Vor rund 50 Jahren sollte im Glatter Schlossgarten ein Hallenbad gebaut werden. Aus diesen Plänen wurde nichts. Doch wie kam es zu dieser Idee?
Im Trinkpavillon des Glatter Wasserschlosses befindet sich noch die Glocke und eine Sitzbank, doch der Brunnentrog fehlt. „Er ist im Bauhoflager“, sagt Ortsvorsteher Helmut Pfister.
Wassertretanlage kommt weg
Seit drei Jahren sprudelt das eisenhaltige Wasser nicht mehr. Von daher hat der Trog im Pavillon seinen Verwendungszweck verloren. Von dem Häuschen aus führt eine Leitung zur Gaius-Quelle, die auch die Wassertretanlage am Radweg zwischen Glatt und Hopfau gespeist hat. „Diese kommt ebenfalls weg“, teilt Pfister mit.
So mancher Wanderer oder Radfahrer wird es bedauern. Die Anlage sei gut besucht gewesen. Die Wiederinbetriebnahme mit Wasser aus der Glatt wäre zwar, so Pfister, möglich, aber dafür bräuchte man eine wasserrechtliche Genehmigung. Zudem müsste das Becken aus hygienischen Gründen wöchentlich überprüft und gereinigt werden.
Bach soll erlebbar werden
Ein solcher Aufwand sei nicht tragbar. Nun gibt es andere Pläne: Der Bereich um die Wassertretanlage soll neu mit Sitzbänken gestaltet werden. Dabei wolle man auch den Bach besser zugänglich und erlebbar machen. Ein Eingriff in das Gewässer sei jedoch nicht vorgesehen. Pfister ist zuversichtlich, dass das Projekt in den Haushaltsplan der Stadt für 2024 aufgenommen wird.
Um die Gaius-Quelle wieder sprudeln zu lassen, hätte neu gebohrt werden müssen. Das war vor einigen Jahren auch mal ein Thema im Sulzer Gemeinderat. Die Bohrungen wären teuer, die Erfolgsaussichten unsicher. Es wurde beschlossen, das Projekt nicht weiter zu verfolgen.
Quelle Ende der 1950-Jahre entdeckt
Bei Bohrungen Ende 1950er-Jahre ist die Quelle entdeckt worden, jedoch hat sich dabei herausgestellt, dass sie sich nicht für Trinkwasser eignet. Das hat auch Siegfried Esslinger mitbekommen und war gleich hellhörig geworden. Er ließ das Wasser auf eigene Kosten untersuchen.
Tatsächlich bestätigte sich das, was er vermutet hatte – „es war Mineralwasser, ähnlich wie in Bad Dürrheim“. Da kam auch die Idee auf, in Glatt das Quellwasser für ein Bad zu nutzen. Und damit im Zusammenhang sei der „Ursprungsgedanke“ gestanden, dass die damals selbstständige Gemeinde das Wasserschloss kaufte. Esslinger selbst eröffnete gegenüber dem Hauptschloss dann das Café.
Hallenbad im Schlossgarten
Das Bad-Projekt nahm konkrete Gestalt an. Esslinger hatte beim für Glatt zuständigen Landratsamt Hechingen das Wasserrecht beantragt und bekommen. Es wurde, wie er sich erinnert, eine rund 1000 Meter lange Leitung von der Quelle zum Schloss gebaut und die Gesellschaft „Schlossbad Glatt“ mit einem Startkapital von 20 000 Mark (10 000 Euro) gegründet.
Vorsitzender war zunächst Bürgermeister Otto Hellstern, später Siegfried Esslinger. Der Plan war, im Schlossgarten ein Hallenbad zu bauen. Die Umkleidekabinen und Duschen sollten in der Zehntscheuer, in dem sich heute das Bauernmuseum befindet, eingerichtet werden.
Das geplante Bad war der Grund, dass sich die Gemeinde Glatt vor 50 Jahren nicht am Bau der Glatttalfreibads in Bettenhausen beteiligen wollte. Dort konnte in diesem Jahr Jubiläum gefeiert werden, das Glatter Bad-Projekt musste dagegen aufgegeben werden.
Quelle nicht versiegt
Die Badgesellschaft sei in den 1970er-Jahren aufgelöst worden, sagt Esslinger. Zuletzt ist beim Wasserschloss Ende der 1990er-Jahre noch das Brunnenhaus gebaut worden.
Esslinger ist überzeugt, dass die mineralhaltige Quelle nicht versiegt ist. Er geht vielmehr davon aus, dass nach 60 Jahren die Rohre kaputt gegangen sind und das Bohrloch eingebrochen ist. „Da ist nichts mehr zu retten“, glaubt er. Der Brunnentrog kommt wieder zurück nach Glatt. „Wir suchen eine neue Verwendung“, versichert Ortsvorsteher Pfister.