. „Ohne neue Kreisstraße droht uns über Jahre der Verkehrskollaps. Für uns ist die Belastung schon jetzt unerträglich“, so Christoph Biehler .
Kritik am Flächenverbrauch: Die Kritiker machten ihren Widerstand nach wie vor am Flächenverbrauch für den elf Kilometer langen Nord-Süd-Durchstich von Langenwinkel bis nach Ringsheim fest. Dass parallel zur Kreisstraße ein vier Meter breiter Radschnellweg zusätzlich entstehen soll, nannte Marion Fleig (FLE) ein „Feigenblatt“. Ganzheitlich betrachtet verbrauche die Umsetzung der Bahnpläne, acht Gleise über die Gemarkung Ettenheim zu ziehen, dann der sechsspurige Ausbau der Autobahn und die neue Kreisstraße mit Radschnellweg einfach zu viel Fläche, so Fleig.
Entgegnung des Bürgermeisters: Bürgermeister Bruno Metz stimmte der Kritik beim Thema Bahn zu, den Bau der Kreisstraße stellte er aber nicht in Frage. Die Straße werde die Menschen in Altdorf spürbar vom Verkehrslärm entlasten. Zu den Verursachern von Verkehrslärm gehören auch etwa 1000 Ettenheimer, die täglich gen Lahr zur Arbeit pendelten. Sie könnten künftig die neue Straße nutzen und die Anwohner in Altdorf und Kippenheim entlasten. Auch der Radschnellweg sei kein Feigenblatt, denn nicht wenige Berufspendler nutzten heute schon das Rad, um sich von Herbolzheim in Richtung Norden oder umgekehrt zu bewegen. Und in Zeiten steigender E-Mobilität würden immer mehr Menschen aufs E-Bike umsteigen.
Kreisverkehr wird zweispurig aufdimensioniert
Die aktuelle Planung: Mit Dezernatsleiterin Alexandra Roth und den Planern Roland Gäßler und Susann Fischer-Dolz war die Spitze der Planungsgruppe in der Kreisverwaltung nach Ettenheim gekommen, um dem Gemeinderat den aktuellen Stand von Planung und Umsetzung der neuen Kreisstraße vorzustellen. Gäßler betonte wie bei seinen Besuchen zuvor insbesondere den schonenden Umgang mit der Fläche. Die Planer hätten beispielsweise vorhandene Feldwege in ihre Planung aufgenommen, außerdem werde die B 3 zwischen dem Sulzer Kreuz und dem Kippenheim Kreisel zurückgebaut. Will heißen, die Straße wird von zehn auf sieben Meter Breite verkleinert und der Wirtschaftsweg auf der Westseite komplett renaturiert. Außerdem sei die Straßenführung zwischen Ringsheim und DYN A 5 inzwischen flächenschonender, weil Kappel-Grafenhausen sich nicht mehr gegen eine Überplanung seiner Gemarkung verschließe. Gäßler: „Dieser unnötige Schlenker fällt jetzt weg“. Vom Tisch ist laut Gäßler inzwischen der Plan, den Kreisel an der L 103/DYN A 5 durch eine Lichtsignalanlage zu ersetzen. Der aktuelle Kreisel gilt nicht als leistungsfähig genug , um künftig an die 30 000 Fahrzeuge aufzunehmen. Hier sei die neueste Planung, den Kreisel beizubehalten und auf zwei Fahrspuren aufzuweiten. Durchgängig werde neben dem sieben Meter breiten Fahrstreifen ein vier Meter breiter Radschnellweg gebaut. Gäßler: „Wir sehen dafür Potenzial, weil immer mehr Menschen täglich auch weitere Strecken mit dem Rad zurücklegen“. Dort, wo die Durchstiche beengt sind, etwa im Sondergebiet DYN A 5 oder dem Gewerbegebiet Orschweier, werde der Radfahrstreifen von 4 auf 2,5 Meter verengt.
Neue Brücken: Insgesamt werde es entlang der Strecke mehr als 100 neue Brückenbauwerke geben. Dazu zählen auch sechs sogenannte Grünbrücken, Passagen für Wild und Fledermäuse. Letztere Flugtiere werden für eine Besonderheit sorgen. Beim Übergang am Ettenbach werde es eine Unterführung für Fledermäuse geben, weil diese nur in einer Flughöhe von fünf Meter über dem Wasserspiegel unterwegs seien.
Die Umsetzung: Die neue Kreisstraße soll in zwei Bauabschnitten angegangen werden. Zunächst den Abschnitt von Ringsheim bis auf Höhe des Sulzer Kreuzes mit dem Brückenneubau am Rebweg und der Verbindung in Richtung Sulzer Kreuz. Der zweite Abschnitt soll dann die Verbindung zwischen dem Kreisverkehr an der Rebwegbrücke, vorbei an Kippenheimweiler und Langenwinkel, zum Anschluss an die die B 417 bringen. Es gelte der Beschluss des Kreistags, beide Abschnitte in einem Guss zu bauen, erklärte Dezernatsleiterin Alexandra Roth. Noch in diesem Jahrzehnt soll das Projekt abgeschlossen werden
Höhere Förderung in Aussicht
Vor ein paar Tagen sei Landesverkehrsminister Winfried Hermann zu einem Vororttermin in der Ortenau gewesen. Er habe dabei eine höhere Förderung des Landes in Aussicht gestellt, bestätigte Roth auf Nachfrage von Bürgermeister Metz. Sollte die erhöhte Förderung tatsächlich folgen, dann würde sich der Anteil an den Kosten der vom Projekt berührten Kommunen verringern, bestätigte Roth. Die mehrheitliche Zustimmung des Gemeinderats zur Planung schloss nämlich auch die anteilige Übernahme der Projektkosten von aktuell 79 Millionen Euro mit ein. Zehn Prozent, also 7,9 Millionen, müssen die Kommunen tragen. Der Anteil von Ettenheim beträgt dabei 1,1 Millionen Euro. Steigt die Förderung, würde sich dieser verringern.