In drei Jahren wird die Phosphorrückgewinnung verpflichtend. Bisingen möchte Kooperationspartner sein bei der Ausarbeitung eines neuen Verwertungskonzepts.
Wohin mit dem Klärschlamm? Und wie soll er zukünftig verwertet werden? Mit diesen Fragen wird sich der Bisinger Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung beschäftigen. Hintergrund: Die Verwertungsanlage auf der Kläranlage in Balingen, auf der der Klärschlamm aus dem Zollernalbkreis seit Anfang des Jahres 2009 getrocknet und thermisch verwertet wird, arbeitet seit Anbeginn nicht optimal.
Und: Die Phosphorrückgewinnung wird in drei Jahren verpflichtend.
Aber der Reihe nach. Seit der Stilllegung der Teichkläranlage in Wessingen im Dezember 2014 wird neben dem Abwasser aus Bisingen, Steinhofen und Thanheim auch jenes aus Wessingen und Zimmern auf der Bisinger Kläranlage gereinigt. Bis 2018 wurde der Klärschlamm (in einer Mischung aus Fest- und Flüssigstoffen) mit einer Kammerfilterpresse entwässert. Im folgenden Jahr wurde diese nach mehr als 40 Betriebsjahren durch eine Zentrifugenpresse ersetzt. Mit ihr werden jährlich etwa 700 bis 800 Tonnen entwässerter Klärschlamm produziert.
Mit Kooperationspartnern
Seit etwa 15 Jahren wird der gepresste Klärschlamm zur Verwertung auf der Kläranlage in Balingen angeliefert (vor 2011 wurde er über einen landwirtschaftlichen Betrieb entsorgt – aber nicht auf Bisinger Gemarkung).
Noch weiter zurück, ins Jahr 2009, reicht die Vereinbarung über die gemeinsame Klärschlammverwertung im Zollernalbkreis auf der Balinger Kläranlage – die Trocknung und thermische Verwertung sowie die Gasgewinnung umfassend. Kooperationspartner aus dem Landkreis neben Bisingen: Hechingen, Rosenfeld, Geislingen sowie die Abwasserverbände Balingen und Oberes Schlichemtal.
Probleme in Balingen
Das Problem: Die Balinger Klärschlammverwertungsanlage läuft nur mit regelmäßigen Unterbrechungen, Umrüstungs- und Optimierungsmaßnahmen gehören zum Alltag, ebenso längere Stillstände. Diese wiederum bedürfen konsequenter Ersatzbeschaffungen. Dazu kommt ein hoher interner Personalaufwand, zeitweise muss die Abfuhr von Pressschlamm und getrocknetem Schlamm fremd vergeben werden. Und, zu guter Letzt: Immer wieder tauchen Probleme mit Verunreinigungen beim angelieferten Pressschlamm auf. Unterm Strich stehen teilweise höhere Betriebskosten als die Klärschlammentsorgung „einbringt“. Zur Information in diesem Zusammenhang: Aktuell bewegen sich die Entsorgungskosten bei 129 Euro/Tonne; bei einem jährlichen Klärschlammanfall von zirka 790 Tonnen macht das rund 102.000 Euro im Jahr. Hinzu kommt nun die ab dem Jahr 2029 für alle Betreiber einer kommunalen „Abwasserbehandlungsanlage“ verpflichtende Phosphorrückgewinnung – so die Klärschlamm-Trockenmasse einen Phosphorgehalt von zwei Prozent aufweist (was in Bisingen der Fall ist).
Entsorgungssituation überprüfen
Für den Zollernalbkreis heißt das, die weitere Entsorgungssituation zu überprüfen und neu auszurichten. Bisher wird die Entsorgungssicherheit über zwei Stationen hergestellt: über die Monoverbrennungsanlage in Balingen sowie die Mitverbrennung von getrocknetem Klärschlamm im Zementwerk in Dotternhausen.
Darum wissend, hat das Landratsamt schon 2023 ein landkreisweites Entsorgungskonzept für die Klärschlammentsorgung mit Phosphatrückgewinnung in einer gebündelten Ausschreibung angeregt. Weiterverfolgt wurde dieses Verfahren aber nicht. Aktuell sind die Verwaltungen der Kläranlagen Balingen, Albstadt und Hechingen daran, ein Konzept für die künftige Klärschlammverwertung auszuarbeiten. Dabei sollen die bisherigen Kooperationspartner Geislingen, Rosenfeld, der Verband Oberes Schlichemtal und Bisingen mit berücksichtigt werden. An der Ausarbeitung dieses Konzepts möchte die Gemeinde Bisingen gerne teilhaben. Zumal sich die Kosten offenbar in überschaubarer Höhe bewegen.