Die Bürgerenergie Deißlingen (BED) hat ein ehrgeiziges Projekt in Angriff genommen: Auf einer Fläche von etwa 14 bis 16 Hektar im Gewann „Primholz“ nahe der Firma Knauf in Lauffen soll eine Freiflächenphotovoltaikanlage entstehen. Das war in der Hauptversammlung zu erfahren.
Diese Fläche ist rund viermal so groß wie die Freiflächenphotovoltaik-Anlage in „Jettenwiesen“ nahe der B 27. Die Anlage im „Primholz“ ist sehr versteckt und somit nicht leicht einzusehen.
Berechnungen sehen eine installierte Leistung von circa 19 Milliwatt peak und einen Energieertrag von etwa 21600 Megawatt Peak vor, was einem Strombedarf von 6100 Haushalten oder 18 300 Einwohnern entspreche.
Mit einem Partner zusammengeschlossen
Die gesamte Stromproduktion beschränke sich dabei auf 0,6 Prozent der Gemeindefläche, war zu hören. Den Stromüberschuss könnte dann zu Beispiel die Firma Knauf günstig übernehmen (nur 400 Meter von der Anlage entfernt). Hier seien sogar schon Gespräche im Gange.
Die Übergabestation zur Netzeinspeisung ist im Übrigen auch nur 1,1 Kilometer entfernt. Eventuell bestehe die Möglichkeit der Wasserstoffherstellung, aber das sei noch Zukunftsmusik, hieß es.
Um dieses Großprojekt zu realisieren, hat sich die BED mit einem Partner zusammengeschlossen: der WPD GmbH. Die WPD ist ein weltweit agierendes Unternehmen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Der Gesellschaftervertrag für die Solarpark Primholz GmbH & Co. KG wurde bereits abgeschlossen und unterschrieben.
Die Gesellschaft besteht somit aus den beiden Kommanditisten, der Bürgerenergie Deißlingen (BED) und der Firma WPD. Die BED hält mit 51 Prozent die Mehrheit an der Gesellschaft. Die Gemeinde Deißlingen hat außerdem die Option, mit zehn Prozent in die Gesellschaft einzusteigen.
Noch einige rechtliche Fragen zu klären
Bevor die Gemeinde ihre Beteiligung an der Gesellschaft bestätigen kann, müssen noch einige rechtliche Fragen mit der Landesregierung geklärt werden. Wenn das geschehen ist, kann die Gemeinde ihre Entscheidung über den Einstieg treffen.
Die Finanzierung des Projekts erfordert Eigenkapital von den Mitgliedern der BED. Der Gesamtwert der Investition wird auf 11,85 Millionen Euro geschätzt. Nach Abzug von Fremdkapital, der Option für die Gemeinde Deißlingen und dem vorhandenen Eigenkapital der BED verbleibt ein Restbetrag von 1,2 Millionen Euro, der von den Mitgliedern der BED aufgebracht werden muss.
Von 2000 auf 25 000 Euro
Um die Finanzierung zu stemmen, soll der Höchstbetrag für die Investition pro Mitglied von derzeit 2000 auf 25 000 Euro angehoben werden. Eine Erhöhung der Dividende, um die Investitionsbereitschaft zu fördern, ist allerdings zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, da die Anlage noch keine Einnahmen generiert.
Der Zeitplan sieht vor, dass die Anlage Ende 2027 in Betrieb gehen soll. Mit Risiken sei bei einem solchen Projekt natürlich immer zu rechnen, hieß es bei der Versammlung, die Verantwortlichen der BED und der WPD zeigten sich jedoch zuversichtlich, dass das Projekt erfolgreich umgesetzt werden kann.
Das geplante Photovoltaikanlage im Gewann „Primholz“ könne einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in der Region leisten, wurde betont.