Das Demokratie-Forum Ettenheim will 2026 vieles angehen. Neben einer weiteren Aktionswoche soll es auch Projekte zur anstehenden Landtagswahl geben.
Vor einem Jahr hatte es sich erstmals zusammen gefunden: Das „Bündnis Demokratie Ettenheim“ (BDE) ist ein bislang formloser Zusammenschluss und besteht nach eigener Darstellung aus einer bunten Gruppe von engagierten Bürgern, Vertretern von Parteien, Kirchen, Vereinen und Schulen. 16 von ihnen trafen sich jetzt zu einem „Plenum“ im Altdorfer Rathaus-Sitzungssaal. Oben auf der Tagesordnung stand ein Bericht über die kürzliche Veranstaltung am 11. November zum Gedenken an die Reichspogromnacht 1938 und deportierten jüdischen Bewohnern Altdorfs und Ettenheims. Die war vom BDE angeregt, mit weiterer Unterstützung des Fördervereins ehemalige Synagoge koordiniert worden und schließlich von Schülern und Lehrkräften des städtischen Gymnasiums und der St.-Landolin-Schule veranstaltet worden.
Daniel Henninger vom vierköpfigem Leitungsteam resümierte: Die Veranstaltung sei mit rund 100 Teilnehmern rundum gut gelaufen – samt Reden, Musikbeiträgen und eindrücklichem Gespräch mit einem Enkel des einst ermordeten Altdorfer Juden Gérard Dreyfus. Überdies sei insbesondere das lobenswerte Engagement der Schüler beeindruckend gewesen. Und: Nächstes Jahr habe die Stadt nach seinem Kenntnisstand möglicherweise wohl eine weitere vergleichbare Veranstaltung vor.
Es gibt erste Ideen für die Landtagswahlen
Ebenfalls berichtet wurde zum aktuellen Stand zum im Frühjahr eingerichtetem Ettenheimer Schülerforum. Das habe bereits ein Mal getagt, berichteten vier anwesende Jugendliche aus erster Hand. Nachholbedarf gebe es jedoch noch mit ausreichenden Kontaktdaten zu zuverlässigen schulischen Ansprechpartnern. Insbesondere sei das mit dem August-Ruf-Bildungszentrum noch etwas verbesserungswürdig. Doch alle bisherigen Kommunikationsprobleme sollen nun bald gelöst werden. Und dies auch mit Unterstützung des BDE, sagte Henninger zu. Immerhin: Zwei Mal jährlich sollen nun Schülervertreter aller fünf Einrichtungen gemeinsam beraten, was man dem Ettenheimer Gemeinderat künftig so alles mitzuteilen oder vorzuschlagen haben könnte – vorläufig allerdings erst mal nur über entsprechende Fraktionsvertreter.
BDE plant eine Podiumsdiskussion
Ein weiterer Tagesordnungspunkt: Soll das BDE vor den kommenden Landtagswahlen im März eine eigene Veranstaltung planen? Hier kristallisierte sich vor allem eine selbst verantwortete Podiumsdiskussion heraus, vorzugsweise zum Thema der Bildungspolitik. Indes: Einem Vertreter der AfD dürfe dabei keinesfalls eine Plattform zur Verbreitung von extremer Polemik gegeben werden, herrschte unter den Anwesenden Einigkeit. Sicherheitshalber nur zwei Vertreter von CDU und SPD als örtliche prominente und ehemalige Repräsentanten des örtlichen Schulwesens einladen? Das stieß jedoch auf keine völlig ungeteilte Begeisterung. Dann doch lieber auf das lokale Hilfskonstrukt zurückgreifen, sämtliche im Ettenheimer Gemeinderat vertretenen Parteien einzuladen – zu denen die AfD bekanntlich nicht gehört? Wie auch immer: Noch ist in Sachen demokratischem Landtagswahl-Engagement des BDE nichts entschieden, weitere Überlegungen werden verfolgt. So auch über einen zusätzlichen Vorschlag, in der heißen Wahlkampfphase dann auf der Straße mit der schlichten Frage präsent zu werden, warum die AfD wählbar ist oder sein soll. Dazu hatte ein Bündnisdemokrat eine Broschüre der Heinrich-Böll-Stiftung mitgebracht: „Was die AfD wirklich will - und was wir entgegnen.“
1100 Schüler waren bei der Woche der Demokratie dabei
Und wie geht es weiter mit der Ettenheimer Demokratiewoche? Im Mai hatten rund 1100 Ettenheimer Schüler im Rahmen einer ausgerufenen „Woche der Demokratie“ eindrücklich demonstriert, was diese Staatsform für sie bedeutet. Hierzu sprach sich das BDE dafür aus, dies auch im nächsten Jahr zu unterstützen. Man diskutiere noch über einen passenden Termin und lokale Inhalte. Jedenfalls brauche es dazu auch eine Kundgebung, wurde einmütig festgehalten.
Ansonsten ergab eine spontane Umfrage, dass trotz „Kriegsängsten und zunehmendem Rechtsradikalismus“ noch Hoffnung bestünde. Bloß welche? Da helfe schlicht nur Optimismus, waren sich die Mitglieder einig.
Info – Noch fehlt es an Struktur
Nach einem Jahr BDE zog Leitungsteam-Mitglied Daniel Henninger ein erstes Fazit: Man habe schon viel erreicht. Die Gruppe helfe dabei, dem Gefühl der Ohnmacht, das angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage leicht entstehen könne, etwas entgegenzusetzen – gerade auch vor Ort. Bislang habe das BDE allerdings noch keine festen Strukturen bis auf Stammtische und öffentliche Plenumstreffen entwickelt. Nachdem sich allerdings erst vor rund einer Woche das „Forum Demokratie Lahr“ nun als Verein mit spezieller Zielsetzung der Verteidigung von Grundrechten und Vielfalt konstituiert hat, soll nun auch in Ettenheim intern darüber beraten werden, ob man sich auch hier entsprechend festere Vereinsstrukturen geben sollte.