Bei der Oster-Aufführung der Theatergruppe Pfaffenweiler stand Pit Jessen nach 40 Jahren zum letzten Mal als Regisseur auf und neben den Bühnen-Brettern.
Angefangen hatte alles 1972, als der in Schleswig an der Schley geborene Pit (im Ausweis steht Hans-Peter mit Bindestrich) in Kinderjahren nach Villingen eingewandert wurde, beruflich und privat seinen Lebensmittelpunkt nach Pfaffenweiler verlegte.
Er landete bald beim Narrenverein, wo es beim Heimatabend im Herbst immer eine Bauerntheater-Aufführung gab. Er sei für solche Späße schon gern zugänglich gewesen, sieht er es rückblickend.
Die Theaterspiel-Karriere als Regisseur fiel ihm eher per Zufall zu. Als 1985 der damalige Regisseur Fridel Simon im alten Kindergarten die Treppe hinunter stürzte und sich ein Bein brach, hieß es: Könntest nicht Du das machen.
Dabei blieb es. Es lag ihm, man war mit ihm ja auch nicht ganz unzufrieden, und hat es dann nicht ungern gemacht. Mindestens 25 Stücke hat er bühnenfertig gemacht. Geht nur, wenn man gute Schauspiel-Kollegen hat, schiebt er nach.
An so Stücke wie Ehestand und Wehestand oder Bei uns verklemmt nichts, erinnert er sich noch gerne. Mit bekannten Stückeschreibern wie Heidi Mager (Spätzle und Amore) oder Albin Braig (Hannes und der Bürgermeister) besprach er sich persönlich über Umsetzmöglichkeiten für die Bühne.
Manchmal wurde er von den Akteuren gefragt: So, ist dir wieder was Neues eingefallen? Sie wussten, dass er in der Sauna war, und ihm dort die besten Ideen einfallen.
Zum Theater am Turm
Die Theatererfahrung in Pfaffenweiler war für Pit Jessen eine gute Schule für den nächsten zufälligen Schritt auf die großstädtische Theaterbühne in Villingen. Sein mehr als nur Fasnetskumpel Eberhard Zimmermann hob 1987 das Theater am Turm aus der Taufe, und mit so bekannten Namen der Villinger Szene wie Werner Jörres, Andreas Ertl war er mit dabei.
Eine schöne Zeit, denkt er noch heute gerne zurück. Stücke wie Kein Platz für Idioten, Charlies Tante oder Dreimal Schwarzer Kater wurden rund 80 bis 90 Mal pro Saison gespielt. Im Theater am Turm gab es keine Souffleuse, da war man selbst der Dargestellte.
Theater in Pfaffenweiler und in Villingen, Pit Jessen brachte es unter einen Hut. Freizeit blieb neben dem Brotjob als gelernter Ingenieur auch noch, wie Segeln auf dem Bodensee, Tennisspielen oder Fahrradfahren (bis zu 3000 Kilometer im Jahr), heute noch per E-Bike.
Auf der Fasnet
Die Villinger Fasnet hat es ihm bis heute angetan, auch als Mäschgerle im Häs, darunter jahrelang als Wuescht.
Aus gesundheitlichen Gründen stellte er seine Theaterleidenschaft einige Jahre hintenan. Das Bauerntheater Pfaffenweiler wusste er bei Ronny Munz in guten Händen, ehe er dann wieder ins „Geschäft“ einstieg.
Jetzt am Schluss, so in den vergangenen paar Jahren, habe es wieder „saumäßig“ Spaß gemacht, leuchten seine Augen.
Ob es einen Rücktritt vom Rücktritt gibt, wurde er schon gefragt? Hmm. Er werde demnächst 80 Jahre alt, ist Pit Jessen dann ganz wieder in der Realität. Alles habe eben seine Zeit.