Einer der Ersten: Betriebsarzt Andreas Kreidler impft Schmalz-Mitarbeiter Andreas Baur. Foto: Stadler

Betriebliches Impfen gegen das Coronavirus flächendeckend und erfolgreich umzusetzen, das steht im Fokus der Initiative "Impfen im Mittelstand". Für das Pilotprojekt von Landessozialministerium und IHK wurde die J. Schmalz GmbH in Glatten als eine von vier Firmen ausgewählt. Seit Mittwoch wird geimpft.

Glatten - "Das Impfen ist aus meiner Sicht das erfolgversprechendste Mittel, die Pandemie nachhaltig zu bekämpfen. Deshalb halte ich dieses Pilotprojekt für überaus zielführend", sagt der geschäftsführende Gesellschafter Kurt Schmalz. Die Weichen für eine betriebliche Impfung hatte der Marktführer in der Automatisierung mit Vakuum und für ergonomische Handhabungssysteme früh gestellt. Und das mit Erfolg: Die Firma wurde – als einzige im Landkreis Freudenstadt – neben drei weiteren Unternehmen im Land ausgewählt, um am Pilotprojekt "Impfen im Mittelstand" als erste teilzunehmen. Weitere acht folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

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Wegen der systemrelevanten Bedeutung durch Belieferung der Pharma- und Lebensmittelindustrie und damit der Einstufung als sogenannter Kritis-Betrieb wird seit Mittwoch in den Glattener Betriebsräumen an drei Tagen geimpft. Die firmeneigene Corona-Task-Force hat dafür einen großen Bereich rund um mehrere Besprechungsräume zu einem Impfzentrum umgestaltet. Die Impfungen nehmen Betriebsarzt Stefan Kreidler und ein weiterer Mediziner vor. Ihnen stehen 15 betriebseigene Helfer – primär ausgebildete Ersthelfer – zur Seite, die für einen reibungslosen Ablauf der Erstimpfungen sorgen.

Wie Timo Ganz, der Leiter der Unternehmenskommunikation, und seine Kollegin Sandra Burkhardt berichteten, hat die Firma Schmalz erst eine Woche vor dem betrieblichen Impfstart von der Aufnahme in das Pilotprojekt erfahren. Unter der Leitung von Manja Hies, die seit einem Jahr hausintern den Corona-Krisenstab leitet, wurden binnen Kürze alle nötigen Voraussetzungen geschaffen, um pünktlich an den Start gehen zu können. "Sensationell war das Feedback der Belegschaft, als wir über die betriebliche Impfung informierten. Innerhalb eines Tages lagen bereits 450 Anmeldungen zum Impfen vor", berichtet Hies. Die Mitarbeiter seien begeistert gewesen, dass betriebsintern geimpft werde. Fragen der Belegschaft hätten sich meist auf den Ablauf der Corona-Schutzimpfung bezogen.

Impfung unter strengsten Hygieneregeln

Geimpft wurden auf freiwilliger Basis alle ab 16 Jahren mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer – insgesamt mehr als 550 Mitarbeiter. Die zweite Impfung folgt nach sechs Wochen.

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Vergleichbar mit den Impfzentren richtete das Team um Manja Hies die Räume auf dem Firmengelände ein. Neben dem Einbahnstraßenprinzip wurde darauf geachtet, dass Wartezonen Staus verhindern und die Abstandsregeln eingehalten werden. Zwei Räume sind dem eigentlichen Impfen vorbehalten. Nebenan wurde ein großer Besprechungsraum zum Ruheraum umfunktioniert, in dem die frisch Geimpften mindestens 15 Minuten unter Beobachtung verweilen. Einer von ihnen ist der 26-jährige Andreas Baur aus dem Logistikbereich der Firma Schmalz, der von Betriebsarzt Andreas Kreidler gleich am ersten Tag die Erstimpfung verabreicht bekommt.

Auch CDU-Landtagsabgeordnete Katrin Schindele ist zum Impfstart im Unternehmen eingetroffen. Es sei toll, dass die Glattener Firma als einzige im Kreis Teil des Pilotprojekts sein dürfe, sagt sie.

Hoffnung auf Öffnung steige in kleinen Schritten

Kurt Schmalz blickt zurück auf einen gewaltigen organisatorischen Kraftakt, den sein Team hinter sich hat. Beispielsweise wurde über das Kreisimpfzentrum in Dornstetten eine Kühlbox ausgeliehen, um die Kühlkette für das vom Impfzentrum Offenburg angelieferte Vakzin nicht zu unterbrechen. Aus Sicht des geschäftsführenden Gesellschafters ist das betriebliche Impfen eine Punktlandung, die auch für die zu Impfenden eine gute Atmosphäre in gewohnter Umgebung vermittle und die Hoffnung auf Perspektiven zur Öffnung in kleinen Schritten aufkeimen lasse. Nicht zuletzt auch, um mit Kunden und Partnern, etwa in China oder den USA, schon bald wieder persönliche Kontakte aufnehmen oder diese bei ihrem Besuch im Schwarzwald zu einem Geschäftsessen einladen zu können.

Außerdem werde sein Unternehmen die Erfahrungen mit der betrieblichen Impfung anderen Firmen weitergeben. Der offizielle Start für das betriebliche Impfen sei in Deutschland für Juni angekündigt.

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