So viel Platz werden Umzug und Zuschauer in diesem Jahr nicht haben: Wegen der Baustelle ist die Hauptstraße rund um das Uehlin-Areal derzeit teilweise gesperrt. Foto: Anja Bertsch

Ein Kran mitten auf der Umzugsstrecke, und die Frage nach der Sicherheit weiterhin aktuell: Wie die Schopfheimer Narren das Hindernis an der Uehlin-Baustelle umschiffen und was für die Sicherheit getan wird. 

Vor fast genau einem Jahr, im März 2025, schlug die Baustelle für das neue Uehlin-Haus Bauzäune und Materiallager auf der Hauptstraße auf, bald darauf gesellte sich ein Kran dazu, und während der Abrissarbeiten im Vorfeld waren ebenfalls bereits raumgreifende Bauarbeiten im Gange – alles auf Kosten von Gehweg und Straßenfläche an zentraler Stelle mitten in der Stadt.

 

Alltag mit Baustellen hat sich längst eingespielt

Im Schopfheimer Verkehrsalltag hat sich das Umschiffen der Uehlin-Baustelle längst eingespielt: Autos schleusen sich auf der verbliebenen halben Straße unter gegenseitiger Rücksichtnahme um die Bauzäune herum, Fußgänger nutzen den auf dem Seiten-Parkstreifen gegenüber der Baustelle provisorisch abgegrenzten Gehweg, oder eben auch nicht.

Wie aber sollen die Fasnachtsumzüge – insbesondere der Hauptumzug am Fasnachtssonntag und der historische Nachtumzug am Rosenmontag – mit ihren Wagen und den teils in Formation laufenden Gruppen an der Engstelle vorbei passen?

Ein paar kleine Anpassungen nötig

„Ein paar kleine Anpassungen, dann funktioniert das“, gibt Zeremonienmeister Fritz Trefzger Entwarnung: Der verbliebene Fahrbahnstreifen habe die Rettungsbreite von 3,50 Metern, das reicht auch für die Umzugswagen.

Foto: Anja Bertsch

Um dem Umzugsgeschehen noch etwas mehr Luft zu verschaffen, wird das mit Absperrungen markierte Gehweg-Provisorium über die Fasnachtstage „abgebaut“. Das Publikum kann auf der betroffenen Etappe dann eben nicht wie sonst üblich direkt am Straßenrand stehen, sondern muss sich hinter den Absperrketten des Marktplatzes platzieren.

Weitaus größere Probleme hätte es den Narren bereitet, wenn der laufende Ausbau des Nahwärmenetzes in der Innenstadt nicht angepasst worden wäre: Nachdem die Leitungen in Adolf-Müller-Straße und Stadtgraben im vergangenen Jahr verlegt wurden, steht der Rest dieses Ausbauschrittes – die Verlegung der Leitungen in der Hauptstraße von Adolf-Müller-Kreisel bis zur Scheffelstraße/Uehlin-Areal – noch aus.

Nahwärme-Baustelle umgeplant

Für diese letzte Etappe habe die Stadt als Projektträgerin das Baufenster eigens angepasst, um den Narren den Weg buchstäblich zu ebnen: „Es wird gewartet, bis der Narrenbaum abgebaut ist – direkt drauf rollen die Bagger“, erklärt Trefzger und lobt ausdrücklich: „Es gab sehr gute Absprachen mit der Stadt.“

Sicherheit steht gewohnter Route nicht entgegen

Auch das Thema Sicherheit kommt dem Umzug und der hergebrachten Route nicht in die Quere, erzählt der Zeremonienmeister weiter. „Wir können für den Sonntagsumzug die schöne, lange Route nehmen“, über Haupt- und Feldbergstraße in Richtung Fahrnau und über die Roggenbachstraße zurück in die Innenstadt also.

Im vergangenen Jahr stand diese Streckenführung vor dem Hintergrund des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt in Magdeburg kurz zuvor ernsthaft in Frage: Mit Blick auf die Frage, wie die Sicherheit entlang der Umzugsstrecke gewährleistet werden kann, stand damals sogar das Szenario eines Miniumzugs vom Kleinen Eck über die Pflugkurve am Marktplatz vorbei bis zur Stadthalle.

Soweit kam es schon damals nicht: Dank der organisatorischen Bemühungen der Narren rund um Oberzunftmeister Frank Pfeiffer und der Stadt sowie dank der spontanen Hilfsbereitschaft zahlreicher Fasnachtsfreunde konnten alle Zufahrten wie gefordert mit schwerem Traktor- und Lkw-Gerät abgesperrt werden.

Laster, Traktoren, Linienbusse: Große Fahrzeug blockierten im vergangenen Jahr sämtliche Zufahren zur Umzugsstrecke (Archivfoto) Foto: Anja Bertsch

Der Nachtumzug durch die Altstadt indes war tatsächlich verkürzt worden. Auch er aber soll in diesem Jahr wieder seinen gewohnten Weg nehmen und nicht schon nach wenigen Metern, vor der alten Kirche St. Michael, bereits wieder abdrehen, sondern durch die Torstraße und an der alten Hebelschule vorbeimarschieren.

Stadt Schopfheim ist für Sicherheit zuständig

In diesem Jahr hat sich die Situation zumindest aus Sicht der Narren entspannt, da die Sicherheit von Veranstaltungen im öffentlichen Raum nicht mehr Sache des Veranstalters ist, sondern der Kommunen, wie Oberzunftmeister Frank Pfeiffer unter Verweis auf einen Beschluss des Deutschen Städtetags ausführt. „Offiziell sind wir damit aus der Verantwortung.“

Das freilich heißt nicht, dass die Narren sich um das Thema Sicherheit überhaupt nicht kümmern: Auch hier sei man im guten Austausch mit der Stadt und trage als Veranstalter seinen Teil bei, betont Trefzger: „Wir sorgen für die Sicherheit, so viel wir eben leisten können.“

Wohl wieder Laster oder Traktoren im Einsatz

Im Zentrum steht dabei weiterhin die Sicherung von Zufahrten entlang der Umzugsstrecke gegen einfahrende Fahrzeuge. Ob dabei Fahrzeuge oder aber technische Hilfsmitteln zum Einsatz kommen, sei noch nicht in allen Details ausgemacht. „Es kann sein, dass wir ein paar Laster oder Traktoren auftreiben müssen. Im Vergleich zum letzten Jahr ist das aber kaum der Rede wert“, ergänzt in diesem Sinne Pfeiffer.

Stadt will Einfahrsperren besorgen

Das Beschaffen besagter „technischer Hilfsmittel“ hat die Stadt auf ihre Agenda und in ihre Verantwortung genommen: Bereits im Mai 2025 wurde im Gemeinderat darüber informiert, dass die Stadt Einfahrsperren zum Schutz öffentlicher Veranstaltungen – neben Fasnacht zum Beispiel auch Städtlifest, Sommersound oder verkaufsoffene Sonntage – vor „Fahrzeuganschlägen“ anschaffen wolle. Geplant war dies zu einem Teil fürs vergangene Jahr; weitere Sperren sollten 2026 angeschafft werden.

Seither waren solche Barrikaden in der Öffentlichkeit und von Seiten der Verwaltung her kein Thema mehr; eine Anfrage unserer Zeitung an die Stadt, ob die Pläne umgesetzt wurden, konnte in diese Woche nicht beantwortet werden.