Die neue Anlage könnte doppelt so viele Haushalte, wie Deißlingen hat, mit Strom versorgen. Foto: © JRJfin – stock.adobe.com

Die Bürgerenergie-Genossenschaft Deißlingen plant auf 16 Hektar Photovoltaik: Strom für mehr als 4500 Haushalte. Die Beteiligung an dem Projekt ist noch möglich.

Die Bürgerenergie-Genossenschaft Deißlingen (BED) plant Großes. Bei der Jahreshauptversammlung wurde über eine Freiflächen-Photovoltaikanlage im Gewann Primholz informiert. Das Gelände, wurde von der Firma Knauf wieder rekultiviert, da dort Gips abgebaut worden war. Bis nächstes Jahr sollen laut Bürgermeister Ralf Ulbrich die Maßnahmen durch Knauf abgeschlossen sein. Nun wird eine große PV Freiflächenanlage mit 16 Hektar plus Erweiterungspotenzial geplant, mit einer Leistung von 15 000 Megawatt pro Jahr. Dies entspräche einer Versorgung für 4500 Haushalten oder 12900 Einwohner.

 

Und die Vorteile liegen auf der Hand: Sehr gute Sonneneinstrahlung, sehr gute Lage und Topografie, vorbelastete Fläche mit ertragsschwachem Boden, somit kein Flächenentzug für Pächter, für die Landwirtschaft. Es sei ein „vollständig benachteiligtes Gebiet“ und somit käme eine EEG-Förderung zum Tragen.

Fachlich versiertes Unternehmen am Start

Weiter gebe es keine Tabuzonen wie Naturschutzgebiete, Biosphärengebiete oder Nationalparks. Laut Landesanstalt für Umwelt „geeignet“ für Freiflächen-PV. Ebenso seien gute Netzanschluss-Aussichten vorhanden.

Um das Ganze umzusetzen, ist ein fachlich versiertes Unternehmen erforderlich. Dies habe man mit der „WPD Bremen“, Standort Bietigheim-Bissingen, gefunden. Dass diese Firma es ehrlich meine, zeige die Tatsache,, dass WPD mit einer Minderheitsbeteiligung von 49 Prozent an der Projektgesellschaft – die noch zu gründen ist – einverstanden ist.

Die Deißlinger BED hält demnach 51 Prozent. Die Gemeinde Deißlingen möchte auch gerne beteiligt sein, was aber laut Ralf Ulbrich momentan rechtlich nicht möglich sei. Dazu müsse erst der BW-Landtag sein Okay geben. Doch man hier guter Dinge.

Obergrenze für Anteile soll angehoben werden

Im Gemeinderat Deißlingen wurde das Projekt begrüßt. In einer der nächsten Sitzungen werde der Pachtantrag für das Gelände Primholz auf der Tagesordnung stehen. Auch grobe Zahlen wurden genannt. So geht man von einem Investitionsvolumen von rund zehn Millionen Euro aus. Davon müsste die BED, Stand heute, rund fünf Millionen Euro aufbringen. Dazu sei natürlich Fremdkapital notwendig, so Finanz- und Wirtschaftsvorstand Paul Hengstler.

Außerdem soll die Obergrenze für gezeichnete Anteile auf 10 000 oder 15 000 Euro pro Mitglied angehoben werden, um Mittel für das Projekt zu bekommen. Dazu ist allerdings eine Satzungsänderung notwendig.

Beitrag zur Energiewende

Auch die Mitgliederwerbung müsse vorangetrieben werden. Das Projekt trage einen großen Schritt zur Energiewende bei, die BED will seinen Teil beitragen. Dass die Finanzierung eine sportliche Aufgabe ist, sei Vorstand und Aufsichtsrat bewusst.

Mitglied Werner Strauß brachte als Anreiz eine Erhöhung der Dividende ins Spiel, um mehr Gelder für das Projekt zu generieren.

Dies wurde von Paul Hengstler vorerst abgelehnt. Man müsse erst einmal wissen, wie rentabel das Projekt werde, bevor man mehr Geld ausschütte. Natürlich werde man, wenn alles gut läuft, über eine Erhöhung nachdenken. Hubert Holl vom Aufsichtsrat sagte, man wisse noch nicht, welches Risiko bestehe. Allerdings, so Paul Hengstler: „Ohne Risiko geht es bei einem solchen Großprojekt nicht“.