Michael Haselein brachte einst das Brazilian Jiu-Jitsu nach Deutschland. Nun zieht es den 56-Jährigen weiter zum Budo-Club Offenburg.
NEURIED. Wo eine Ära endet, bieten sich zugleich Möglichkeiten, etwas Neues zu beginnen. So verhält es sich aktuell auch für Michael Haselein. Nach mehr als 31 Jahren hat der hoch dekorierte Kampfsportler, Trainer, Ausbilder, Schiedsrichter und Funktionär, der Mitte der 1990er-Jahre Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ) nach Deutschland brachte, den JJJC Neuried verlassen. Eine neue Aufgabe wartet bereits auf ihn.
Seit mehr als vier Jahrzehnten ist Kampfsport einer der zentralen Stützpfeiler im Leben des 56-Jährigen. BJJ, Canadian Jiu-Jitsu, Karate oder Judo – das war und ist seine Welt. Bis 1994 spielte sich das Ganze mit dem Schwerpunkt auf Canadian Jiu-Jitsu in Lahr ab. „Wir haben mit den kanadischen Streitkräften trainiert. Das waren harte Bedingungen, aber es hat auch viel Spaß gemacht und uns weitergebracht“, erinnert sich Haselein im Gespräch mit unserer Redaktion. Canadian Jiu-Jitsu ist zu 50 Prozent von Boden- und Haltetechniken und zur anderen Hälfte von Standtechniken wie Karate- oder Aikido-Elementen geprägt.
Nach Abzug der Kanadier suchte die Gruppe eine neue Heimat, die man in Ichenheim fand. „Man begegnete uns dort sehr offen und herzlich. Gerade für die langen, von familiärer Atmosphäre geprägten Jahre in Zusammenarbeit mit Michael und Jutta Strack bin ich sehr dankbar“, hebt Haselein hervor.
Neun Mal Europameister
Mitte der 1990er kam das Ultimate Fighting Championship (UFC) auf. „Vor allem der Brasilianer Royce Gracie hat mich damals unheimlich mit seinem Stil fasziniert. Ich reiste 1996 nach Brasilien, um BJJ kennenzulernen“, schildert Haselein. Als er dort gegen einen 16-Jährigen mit knapp 70 Kilogramm deutlich verlor, war das augenöffnend. „Ich dachte damals, dank meines kraftvollen Stils könnte ich bereits einiges. Diese Erfahrung lehrte mich, dass ich noch nicht so viel konnte. Kraft kommt irgendwann an Grenzen, so dass ich meinen Stil mehr hin zur Technik adaptierte“, so Haselein.
Er brachte BJJ nach Deutschland und erarbeitete sich in den folgenden Jahren zahlreiche Erfolge. Neun Mal war er Europameister, war Master-Weltmeister und Pan American-Champion. Dazu ist Haselein Träger des 5. Dan (Meistergrad) in BJJ, Canadian Jiu-Jitsu und des 3. Dan in Karate.
Organisatorische Arbeit gelang nur im Kollektiv
Der ursprünglich aus Mahlberg stammende Kampfsportler bildete sich immer weiter. Er reiste nach Kanada, Okinawa und Brasilien, um Techniken durch weiteres Lernen zu optimieren. 2000 gründeten Michael Strack und er den Brazilian Jiu-Jitsu Bund Deutschland (BJJBD), dessen Präsident Haselein bis 2024 war. Auch so konnte sich die Sportart bundesweit entwickeln. Über viele Jahre fand die Internationale Deutsche Meisterschaft (IDM) in Neuried (zuerst Ichenheim, dann Altenheim) statt. „Es waren sehr intensive Jahre. Viel organisatorische Arbeit war, etwa für die Meisterschaften, erforderlich. Als Team-Funktionäre, Trainer und Mitglieder haben wir das alle zusammen gestemmt“, unterstreicht Haselein den nur kollektiv erreichbaren Erfolg stolz. Seine hochdekorierte aktive Karriere beendete er 2016, ist als erfolgreicher Trainer und Ausbilder aber nach wie vor enorm gefragt. „National und international bekannte Namen aus der Szene kamen immer wieder gerne nach Ichenheim, um mitzumachen. Das hat beiden Seiten enorm viel gebracht“, ordnet er ein.
Haselein spürt die Jahrzehnte in der Kampfkunst heute auch körperlich. „Aber ich mache im Training nach wie vor alles mit. Das ist auch eine Form von Respekt und Wertschätzung meinen Schülern gegenüber. Gleichzeitig weiß ich um meine Baustellen und lege den Fokus auf der Matte deshalb so, dass ich sie im Blick behalte“, erklärt er. Nun war es jedoch Zeit für etwas Neues. 2024 hörte er beim Verband als Funktionär auf und ist noch als Schiedsrichter aktiv und auf Vereinsebene wollte er nach mehr als 31 Jahren noch mal etwas ganz Neues beginnen. Nach Gesprächen mit Sabine Strumbel, Sportwartin beim Budo-Club Offenburg, stand schnell fest, dass dort ab 1. Februar 2026 sein neuer Fokus liegen wird.
„Dem JJJC Neuried habe ich sehr viel zu verdanken. Ich wünsche dem Verein nur das Beste. Gleichzeitig freue ich mich jetzt aber auf einen weiteren spannenden Abschnitt“, sagt der 56-Jährige. Wie viele Schüler er in all den Jahren ausgebildet hat, „kann ich nicht sagen. Aber es waren eine ganze Menge“. Man darf sicher sein: Auch in Offenburg werden weitere hinzu kommen, denn in der Szene besitzt der Name Haselein nach wie vor enorme Zugkraft.