3500 Euro bezahlen Fahrschüler im Schnitt für ihren Führerschein. Zu viel, findet das Verkehrsministerium und möchte das ändern. Rottweiler Fahrschullehrer sehen das äußerst kritisch und haben andere Vorschläge.
Der Führerschein soll günstiger werden: Darüber wird im Verkehrsministerium aktuell diskutiert. Nach der Devise „Mobilität darf kein Privileg sein“ sollen vor allem junge Fahrschüler, die sonst jahrelang auf den Führerschein sparen müssten, entlastet werden. Kritisch sehen das die Fahrlehrer in Rottweil – nicht nur aus finanzieller Sicht, sondern auch aus Gründen der Verkehrssicherheit.
Denn nicht nur die Kosten sollen sich laut Verkehrsministerium verändern, sondern auch der Umfang des Fragebogen. So soll der Fragenkatalog für die theoretische Prüfung – bislang 1169 Fragen – künftig um ein Drittel kürzer werden. Außerdem sollen das Fahren mit einem Schaltfahrzeug und einige Sonderfahrten nur noch im Fahrsimulator erfolgen. Doch ist der Vorschlag wirklich realisierbar? Die Fahrschulen aus Rottweil äußern ihre Zweifel.
Können Simulatoren echte Straßen ersetzen?
Zwar würden Fahrschüler Kosten sparen, ihre Ausbilder hingegen müssten ordentlich umstrukturieren, sollte der Plan angegangen werden. Fahrschulleiter Marcus Pollermann von der gleichnamigen Fahrschule erklärt, allein die Anschaffung eines Simulators würde bis zu 40 000 Euro kosten. Das Geld müsse man auch erstmal einnehmen. Und: „Weniger Fahrstunden auf echten Straßen bedeuten auch weniger Verkehrssicherheit auf echten Straßen.“
Dem stimmen seine Kollegen aus anderen Fahrschulen zu. In der Idee, man könnte einige Fahrstunden durch „Fahrten“ im Simulator ersetzen, sieht Dieter Gerth von der Fahrschule Eisenbraun eine große Gefahr. Im realen Verkehr stehe man als Fahrer wesentlich mehr unter Druck und müsse sich konzentrieren, um verantwortungsbewusst Auto zu fahren. Im Simulator sei das nicht so.
Marcus Schwanzer von „indrive“ ergänzt, dass die Simulatoren keine Fachkräfte ersetzen. Schließlich müssten die Fahrschüler trotzdem beaufsichtigt werden, den Job könne kein Simulator übernehmen. Ein Gegner der Geräte ist er aber nicht.
Marcus Pollermann sieht sie als Ergänzung. Der Simulator dürfe aber nicht die „Hauptlernquelle“ sein, wie er sagt.
Lösungsvorschläge der Betreiber
Alle befragten Fahrschulen in Rottweil halten die Durchsetzung des Gesetzesentwurfs für eher unwahrscheinlich, dennoch könne man sie nicht ausschließen. Sie haben alternative Vorschläge. Marcus Schwanzer sagt etwa, man könne sich ein Beispiel an dem Gesetzesentwurf zur Senkung der Mehrwertsteuer für die Gastronomie nehmen und die Mehrwertsteuer für den Führerschein ebenfalls senken.
Marcus Pollermann hat einen anderen Lösungsvorschlag: den üblichen B 197-Führerschein abschaffen. In der Ausbildung würden die Schüler bisher lernen, mit Automatik- und Schaltgetriebe zu fahren, so dass sie am Ende in beidem geschult seien. Konzentriere man sich nur noch auf Automatik, würden die Kosten für Schaltfahrzeuge wegfallen. Doch das würde er nur als Lösung annehmen, wenn der Gesetzesentwurf wirklich durchgehe. Derzeit könne er sich nicht vorstellen, nur noch das Fahren mit einer Getriebe-Technologie anzubieten.
Fahrschulleiter Schwanzer meint abschließend aber auch: „Der Führerschein ist in der Regel eine lebenslange Anschaffung. Wenn man dann mal 3500 Euro ausgibt, relativiert sich das auch wieder.“