Der Autor macht sich Gedanken darüber, ob Wahlplakate noch zeitgemäß sind.
Über Nacht sind sie aufgetaucht, an Laternenpfählen, festgezurrt mit Kabelbinder: Vor der Landtagswahl am 8. März hängen im Lahrer Raum wieder viele Wahlplakate, auf denen die Spitzen- und Direktkandidaten um die Wette lächeln. Das ist man vor Wahlen so gewohnt, und doch ist es eigentlich erstaunlich, dass es die Plakate noch gibt – denn wir leben bekanntlich in den Zeiten des Internets.
Braucht es sie überhaupt noch, wenn man auch in den Sozialen Medien viele Menschen erreichen kann? Zumal viele Plakate doch recht langweilig wirken mit den knappen Sprüchen und immer gleichen Gesichtern. Oder bleibt nur viel Müll, wenn die Wahl gelaufen ist? Es nervt! Verschandelung!, so dürften deshalb viele Menschen über Wahlplakate denken.
Wahrgenommen werden sie laut Forschung nur für etwa zwei Sekunden. In dieser kurzen Zeit sollen sie ein positives Grundgefühl für den abgebildeten Kandidaten und die Kernbotschaft seiner Partei vermitteln – längere Texte würde sowieso niemand lesen. Deshalb wirken Wahlplakate für viele Menschen nichtssagend.
Und doch braucht es sie, wie ich finde: Sie zeigen den Bürgern, dass eine Wahl ansteht und es Zeit ist, sich damit zu beschäftigen. Sie künden von der Vielfalt der Meinungen, vom politischen Pluralismus.
Außerdem kann man auch beim kurzen Blick auf die Plakate viel über die Parteien erfahren – allein schon, wie geschickt (oder ungeschickt) sie darin sind, für sich zu werben. Denn manches, was darauf zu lesen ist, ist unglaubwürdig, wenn nicht sogar einfach nur Stuss. Was aber auch bedeutet, dass die Plakate zum Nachdenken anregen – das ist in Vorwahlzeiten nichts Schlechtes.
Auf mich wirken sie außerdem wie ein schönes Überbleibsel aus analogen Zeiten. Denn es ist doch irgendwie tröstlich, dass sich nicht alles in der digitalen Welt abspielt. Das gilt auch für die Wahlstände der Parteien in der Lahrer Innenstadt – die gehören in der Vorwahlzeit ebenfalls dazu. Es geht doch nichts über den persönlichen Austausch mit den Parteienvertretern.