Projekt Car-Loft-Hotel: So sollte es aussehen. Foto: Krieger Architekten

Beschlossen ist noch nichts, aber die Richtung ist klar: Die Mehrheit des Gemeinderats will das Sportbad, wenn es finanzierbar ist, nicht auf dem SSB-Gelände an der Mercedesstraße bauen. Vielmehr dort, wo Finanzbürgermeister Michael Föll ein großes Car-Loft-Hotel sehen möchte.

Stuttgart - Mehr als zweieinhalb Stunden haben Verwaltung und Stadträte am Dienstag hinter verschlossenen Türen um das geplante Sportbad und einen großen Hotelkomplex im Neckarpark gerungen. Standortentscheidungen wurden von den Gemeinderatsausschüssen für Umwelt und Technik sowie Wirtschaft und Wohnen nicht getroffen. Aber es wurde klar, wo der Hase hinläuft: Das öko-soziale Lager und die FDP halten wenig vom Vorhaben des Finanzbürgermeisters Michael Föll (CDU), das Sportbad auf dem Grundstück der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) an der Mercedes­straße zu bauen; dort, wo der frühere OB Wolfgang Schuster (CDU) einmal ein Mobilitäts-Erlebniszentrum und ein Planetarium errichten wollte. Fölls Kontrahenten wollen das Sportbad lieber an der Ecke Mercedes­straße/Benzstraße haben – wo der Architekt Manfred Dick mit dem Segen von Föll und der städtischen Wirtschaftsförderung einen großen Car-Loft-Hotelkomplex plant.

Dass den Grünen das Projekt nicht gefällt, hängt nicht so sehr mit den Elementen des nachhaltigen Bauens und Autofahrens zusammen. Eher mit der Tatsache, dass die Gebäude neben einem Schauraum für Elektrofahrzeuge eine 24 Stunden geöffnete Tankstelle einschließen sollen, wenngleich auch als Wasserstofftankstelle gedacht. Außerdem ist eine McDonald’s-Gaststätte vorgesehen. Deshalb rechnet Grünen-Fraktionschef Peter Pätzold mit einer rund um die Uhr geöffneten Vorglühstation für Stadion- und Wasenbesucher, was man sich hier nicht wünsche. Nur 14 Prozent der Zimmer seien als Car-Lofts vorgesehen, sagte Pätzold auf Anfrage. Es gebe zu viele städtebauliche Probleme.

Das sieht CDU-Fraktionschef Alexander Kotz anders. Während vom öko-sozialen Lager teilweise der Hotelbedarf speziell an dieser Stelle bestritten wird, kann Kotz dem Projekt viel abgewinnen. Auf dem SSB-Gelände erscheine der Bau des Bades sowieso weniger problematisch wegen der Mineralwasserschichten. Dort könnten Becken entstehen, zu deren Rand man ohne Treppensteigen kommen könnte.

Die Kritiker dieses Standortes ziehen das noch in Zweifel. Außerdem sollen hier nur gut 40 Parkplätze möglich sein. Schon bei dem früher verfolgten, dann verworfenen Standort neben den Anlagen von VfL und ESV Rot-Weiß Stuttgart war bemängelt worden, dass nur 70 Stellplätze machbar wären. Beim SSB-Gelände ist zwar die Anbindung ans Stadtbahnnetz besser. In einigen Fraktionen und in der Verwaltung wird aber bezweifelt, dass man den Schwimmsportnachwuchs nach anstrengendem Training mit Stadtbahnen heimschicken kann.

Föll gehe es vor allem darum, für die Hotelgrundstücke an die vier Millionen Euro zu erlösen, heißt es, allerdings erwarteten die SSB auch bis zu drei Millionen Euro. Außerdem müsste dort die Firma Marquardt-Küchen vor Ablauf des Mietvertrags 2020 verlagert werden. Föll verhandelt deswegen mit dem Investor Alfons Doblinger über die Unterbringung in geplanten Neubauten an der Daimlerstraße. Dafür müsste die Stadt möglicherweise aber auch Geld aufbringen.

Bis heute ist auch unsicher, ob die Stadt die erhofften neun Millionen Euro Zuschüsse für das rund 27 Millionen Euro teure Bad mit 50-Meter-Becken erhalten wird. Ohne Zuschuss sei es nicht finanzierbar, meint Föll. Er kündigte an, er werde am 9. April über seine Verhandlungen berichten. Möglicherweise eine Mehrheit will das Sportbad auf jeden Fall. Die Grünen können sich nicht erinnern, dass Föll den Bau früher von Zuschüssen abhängig machte. Bernd Klingler (FDP) ließ recherchieren, dass vor drei Jahren von fünf Millionen Euro die Rede war.

Offen ist, was aus dem Hotelkonzept wird, wenn der Gemeinderat stattdessen an dieser Stelle das Sportbad bauen lässt. Für zwei Grundstücke hat die Stadt Optionen für das Hotelprojekt vergeben. Im Fall von einem Grundstück war es praktisch die letzte Amtshandlung von OB Schuster. Am Dienstag habe der Hotelinitiator erklärt, ihm reiche notfalls ein Grundstück, heißt es: jenes mit dem Kürzel Q 19 in den Neckarpark-Plänen. Entschädigungsansprüche müsse man nicht befürchten, sagt Ines Aufrecht, Chefin der Wirtschaftsförderung: „Es galt immer ein Gemeinderatsvorbehalt.“