In Kleingruppen bekommen alle Teilnehmer gleich viel Redezeit. Foto: Öhler

Missverständnisse und Konflikte können durch falsche Kommunikation entstehen. Das Zuhör-Café soll dem entgegen wirken. Nun fand die erste Veranstaltung statt. So lief sie ab.

Das Zuhörcafé in der Zehnscheuer in Dietingen war der Startschuss für weitere Gesprächsrunden. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltung, bei der Interessierte über aktuelle Themen der Gesellschaft sprechen, teilen die Initiatoren in einer Mitteilung mit.

 

Ein Zuhör-Café soll Menschen zusammenbringen – unkompliziert, offen und wertschätzend. Ute Sabee und Ulrich Händel organisierten in Zusammenarbeit mit der Erwachsenenbildung Dietingen das Zuhör-Café. Kulturell ergänzt wurde der erste Abend von Liedermacher Pius Jauch aus Bösingen und Birgit Krautheimer, Leiterin des Dietinger Kunsttreffs.

20 neugierige Bürger waren beim ersten Treffen dabei

Die zentrale Frage: „Wie erleben Sie den sozialen Zusammenhalt in Dietingen beziehungsweise in Ihrem Ort?“ Albert Scheible, Leiter der Erwachsenenbildung Dietingen, begrüßte etwa 20 neugierige Besucher. Aktiv mit dabei war auch Dietingens Bürgermeister Felix Hezel.

Weitere Interessierte kamen aus Dietingen und der näheren Umgebung. Ute Sabee aus Dietingen und Hans-Ulrich Händel aus Sulz, die die Initiative „DemokratieCafé“ im Landkreis Rottweil ins Leben gerufen haben, übernahmen die Moderation des Abends.

Kommunikation verändert sich

Doch wie kam es zu der Idee? Die heutige Gesellschaft kommuniziere viel über soziale Medien, das persönliche Gespräch und die Auseinandersetzung mit dem Gegenüber komme zu kurz. Meinungen, Ansichten und Informationen - auch falsche, würden im sozialen Netzwerk verbreitet werden. Missverständnisse und Konflikte könnten das Resultat dieser Art der Kommunikation sein.

„Gräben tun sich derzeit in der Gesellschaft auf, die Debattenkultur wird immer aggressiver. Was darf ich noch sagen, was nicht? Die Kommunikation verändert sich. Man spricht nur noch übereinander, statt miteinander“, so die Initiatoren.

Zuhör-Café bietet geschützten Raum

Mit dem Zuhör-Café wolle man dem in einem geschützten Raum entgegenwirken, so die Mitteilung. Das Besondere an dem von „Mehr Demokratie e.V.“ entwickelten Dialogformat „Sprechen & Zuhören“ ist, dass die Teilnehmenden in Kleingruppen von vier Personen einen Austausch erleben würden. Dies werde dadurch erreicht, dass jede Person gleich viel Redezeit bekomme.

„Beim Zuhören entsteht Empathie und Respekt, insbesondere dann, wenn wir Ähnlichkeiten zu eigenen Erfahrungen erkennen.“ In der Verknüpfung mit Musik und Kunst werde der Austausch zusätzlich sowohl optisch als auch akustisch erlebbar.

Teilnehmer werden sich Themen bewusster

Nach insgesamt drei Gesprächsrunden seien sich die Teilnehmenden bewusster geworden, wie sie in der Tiefe zu einem Thema stehen würden. Es würde erlebt werden, dass eine demokratische Verständigung möglich sei, sozialer Zusammenhalt gefördert werden könne und das nicht nur in Dietingen, sondern auch darüber hinaus.

„Es liegt in unserer Hand, die Lebensgrundlage unserer Kinder und Enkel zu gestalten, mit kreativen Ideen und Lösungen unseren Ort weiter zu entwickeln und den Zusammenhalt in der Gemeinde zu fördern“, so die Mitteilung. Die Vernetzung und die Zusammenarbeit mit der Kommune seien unerlässlich für ein demokratisches Miteinander in einer lebendigen Demokratie. Das Resümee des Abends laute: „Wir alle müssen uns für uns selbst engagieren – für den sozialen Zusammenhalt und für eine starke Gemeinschaft.“

Weitere Zuhör-Café kreisweit

Das über das Programm Aller.Land durch den Landkreis geförderte Zuhör-Café in Dietingen, war ein Pilotprojekt. Im kommenden Jahr sollen weitere Zuhör-Cafés kreisweit stattfinden.