Einen spannenden Vortrag über das Leben Max Auwärters in Onstmettingen hielt Volker Lässing beim 26. Tag der Begegnung im Philipp-Matthäus-Hahn Museum. Foto: Hans Raab

Zum 26. Tag der Begegnung im Philipp-Matthäus-Hahn Museum referierte Volker Lässing über den Physiker Max Auwärter. Dieser betrieb eine Zeit lang ein Forschungslabor in der Onstmettinger Riedschule, später wurde er als Industriepionier in Lichtenstein bekannt.

Bis auf den letzten Platz besetzt war das Philipp-Matthäus-Hahn Museum, in welches der Förderverein zum 26. Tag der Begegnung geladen hatte.

 

Dort hatte Volker Lässing zu dem Thema „Der Physiker und Visionär Max Auwärter in Onstmettingen (1943-1946) – Aus dem Forschungslabor in der Lehrwerkstatt zum Industriepionier in Liechtenstein“ referiert. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Reinhard Fritsch.

Auwärter, in Knittlingen geboren, studierte in Tübingen und München. Nach Jahren in Stuttgart wechselte er zur Hanauer Firma Heraeus, wo er sich einen Namen im Bereich Oberflächenphysik und dünnen Schichten machte.

Während des Zweiten Weltkrieges hatte Auwärters Forschung an der Hochvakuumstechnik und der Beschichtung optischer Geräte große Bedeutung.

Wiege des kommerziellen Waagenbaus lag auf der Alb

Wie viele Wissenschaftler musste auch Auwärter seine Wirkungsstätte verlagern. Dass er schließlich in Onstmettingen landete, war eher zufällig. Aufgrund einer Krankheit war ihm empfohlen worden, in der Höhe zu arbeiten. Passende Laborräume fanden er und seine Mitarbeiter in einer leerstehenden Lehrlingswerkstatt in der Riedschule.

Dass es eine solche in Onstmettingen gab, sei keineswegs erstaunlich gewesen, betonte Lässing. Hier stand schließlich die Wiege des kommerziellen Waagenbaus und der feinmechanischen Industrie des heutigen Albstadts – und für diese Entwicklung war eine qualifizierte Ausbildung notwendig.

Die Famile Bosch erleichterte den Auwärters die Ankunft in Onstmettingen

Auwärters Familie kam Ende 1943 nach Onstmettingen und fühlte sich dort zunächst nicht wohl, erinnert sich Lässing aus einem Gespräch mit Hildegard Auwärter. Doch die herzliche Aufnahme im Hause Bosch habe der Familie vieles erleichtert und ließ vergessen, dass „jeder auf jeden schaut“.

Der Wissenschaftler selbst stand in ständigem Kontakt zum Nobelpreisträger Max von Laue und Otto Hahn, dem Entdecker der Kernspaltung, dessen Labor sich damals in Tailfingen befand.

Gegen Kriegsende beschlossen sie, entgegen des Führerbefehls, ihre Labore nicht zu zerstören. Während Hahn nach dem Einzug der Alliierten von den Amerikanern abgeholt wurde, konnte Auwärter in Onstmettingen bleiben.

Über die Firma des Musikgeräteherstellers Hohner in Trossingen entstand ein Kontakt zu Fürst Josef Franz II. von und zu Liechtenstein, der für das damalige Armenhaus Europas dringend Leute suchte, die eine industrielle Entwicklung in Gang setzen konnten.

Dabei dachte der Fürst an eine Industrie, in der Menschen nicht nur stupide am Fließband stehen, sondern mitdenken sollten.

Auf illegalem Wege folgte Auwärters Familie ihm nach

Dies überzeugte den Wissenschaftler und er arbeitete fortan in Liechtenstein. Auch seine Familie verblieb nicht lange in Onstmettingen. Illegal verließ sie die Besatzungszone und wurde von der Liechtensteiner Grenzpolizei abgeholt.

Auwärters in Onstmettingen verbliebene Abteilung der Firma Heraeus wechselte von der Lehrwerkstatt in das Gebäude der heutigen ABA, zog aber schon 1950 nach Köln ab.

Eine für die Onstmettinger Bevölkerung gar nicht so sichtbare Episode wissenschaftlicher Tätigkeit war zu Ende gegangen – nicht aber das umtriebige Tun Max Auwärters: Mit Unterstützung des Fürsten von Liechtenstein und dem Schweizer Industriellen Emil Georg Bührle gründete er 1949 die Gerätebau-Anstalt Balzers, aus der später Oerlikon Balzers hervorging.

Max Auwärter verstarb 1995 und hinterließ nicht nur ein florierendes Unternehmen, sondern hatte sich auch zeitlebens für die hoch qualifizierte Ausbildung eingesetzt.