Für Novartis-Chef Vas Narasimhan ist die Schweiz derzeit der attraktivste Standort in Europa, wie er in einem Interview sagt. An die EU stellt er Forderungen.
Bei Novartis standen vergangenes Jahr neben Patentabläufem auch politische Themen wie die US-Zollpolitik und die Preisgestaltung für Medikamente im Fokus.
Für Novartis-Chef Vas Narasimhan ist die Schweiz zwar der attraktivste Standort in Europa, wie er sagt. Er kann aber nicht ausschließen, dass Medikamente später auf den Markt kommen, wenn der Preis nicht stimmt.
China gilt als wichtiger Wachstumsmarkt. Welche Chancen und Risiken sehen Sie dort?
China ist unser zweitgrößter Markt und verfügt inzwischen über ein sehr modernes regulatorisches Umfeld. Gleichzeitig wächst der lokale Wettbewerb stark – chinesische Unternehmen werden zunehmend globale Konkurrenten. Das zwingt uns, schneller zu innovieren und wettbewerbsfähig zu bleiben – auch in Europa und den USA.
Und welche Rolle spielt dabei die Schweiz in puncto Forschung und Produktion?
Rund die Hälfte unserer Investitionen in Forschung und Entwicklung erfolgt in der Schweiz. Das liegt an der Offenheit für internationale Talente, stabilen Rahmenbedingungen und starker staatlicher Unterstützung.
Innerhalb Europas ist die Schweiz aktuell der attraktivste Standort für Forschung und Produktion.
Dennoch gab es gerade in den vergangenen Wochen und Monaten eine anhaltende Diskussion um das Thema Preispolitik. Dabei haben Sie in einem offenen Brief höhere Medikamentenpreise in der EU gefordert. Was genau müsste sich ändern?
Das Kernproblem ist, dass Innovationen in unserer Branche überwiegend durch die USA finanziert werden, während die Preisdifferenz zu Europa immer größer geworden ist. Das wollen wir wieder angleichen.
Und was schlagen Sie vor?
Im Grunde bräuchte es drei Dinge. Erstens eine fairere Bewertung neuer Medikamente – aktuell werden sie in Europa oft mit sehr alten Vergleichspräparaten gemessen.
Dann höhere Budgets für innovative Therapien – diese liegen in Europa auf BIP-Basis nur etwa halb so hoch wie in den USA.
Und drittens?
Eine innovationsfreundlichere Politik, etwa indem Wachstum durch Innovation nicht wieder abgeschöpft wird. Wenn diese drei Punkte umgesetzt würden, könnten wir das innerhalb von drei bis fünf Jahren ausbalancieren. Gleichzeitig bleibt unser Ziel klar: Patienten sollen weiterhin Zugang zu unseren Medikamenten haben.
Würden Sie Medikamente vom Schweizer Markt fernhalten, wenn die Preise nicht stimmen?
Das möchten wir vermeiden. Es könnte jedoch zu Verzögerungen bei Markteinführungen kommen oder zu alternativen Modellen. Wir stehen hierzu im Dialog mit der Schweizer Regierung.
Wie lautet also Ihre Botschaft an europäische und Schweizer Entscheidungsträger?
Es geht um Prioritäten. Die Pharmaindustrie ist einer der stärksten Wirtschaftssektoren Europas – in Forschung, Produktion und Beschäftigung. Viele andere Industrien erhalten erhebliche staatliche Unterstützung. Ein Teil davon sollte in innovative Medikamente fließen – das wäre eine sinnvolle politische Entscheidung.
Nochmals neuen Schwung hat diese ganze Diskussion ja durch US-Präsident Donald Trump erhalten. Sie haben dann im Dezember eine Vereinbarung mit der US-Regierung getroffen. Sind Sie nun gegen mögliche Zölle und Preispolitiken abgesichert?
Ja. Wir haben bereits stark in Produktionskapazitäten in den USA investiert, sodass wir für den US-Markt auch vor Ort produzieren können. Zudem sind wir durch das sogenannte MFN-Abkommen für die nächsten drei Jahre von Zöllen befreit. Insgesamt erwarten wir daher keine nennenswerten Belastungen durch Zölle.