Die Deutschen sammeln in den Wäldern gerne Steinpilz und Co. Auch in Hornberg ist das Interesse groß, berichtet Katrin Gilbert von der Schwarzwälder Pilzlehrschau.
Die Schwarzwälder Pilzlehrschau mit Sitz in Hornberg gilt als älteste Schule für Pilzkunde in Deutschland. Regelmäßig bieten die Experten Kurse an – sowohl für Neulinge als auch für Fortgeschrittene. In den vergangenen Jahren hat die Institution einen Anstieg der Pilzinteressierten bemerkt, berichtet Pilzexpertin Katrin Gilbert im Gespräch mit unserer Redaktion.
Den herannahenden Herbst mit seinen oftmals kühleren und nassen Witterungen verbinden viele mit Pilzen. Auch Gilbert bestätigt: „Der Herbst ist traditionell die Hauptsaison.“ Zwar gebe es auch zu anderen Zeiten Pilze zu finden, gerade aber viele „Einsteigerpilze“ wie Röhrlinge – zu denen auch die Steinpilze zählen – seien im Spätsommer und Herbst gut zu finden. Woher das (gesteigerte) Interesse kommt, darüber könne sie nur Vermutungen aufstellen, erklärt Gilbert.
In Fachkreisen würden mehrere Gründe diskutiert. Zum einen sei es eben ein sehr günstiges Hobby. Gerade Familien komme das zu Gute. Andere würden ihr vergessenes Pilzwissen gerne wieder auffrischen. Manch einer sei etwa früher mit den Großeltern auf der Suche nach Speisepilzen in den Wald gegangen, habe später aber die Fähigkeit, die Art sicher zu bestimmen, wieder verloren. Ein weitere Faktor: Während der Corona-Pandemie rückten Aktivitäten an der Frischen Luft verstärkt in den Fokus.
Großes Interesse schon im Kindesalter
Ein „Alte-Leute-Hobby“ ist die Pilzsuche in unserer Region keineswegs. Gilbert berichtet von großem Interesse bei Kindern. Die würden wissen wollen, was sie da in der Natur sehen. So seien es oft Familien, die an den Pilzführungen in Hornbergs Wäldern teilnehmen.
Und wie gelingt der Einstieg? Reicht das Blättern in einem Pilzbuch aus? Sich die Kenntnisse selbst beizubringen, sei zwar möglich, aber sehr schwierig. Das sichere Erkennen einer Pilzart sei oft schwieriger als bei Pflanzen. „Pilze sind auch innerhalb einer Art variabel“, erklärt Gilbert. Beispielhaft zieht sie den Vergleich mit dem Löwenzahn. Der sehe, abgesehen von der Größe, fast immer gleich aus.
Anders in der Welt der Pilze. Viele würden etwa den Steinpilz mit einem breiten Stiel verbinden. Das treffe jedoch nicht immer zu. Der Fruchtkörper könne sich über die Zeit verändern. Eine klare Warnung spricht Gilbert vor der Bestimmung von Speisepilzen via Bilderkennungsapps aus. Das sei zu unsicher.
Sachverständige helfen bei der Bestimmung
Wer einen leichteren Zugang zu den Pilzen finden will, der kann etwa bei den Hornberger Pilzführungen oder den Einsteigerseminaren teilnehmen. Ebenfalls eine große Hilfe seien sogenannte Pilzsachverständige. Die Ehrenamtlichen würden bei der Bestimmung der Funde helfen. Auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Mykologie lassen sich auf einer Karte die Sachverständigen je nach Region finden.
Auch in der Pilzlehrschau in Hornberg können Sammler während der Kurszeiten ihre Funde bestimmen lassen, erklärt Gilbert. Wenn es um Speisepilze geht, reiche die Bestimmung der Art alleine nicht aus. Häufig würden von Unerfahrenen Speisepilze gesammelt, die nicht mehr zum Verzehr geeignet seien – etwa weil sie schlicht schon zu alt sind. Dann könne man sich eine Lebensmittelvergiftung zuziehen.
Wer die nötigen Kenntnisse hat, kann grundsätzlich mit dem Sammeln loslegen. „In Deutschland gibt es das freie Betretungsrecht“, erklärt Gilbert. Für Naturschutzgebiete und Nationalparks gelten bestimmte Regelungen, die online eingesehen werden können. Ihrer Erfahrung nach seien die Menschen in der Region verantwortungsvoll.
Gesammelt werden dürfen auch nur Mengen für den Eigenbedarf. Gesammelt werden darf deutschlandweit maximal ein Kilogramm pro Person pro Tag von einer eingeschränkt geschützten Art, sowie ein Kilogramm einer nicht geschützten Art. Oder zwei Kilogramm von nicht geschützten Pilzarten.
Seminare in Hornberg
Die Schwarzwälder Pilzlehrschau hat auf ihrer Internetseite ihre Kursangebot veröffentlicht. „Die Nachfrage ist hoch“, so Katrin Gilbert. Zwar gebe es noch einzelne Plätze bei Einsteigerseminaren, die anstehenden Kurse für Fortgeschrittene seien aber bereits so gut wie ausgebucht.