Siegbert Hils (links) und Klaus Kaiser stellen den Neuerwerb des Deutschen Phonomuseums vor, das „Bébé Jumeau parlant“ mit Lioret-Phonographe. Foto: Hans-Jürgen Kommert

Siegbert Hils hat das Modell „Bébé Jumeau parlant“ der französischen Manufaktur Emile Jumeau ersteigert. Das sprechende Prestigeobjekt ergänzt die Sammlung in St. Georgen.

Eine kleine Revolution stellten Siegbert Hils und Klaus Kaiser im Deutschen Phonomuseum in St. Georgen vor: eine Puppe aus der französischen Manufaktur Emile Jumeau.

 

Doch was hat eine Puppe mit dem Museum zu tun? Nun, das „Bébé Jumeau parlant“ mit Lioret-Phonographe dürfte die wohl älteste Sprechpuppe gewesen sein. „Sprechende Puppen waren lange Zeit ein Traum, der erst mit dieser Jumeau-Puppe verwirklicht wurde“, erklärte Hils.

Anlässlich des Besuchs von Zar Alexander III in Frankreich erhielt der Uhrmacher und Erfinder Henri Lioret von Emile Jumeau den Auftrag, einer Puppe das Sprechen beizubringen. Diese sollte den Töchtern des Zaren als Geschenk überreicht werden.

Lioret entwickelte dazu eine völlig neue „Sprechmaschine“, die klein genug war, um im Puppenkörper Platz zu finden. Er schuf einen Phonografen mit Federwerk mit einem Tonträger aus Messing und Zelluloidmantel – dieser trug die Schallrillen und war somit hunderte von Malen abspielbar.

Als Spielzeug ungeeignet

Allerdings stellte die Puppenmanufaktur wertvolle Puppen her, mit wunderschönen Kleidern, der Kopf und sichtbare Körperteile waren aus Porzellan.

Während des Abspielvorgangs durfte der recht schwere Puppenkörper auch nicht bewegt werden, daher war die Puppe als Kinderspielzeug eher ungeeignet, vielmehr ein Prestigeobjekt für die Eltern.

Schon länger hatte Hils den Markt beobachtet – immer wieder einmal tauchte bei einer Internet-Verkaufsplattform eine solche Puppe auf, jedoch zu horrenden Preisen. Letztendlich gelang es ihm, dieses Objekt zu ersteigern.

Frage der Herkunft

„Tatsächlich hatte die Verkäuferin einen russischen Namen – wer weiß, ob es sich bei dieser Puppe nicht um eine derjenigen handelt, die damals den Zarentöchtern überreicht wurden“, sagte Hils mit einem Schmunzeln. Auf jeden Fall krönt „Bébé Jumeau parlant“ mit „Lioret-Phonographe“ die kleine Sammlung sprechender Puppen im Museum.