Zur damaligen Zeit eine echte Sensation – eine Uhr, die die Zeit nicht nur auf dem Zifferblatt anzeigt, sondern auch ansagen kann. Im Phonomuseum ist die „sprechende Uhr“ ausgestellt.
Das Deutsche Phonomuseum ist mit über 300 Exponaten ausgestattet, die die Entwicklung und Geschichte der mechanischen Tonaufzeichnung zeigen. Das Museum blickt auf die vergangenen 150 Jahre zurück, in der auch die „sprechende Uhr“, oder auch „Hiller-Uhr“, nach Bernhard Hiller benannt, eine prägende Rolle spielt. Sie gehörte in der damaligen Zeit zu den bahnbrechendsten technischen Errungenschaften.
Eine „sprechende Uhr“ aufzutreiben, sei gar nicht so einfach gewesen, so Siegbert Hils. Mittels langer Internetrecherche konnte eine solche Uhr gefunden werden, allerdings ohne Filmband. „Es gibt kaum noch Uhren, die ein funktionierendes Filmband haben“, sagt Hils. Allerdings gelang es dem Phonomuseum, in einer größeren Aktion in Frankfurt eine „sprechende Uhr“ mit Filmband zu erwerben. Die Uhr ist schon eine längere Zeit in der Sammlung, doch nun hat sich das Phonomuseum entschieden, die Uhr in den Vordergrund zu stellen.
Die Anfertigung einer „sprechenden Uhr“ sei damals nicht zum Zweck, zum Beispiel für Blinde, gemacht worden, sondern eher als Gag, erklärt Hils. Er hat sich zusammen mit Reinhard Häfele schlau gemacht und beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte der „sprechenden Uhr“. Die beiden haben auch ein Buch, „die sprechende Uhr – eine Hiller Uhr“, verfasst, in der sie die Geschichte aufgreifen.
Ein seltenes Exemplar
Es wurden von der Firma „Sprechende Uhr AG“ nur um die 180 Exemplare hergestellt und verkauft, erzählt Hils. Dann sei die Firma 1913 bankrott gegangen und das nur ein Jahr nach ihrer Gründung. Der Grund dafür, dass nur so wenige Uhren verkauft wurden, sei der instabile Tonträger gewesen, auf dem die Tonaufnahmen gespeichert waren. Der Film wurde schnell spröde durch die Belastung, die während des ständigen Abspielens entstand. Auf dem Filmband waren Tonrillen mit entweder 24 oder 48 Tonrillen. Ein Filmband mit 48 Rillen konnte jede Viertelstunde ansagen.
Wirklich eine Hiller-Uhr?
Während der Recherche sind Hils und Häfele auf eine interessante Entdeckung, was den Erfinder der „sprechenden Uhr anbelangt, gestoßen. Hiller sei zwar Musterbauer und Konstrukteur gewesen, gehe man aber der Geschichte der Firma „Sprechende Uhr AG“ nach, seien in den Jahren von 1905 bis 1913 keinerlei Informationen, weder über Teilhaberschaft noch über eine Erfindertätigkeit von Hiller, in dieser Firma nachzuweisen, so Hils. Dagegen sind die beiden in zeitnahen Berichten, wie Fachzeitschriften oder Fachzeitungen , auf andere Namen gestoßen, die als Erfinder und Konstrukteure genannt werden.
Allerdings wird Hiller eine andere Erfindung zugeordnet. Im Jahr 1914 gilt er als Erfinder einer Zeit ansagenden Uhr, die die Uhrzeit mit einer Schallplatte als Tonträger mitteilt.
Ist die Uhr noch zu hören?
Zur Wiedereröffnung des Phonomuseums an diesem Mittwoch, 3. Dezember, wird die „sprechende Uhr“ einen Platz im Mittelpunkt erhalten. Die Besucher können eine rekonstruierte Aufnahme einer damaligen Zeitansage mit einem Audioguide anhören.