Die nächste Streikwelle bei der Lufthansa rollt: Vorstand und Spartengewerkschaften treiben sich weiter in die Konfrontation. Eine Seite hat letztlich bessere Karten, meint unser Autor.
Als wäre die dramatische Weltlage, die zu stark eingeschränkten Flugplänen, erhöhten Treibstoffkosten und einer Verunsicherung der Reisenden führt, nicht schon folgenreich genug, macht man sich bei der Lufthansa mit einer weiteren Streikwelle selbst das Leben schwer. Dass die Pilotenvereinigung Cockpit an diesem Montag und Dienstag sowie die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (Ufo) am vorigen Freitag und in den kommenden Tagen auf das große Ganze gerade kaum noch Rücksicht nehmen, beweist – bei aller Unterschiedlichkeit der jeweiligen Streikziele –, wie verhärtet die Fronten sind.
Management will partout die Kosten drücken
Die Unerbittlichkeit der Spartengewerkschaften ist einerseits Ursache, aber gleichzeitig auch Folge der brachialen Kostensenkungsstrategie des Managements. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite treiben sich immer weiter in die Konfrontation. Mit tarifpolitischen Konfliktherden in diversen Teilgesellschaften ist die Gemengelage so unübersichtlich wie in keinem anderen deutschen Unternehmen. Denn in disruptiven Zeiten setzt die Lufthansa-Führung nicht auf Stabilität und Verlässlichkeit, sondern stur auf Veränderung. Mit aller Konsequenz sollen durch Verlagerungen in andere Betriebsteile die Kosten auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau gebracht werden. Sowohl die City Airlines als auch Discover stehen für die Abkehr von der alten, teuren Kerngesellschaft Lufthansa Classic.
Um das Ziel zu erreichen, scheut sich das Management nicht, Gewerkschaften gegeneinander auszuspielen, wie man es so nur von der Deutschen Bahn kannte. Ende voriger Woche hat die Lufthansa mit Verdi erstmals einen Tarifabschluss für Flugbegleiter und Piloten der jungen Konzern-Tochter City Airlines erzielt, obwohl die Gewerkschaft auch nicht handzahm agiert. Demnach hat die Ufo ihre Karten überreizt und muss um ihre Akzeptanz an der Basis bangen. Auch gegenüber Cockpit sitzt das Management letztlich am längeren Hebel. Die Kunden sollten nicht mit ruhigeren Zeiten rechnen.