Monika und Rüdiger Barth am Schlingentisch gehen in den Ruhestand. Foto: Zoller

"Die Zeit ist reif", sagt Monika Barth, die seit 42 Jahren als selbstständige Physiotherapeutin in Bad Herrenalb gearbeitet hat und sich nun auf ihren (Un-)Ruhestand freut.

Bad Herrenalb - Wer die eloquente Unternehmerin kennt, der weiß, dass sie sich in Zukunft sicherlich nicht auf die Räumlichkeiten zu Hause begrenzen wird. Kommunikation und Reisefieber sind ihr als rheinische Frohnatur in die Wiege gelegt, denn sonst wäre die ausgebildete Fachfrau nicht in der Kur- und Bäderstadt Bad Herrenalb gelandet.

Rüdiger Barth, der aus dem nahegelegenen Calmbach stammt, bestätigt das gerne. "Wir sind mittlerweile seit 45 Jahre verheiratet und ich habe aus Begeisterung denselben Beruf erlernt."

Aus Köln

Doch alles langsam und der Reihe nach. Monika Barth stammt aus Köln und hat dort mit 17 Jahren ihre Ausbildung zur Krankengymnastin an der Universitätsklinik absolviert. "Heute nennt man das Physiotherapeutin, damals waren das zwei Jahre Ausbildung plus ein Jahr Praktikum. Erst dann gab es das Diplom", so Barth, die nach ihrem Zertifikat eine Anstellung suchte und eine passende in Freudenstadt fand. Vom Rhein ging es mitten in den Schwarzwald hinein.

"Ich war drei Jahre in Freudenstadt und danach ging es über Kollegen direkt nach Bad Wildbad", erläutert Monika Barth, die dann über vier weitere Jahre bei Werner Rommel arbeitete. "Als Namensgeber der heutigen Rommel-Klinik gründete Rommel 1972 das Fachkrankenhaus für Erkrankungen des Bewegungsapparates. Arbeitsschwerpunkte dort waren die Diagnostik und Therapie von orthopädischen und neurologischen Krankheitsbildern."

Intensive Zeit

Was folgte, war eine intensive Zeit, bei der Barth nicht nur ihren Mann, sondern zudem die Schlingentischtherapie kennenlernen konnte, die sie bis heute als den Schwerpunkt ihrer Arbeit bezeichnet. Kein Wunder also, dass sich das Ehepaar mit dem wohl wichtigsten Hilfsmittel seiner Praxis auch als Abschiedsgruß an alle Patienten ablichten lässt. Rüdiger Barth war vom Berufsbild der Krankengymnastik so begeistert, dass er sich 1977 dazu entschloss, in Homburg Saar die Ausbildung zum Krankengymnasten an der Universitätsklinik zu absolvieren. Mit dem Umzug nach Homburg und der Geburt der Tochter Pamela kam schlussendlich nach zehn Jahren im Angestelltendasein und dem neuen Abschluss des Ehemannes die Frage nach der Selbstständigkeit "Wir haben den Finger in unsere Fachzeitschrift gesteckt und festgestellt: In Bad Herrenalb werden Krankengymnasten gesucht", berichtet Monika Barth und ergänzt: "Wir eröffneten unsere Praxis im Januar 1980 in der Klosterstraße und hatten von Anbeginn an einen grandiosen Start." Sie berichtet davon, dass sie Ärzte eingeladen hatte, um ihre verschiedenen Behandlungsmethoden zu präsentieren. "Denn wir waren die ersten Krankengymnasten am Ort." Fürsprecher, die ihre Arbeit bereits aus Bad Wildbad kannten, brachten viele Patienten, die von ihrer Arbeit begeistert waren.

Enorme Einschnitte

"Nur wer Glück hatte, konnte per Telefon einen Termin ergattern", so Rüdiger Barth, der darüber berichtet, dass "dank weiterer Mitarbeiter alle Patienten sowohl Einheimische als auch Kurgäste behandelt werden konnten". Dank der "offenen Badekuren", die von den Patienten beantragt, den Kassen genehmigt und den Ärzten verordnet wurden, war in der Praxis immer genügend zu tun. Enorme Einschnitte brachte das Jahr 1997 mit dem offiziellen Ende der offenen Badekuren. "Das hat das Bild der Heilbäder in ganz Deutschland verändert", sagt Monika Barth, die neben ihrer Arbeit in der Praxis auch noch das Sanatorium am Mayenberg, das Sanatorium Grüner Wald und das Thermalbad betreute. Auch Hausbesuche in Altenheimen wurden absolviert. "Noch im selben Jahr bot sich die Gelegenheit für eigene Räumlichkeiten in der Ettlinger Straße, um unseren Beruf nur noch als Duo, also zu zweit weiterhin auszuüben."

Ergänzend führte Monika Barth im Thermalbad asiatische Behandlungen wie Shiatsu und Klangschalen-Massagen durch und arbeitete bis jetzt mit ihrem Mann in der Praxis auf ärztliche Anordnung. Nun aber gibt es in der Physiotherapiepraxis einen Nachfolger.

Info: "Schwebend"

Das Thema Schlingentisch gehört zu Monika Barth dazu wie der Gedenkstein in Bad Wildbad, der zu Ehren des Erfinders vom Schlingentisch im Kurpark zu sehen ist: Der Schlingentisch ist ein Hilfsmittel, das ermöglicht, den Körper oder Teile des Körpers von Patienten in Schlingen hängend zu lagern. Die Schlingen bewirken eine Entspannung der Muskulatur und schonen betroffene Gelenke. Denn Bewegungen, die normaler Weise eingeschränkt oder schmerzhaft wären, können unter diesen "schwebenden" Bedingungen erheblich leichter und schmerzfreier ausgeführt werden.