Die Pharmaunternehmen Roche und Novartis erzielen eine Einigung mit der US-Regierung.
Die monatelange Unsicherheit für die beiden Pharmakonzerne Roche und Novartis um die künftigen Medikamentenpreise in den USA hat ein Ende. Am Freitagabend teilte die US-Regierung mit, dass sie mit neun internationalen Pharmafirmen, darunter die Roche-Tochter Genentech und Novartis, eine Einigung über tiefere Medikamentenpreise in den USA getroffen hat.
Die anderen Unternehmen sind Bristol-Myers Squibb, Gilead Sciences, Boehringer Ingelheim, Amgen, GSK, Sanofi und Merck & Co. Genentech teilte am Freitagabend mit, dass die Vereinbarung auf die Senkung der Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente abziele.
So soll etwa das eigene Influenza-Portfolio künftig über die staatliche Plattform TrumpRx.gov sowie über das kürzlich gestartete Direkt-an-Patienten-Programm des Unternehmens verfügbar gemacht werden. Damit solle der Zugang zu bestimmten Medikamenten erleichtert werden.
Bei Novartis hieß es, man habe sich „freiwillig verpflichtet“, mehrere Maßnahmen umzusetzen, um die Prioritäten der US-Regierung bei den Medikamentenpreisen zu unterstützen.
Vergleichbare Preise
Dazu gehöre, künftige Medikamente in Hochlohnländern zu vergleichbaren Preisen auf den Markt zu bringen. Zudem wolle man Direkt-an-Patienten-Plattformen für die Medikamente Mayzent (Siponimod), Rydapt (Midostaurin) und Tabrecta (Capmatinib) aufbauen, die über die staatliche Plattform TrumpRx zugänglich sein sollen. Darüber hinaus plant der Konzern, sich um eine Teilnahme am sogenannten Generous-Modell zu bewerben, das den Zugang zu Medikamenten im US-Medicaid-Programm verbessern soll. Novartis unterstütze zudem Initiativen, um das globale Ungleichgewicht bei Investitionen in pharmazeutische Innovationen anzugehen.
Die Preisreduktionen für Medikamente in den USA sind zum Teil drastisch. Demnach werde etwa Genentech den Preis für sein Grippemedikament Xofluza für Patienten, die es direkt über TrumpRx kaufen, von 168 Dollar auf 50 Dollar senken. Und Novartis werde für sein Multiple-Sklerose-Medikament Mayzent für entsprechende Patienten nur noch 1137 Dollar statt wie bisher 9987 Dollar verlangen.
Als Gegenleistung dafür sollen die (beiden) Pharmafirmen eine Befreiung von Zöllen auf Pharmaprodukte in den USA für drei Jahre erhalten. Der Schweizer Branchenverband Inerpharma zeigte sich am Freitagabend in einem Statement auf der Plattform X zufrieden mit der Einigung und der damit einhergehenden Planungssicherheit. „Für die Schweiz ist das jedoch keine Entwarnung“, ließ sich Geschäftsführer René Buholzer zitieren.
Druck weiterhin hoch
Der Wohlstand der Schweiz hänge stark von Forschung, Produktion und den über 300 000 direkt und indirekt Beschäftigten ab, während die internationale Dynamik den Druck weiter erhöhe.
Die beiden Schweizer Unternehmen bekräftigten dabei auch ihre früheren Absichten, milliardenschwere Investitionen in den USA für die Produktion von Medikamenten zu tätigen. Genentech wolle insbesondere in Produktion, Infrastruktur sowie Forschung und Entwicklung investieren, hieß es.
Investitionen in den USA
Die Vereinbarung baue auf der jüngst angekündigten Investition von 50 Milliarden US-Dollar in den kommenden Jahren auf sowie auf dem Baustart einer neuen Produktionsanlage in North Carolina.
Auch Novartis bestätigte frühere Ankündigungen, in den kommenden fünf Jahren 23 Milliarden US-Dollar in den Ausbau der US-Forschungs- und Produktionsinfrastruktur investieren zu wollen. Seitdem habe man etwa ein biomedizinisches Forschungszentrum für 1,1 Milliarden Dollar in San Diego angekündigt, den Bau eines neuen Produktionshubs in North Carolina gestartet sowie neue und geplante Radioliganden-Therapie-Produktionsstätten in Kalifornien, Florida und Texas vorangetrieben.