Ist es das Aus für die „Pizzeria alla Stazione“ in Kandern? Der Technische Ausschuss lehnt den Umzug in die Hebelstraße ab – Anwohner fürchten Lärm und Verkehr.
Der Technische Ausschuss in Kandern unter der Leitung von Bürgermeisterin Simone Penner hat einen Antrag für den Betrieb einer Pizzeria mit dem Schwerpunkt auf Lieferdienst und „Take-away“ einstimmig abgelehnt. Vorausgegangen war Protest aus der Nachbarschaft gegen den geplanten Gastronomiebetrieb.
Damit ist die Pizzeria allerdings noch nicht endgültig vom Tisch. Das letzte Wort hat nun das Landratsamt Lörrach als zuständige Baurechtsbehörde. Die Fläche war zuletzt als Büro genutzt worden – nun soll eine Pizzeria daraus werden. Ein Alkoholausschank sei nicht vorgesehen, heißt es im Antrag. Im Gastraum sind sechs Sitzplätze geplant. Die Betriebszeiten sollen täglich von 6 bis 22 Uhr gelten – auch an Sonn- und Feiertagen.
Bisher waren in dem Gebäude in der Hebelstraße unter anderem ein Tante-Emma-Laden, eine Bäckerei und ein Bestatter beheimatet. Eine gewisse Belastung gab es damit also schon zuvor. Bei der jetzt geplanten Nutzung handelt es sich laut Antrag um eine „Schank- und Speisewirtschaft“. Auch das ist prinzipiell in einem Wohngebiet zulässig – sofern sich der Betrieb „gebietsverträglich“ in die Umgebung einfügt.
Mit mehr Lärm und Verkehr ist zu rechnen
Aufgrund der Ausrichtung auf Lieferdienst und Abholverkehr sei jedoch mit einem erhöhten Verkehrs- und Lärmaufkommen zu rechnen, insbesondere in den Abendstunden, heißt es in der Vorlage des Technischen Ausschusses. Gegen diese Pläne hatte sich in den vergangenen Wochen deutlicher Widerstand in der Anwohnerschaft geregt.
Mehrere Personen wandten sich in verschiedenen Schreiben sowohl an die Stadt Kandern als auch an das Landratsamt Lörrach. Eines davon stammt von Birgit Lee, zuständig für die Unterbringung von Mitarbeitern an der Black Forest Academy (BFA) in Kandern. Drei der fünf Wohnungen in der Hebelstraße 7 hat die BFA für ihre Mitarbeiter angemietet.
Der Vermieter habe bei der Anmietung versichert, dass in das leerstehende Büro „ein ruhiges Geschäft“ einziehe. Stattdessen habe sie vor rund sechs Wochen ein Schreiben erhalten, in dem angekündigt worden sei, dass eine Pizzeria in das Gebäude einziehen solle. Auf ihren Hinweis, dass dies anders vereinbart gewesen sei, habe der Vermieter nicht mehr reagiert.
Bewohner fürchten Essensgeruch
Die Bewohner der Hebelstraße befürchten eine deutliche Zunahme von Lärm – bis spät in den Abend hinein: anfahrende Autos, zuschlagende Autotüren und laufende Motoren. Hinzu komme eine mögliche Geruchsbelästigung durch die Speisenzubereitung sowie durch Menschen, die rauchend vor dem Haus auf ihr Essen warten. In dem Schreiben von Birgit Lee heißt es: „Die Anwohner werden nie ihre Ruhe haben, und die Balkone vor dem Haus werden nicht zu gebrauchen sein.“
Vorgarten soll Parkplätzen weichen
Auch die im Antrag vorgesehenen zwei Parkplätze sind den Anwohnern ein Dorn im Auge. Denn an dieser Stelle befindet sich derzeit noch ein Vorgarten, der aus Sicht der Nachbarschaft als Pufferzone zur Straße dient. Die Anwohner befürchten, dass der Verkehr dadurch noch näher an die Wohnhäuser rückt. Vor Ort zeigt sich: Die Straßen im Gebiet rund um die Hebelstraße sind schmal. Dass die Gegend zusätzlichen Verkehr durch Lieferfahrer und „Take-away“-Kunden problemlos verkraften könnte, erscheint fraglich.
Neuer Mieter der Fläche ist der bisherige Betreiber der Pizzeria alla Stazione, die Familie von Maurizio Ligresti. Ihnen sei vom Eigentümer der bisherigen Räume gekündigt worden, weil dieser eine höhere Umsatzbeteiligung verlangt habe und sie dies abgelehnt hätten, sagte Gabriele Ligresti im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Einrichtung sei bereits in die Hebelstraße transportiert worden.
Betreiber ist überrascht von der Entscheidung
Auf Instagram kündigten die Betreiber erst vor wenigen Tagen an, in Kürze ihr neues Zuhause präsentieren zu wollen. Gabriele Ligresti zeigte sich von der Entscheidung des Technischen Ausschusses überrascht. Man wolle aber die Entscheidung aus Lörrach abwarten.
Gemeinderätin Bianca Sütterlin wunderte sich im Ausschuss, dass bei den vielen Leerständen in der Stadt ausgerechnet in einem solchen Gebiet ein „Take-away“-Betrieb entstehen solle. Gabriele Ligresti wiederum betonte gegenüber unserer Redaktion, dass seine Familie lange vergeblich nach einem neuen Standort für ihre Pizzeria gesucht habe.
Auch die Unterzeichnerin des Briefes zeigt Verständnis für die Situation des neuen Mieters. „Diese Pizzeria gehört zu Kandern und muss bleiben“, heißt es in dem Schreiben an das Landratsamt. „Nur eben nicht in einem reinen Wohngebiet.“